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Kultur Regional Chor und Orchester der Amici musicaefeiern mit Bachs h-moll-Messe Geburtstag
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17:14 08.09.2019
Festkonzert 25 Jahre Amici musicae in der Peterskirche. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Seit 25 Jahren gibt es sie bereits, Chor und Orchester der Amici musicae, und in dieser Zeit sind die beiden Ensembles Ron-Dirk Entleutners zum gewichtigen Player in Leipzigs Musikszene geworden. Weil sie programmatisch interessante Akzente setzen und, wichtiger noch, weil sie einfach gut sind. Es gibt also reichlich Gründe zum Feiern, und das machen die Freunde der Musik selbstredend mit Musik. Weil die Keimzelle der Amici die Thomaner sind, am besten mit Bach – und weil Ron-Dirk Entleutner keine halben Sachen macht, nicht mit irgendeinem Bach, sondern seiner h-moll-Messe in der leider nicht allzu gut besuchten Peterskirche.

Transparent, federnd, schlank

Neuland ist das nicht für die Amici. Das Gipfelwerk der Kirchenmusik stand bereits mehrfach auf dem Programm, was den Beteiligten vom ersten Ton an anzumerken ist. Hier gerät niemand in Schockstarre angesichts der enormen Schwierigkeiten. Im kultivierten, beweglichen, klangschönen und disziplinierten Chor nicht, bei dem erst im Osanna im Tenor dann doch dieses oder jenes Konditionsproblem hörbar wird. Und nicht im Orchester, das trotz seiner modernen Instrumente einen transparenten, federnden, schlanken Bach abliefert, dabei bemerkenswerte obligate Solos beisteuernd. Fein und beseelt spannt da die Soloflöte ihre Bögen. Delikat und schwerelos spielt der Konzertmeister, das Waldhorn zieht sich im Quoniam mindestens achtbar aus der Affäre, und selbst der Trompetensatz bläst sich nicht allzu vorlaut in den Vordergrund.

Gekonnte Phrasierung, vorbildliche Artikulation

Entleutner weiß sehr genau, wohin er mit diesem Material will. Sein Bach spielt trotz der modernen Instrumente auf der aufführungspraktisch informierten Seite, leugnet nie die Tanz-Modelle, die vielen Sätzen zu Grunde liegen, und er versteht es die im Alten Stil in Fluss zu halten mit gekonnter Phrasierung und vorbildlicher Artikulation.

Beim Tempo allerdings übertreibt es der Dirigent bisweilen. Was auch damit zusammenhängt, dass die modernen Instrumente eben doch träger ansprechen. Und so sind manche der virtuosen Sätze, Cum Sancto Spirito beispielsweise oder Et resurrexit, zwar nicht eigentlich zu schnell, aber sie klingen gehetzt, weil die Instrumentalisten Mühe haben mitzukommen. Den Choristen geht es streckenweise nicht anders, weswegen Entleutner bei Et in terra pax und Et resurrexit einige der Stellen, auf die Chorsänger sich am meisten freuen, den Solisten übergibt. Was indes wenig zu Klärung beiträgt, denn die singen auch in diesen Passagen jeder und jede für sich, nicht allzu präzise zusammen und eher angestrengt.

Höchste Maßstäbe

Die Herren lassen sich ansonsten nichts zu Schulden kommen: Der Tenor Christian Rathgeber singt ein ausnehmend schönes und stilsicher empfundenes Benedictus, und auch Dominic Großes Bass überzeugt mit Kraft und Gespür gleichermaßen. Christiane Wieses Sopran indes klingt zwar schlackenlos leicht und gerade, aber auch recht eindimensional, während Inga Jägers Alt das Volumen fehlt für dieses Werk und diesen Ort. Im Agnus Dei lässt Entleutner sie mit verstörender Konsequenz am ausgestreckten Arm regelrecht verhungern, weil ihr Atem bei dieser Langsamkeit nicht mehr reicht, um noch Bögen zu spannen.

Das ist alles nicht schlimm – fällt im Gegenteil nur auf, weil man bei den Amici musicae wie selbstverständlich höchste Maßstäbe anlegt – was im Detail natürlich so unfair wie unangemessen ist. Realistisch jedenfalls betrachtet ist diese ausführlich beklatschte h-moll-Messe gut: ästhetisch konsequent und durchdacht, handwerklich gekonnt, bei aller durchaus auch etwas gezierten Schlankheit von großer spiritueller Kraft.

Am 31. Oktober, 17 Uhr, führen die Amici sowie der Landesjugendchor Sachsen und das Leipziger Jugendsinfonieorchester unter der Leitung Ron-Dirk Entleutners in der Thomaskirche Mendelssohns „Elias“ auf. www.amici-musicae.de

Von Peter Korfmacher

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