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Kultur Regional Cesy Leonard vom Zentrum für politische Schönheit am Mittwoch in Leipzig
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17:05 18.12.2018
Cesy Leonard vom Zentrum für politische Schönheit. Quelle: Inga Aleknaviciute
Leipzig

Man wirft Künstlern gerne vor, es gehe ihnen vornehmlich um sich – und die Kunst um ihrer selbst willen. Oft wird in dem Zusammenhang das Bild vom Elfenbeinturm bemüht. Wenn sie aber vor die Tür treten, die Künstler, mit und in der Öffentlichkeit spielen und Stellung beziehen, dann geht das Theater erst wirklich los. Das Künstlerkollektiv „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) will genau das: „Wir machen Theater, aber nicht auf der Bühne“, sagt Cesy Leonard, Künstlerin, Filmemacherin, Chefin des Planungsstabs und Teil der dreiköpfigen Leitung des ZPS.

In der Veranstaltungsreihe „100 % MEHR | WERT | SCHÖPFUNG“ über den Wert künstlerischer Freiheit spricht sie am Mittwoch (19.12.) um 19 Uhr in der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) über das ZPS. Sie stelle einige Aktionen vor, gewähre einen Blick hinter die Kulissen der Kampagnen-Arbeit und stelle zur Diskussion, wann Kunst an ihre Grenzen stößt und diese überschreiten muss, teilte die HGB mit.

Rechtsextremismus ist das Gegenteil von Demokratie“

Das Zentrum für politische Schönheit, ein Zusammenschluss von rund 70 Aktionskünstlern und Kreativen unter der Leitung des Philosophen und Künstlers Philipp Ruch, geht dahin, wo es wehtut, sucht Streit und findet ihn. Zuletzt mit dem Projekt „Soko Chemnitz“, bei dem die Macher auf dem Grat zwischen Provokation und Aufklärung, Fake und Fakten balancierten – und die erregte Öffentlichkeit an der Nase herumführten. Das ZPS hatte – siehe Lehrer-Pranger der AfD – ein beliebtes totalitäres Mittel benutzt: die Denunziation. Sie stellten Bilder und Filme von den Ausschreitungen in Chemnitz ins Netz und fragten: „Kennen Sie diese Idioten?“ Die Seite war ein Fake – und eine Falle. Über die Suchfunktion – die Künstler gingen davon aus, dass viele der Rechtsextremen sich selbst und Nahestehende eingaben – sammelte die selbst ernannte Soko rund 1500 Namen, Verbindungen, wertete sie aus, schickte den Datensatz per Einschreiben an die Ermittlungsbehörden, während sie den eigenen Datenbestand löschten. „Es fällt schon keinem mehr auf, dass Rechtsextremismus nicht Teil der demokratischen Debatte ist. Rechtsextremismus ist das Gegenteil von Demokratie“, sagte dazu Philipp Ruch dem ARD-Kulturmagazin „ttt“. Es sei auch kein Bestandteil einer Demokratie, Rechtsextremismus in irgendeiner Form aushalten zu müssen, dieser beschreibe stattdessen eine Straftat.

„Menschlichkeit als Waffe“

Das ZPS wurde vor zehn Jahre gegründet. Ruch: „Es hat sich ein Zynismus breitgemacht, der besagt, dass es uns besser gehe, wenn wir visionslos umherirren.“ Das ZPS setzt demgegenüber laut eigener Aussage „auf Menschlichkeit als Waffe“, man experimentiere „mit den Gesetzen der Wirklichkeit. Widerstand ist eine Kunst, die weh tun, reizen und verstören muss“.

Und das gelingt: 2009 zum Beispiel erinnerte das ZPS mit Bomben-Attrappen vor dem Berliner Reichstag daran, dass die Krematorien in Auschwitz nicht von den Alliierten angegriffen wurden. Vor gut einem Jahr wurde eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals vor dem Haus des Thüringer AfD-Politikers Björn Höcke errichtet – in Anspielung auf seine Dresdner Rede mit der Forderung nach einer erinnerungspolitischen Wende.

Oft ist es allein die Idee und die Ankündigung ihrer Umsetzung, die wirkt. Wie jene, einen Beton-Sarkophag à la Tschernobyl über die Produktionsanlagen der Rüstungsfirma Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar zu legen. Oder der Plan, eine Brücke zwischen Afrika und Europa zu errichten unter dem Motto „Retten wir Europas Humanität“. Mit dem per Crowdfunding erzielten Geld wurde immerhin eine Rettungsplattform im Mittelmeer verankert.

Es gibt also genug (Debatten-)Stoff für den Vortrag von Cesy Leonard, die da sagt: „In den Zeiten, in denen wir leben, muss sich jeder selbst überlegen, ob er es sich leisten kann, unpolitisch zu sein.“

Mittwoch (19.12.), 19 Uhr in der HGB (Wächterstraße 11), Raum 2.41

Von Jürgen Kleindienst

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