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Kultur Regional Christoph Fritz aus Österreich gewinnt den Kupferpfennig-Wettstreit
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16:37 24.10.2019
Die Kupferpfennig-Wettstreiter Bernard Paschke, Jane Mumford und Christoph Fritz (v.l.) am Mittwoch im Academixer-Keller. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Diesmal haben sie es richtig gemacht. Die drei Bewerber beim Kupferpfennig-Wettstreit haben vor der Pause ihre stärkeren Nummern gespielt. Erst Jane Mumford aus der Schweiz, dann der Österreicher Christoph Fritz und Bernard Paschke aus Leipzig.

Das war nicht in jedem Jahrgang so, weshalb das Publikum im Academixer-Keller manchmal gern zum Schluss noch einmal abgestimmt hätte. Anders. Doch erstens sind wir nicht beim Brexit, und zweitens: Entschieden wird in der Pause. Da wirft jeder seinen Cent in einen der drei Glaszylinder. Am Mittwochabend war das Ergebnis ganz klar knapp: Gewinner des 7. Kupferpfennig-Wettstreits ist Christoph Fritz.

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Gesicht ist Trend

Er darf den Preis, einen Auftritt bei der Lachmesse 2020, sogar selbst annehmen, also ohne Begleitung oder Betreuung. Christoph Fritz sieht zwar aus wie „ein 15-jähriger Ministrant, der aussieht wie ein 11-jähriger Ministrant“, ist aber schon 25. „Das Jüngste Gesicht“ heißt sein erstes Soloprogramm, aus dem er zwei kurze Ausschnitte zeigt.

Gesicht ist Trend. Mit „Der Tag des jüngsten Gesichts“ steht Bernard Paschke sonst in der Leipziger Pfeffermühle auf der Bühne (das nächste Mal am 31. Oktober). Und so fein wie zwischen diesen beiden Programm-Titeln ist der Unterschied zwischen beiden Künstlern.

Sparkasse, Kirche, Puff

Der Österreicher ist konzentrierter, sein Text dichter, er platziert die Pointen im Gedankensprung zwischen Argumentation und Schlussfolgerung. Dabei geht es auf den ersten Blick nur um das jugendliche Erscheinungsbild des Kabarettisten, eng verbunden mit ausbleibendem Erfolg bei erwachsenen Frauen, was wiederum zu zölibatärer Lebensweise führt. Vom weichen Kern kommt Fritz auf die harten Themen Kirche, Pädophilie und Provinz mit der „niederösterreichischen Dreifaltigkeit“ Sparkasse, Kirche, Puff, die sich „die Kundschaft teilen“.

Das biographische Plaudern führt aus seinem Heimatort, „Partnergemeinde von Sodom und Gomorra“, zum Studium Europäischer Wirtschaft und Unternehmensführung nach Wien, wo die Perversionen einfach nur andere sind. Dieser Humor ist schwarz, trocken und zukunftsfähig. Christoph Fritz präsentiert ihn schüchtern bis verklemmt und nahezu unbewegt. Eine Gestik, die man in den letzten Jahren öfter sieht, hier aber lauert wirklich ein Abgrund.

Technisch- kulinarischer Generationenkonflikt

Der 2000 geborene Bernard Paschke ist so jung, wie Fritz aussieht. Er ist, wie der von der Kupferpfennig-Bühne nicht mehr wegzudenkende Christoph Walther sagt, „Deutschlands jüngster bereits lebender Kabarettist“. Walther erfüllt seine Aufgabe als „Ansager“ mit allem gebotenen Quatsch, was das ohnehin bestens gelaunte Publikum im fast vollen Saal mit Hingabe erwidert.

Kupferpfennig-Schirmherrin Anke Geißler schickt ihre Figur der 92-jährigen Frau Lammezahn auf die Bühne für einen Exkurs über Hass und Gewalt auf der Straße und im Internet, wogegen sie mit aggressiver Friedlichkeit angeht.

Der 73 Jahre jüngere Paschke deeskaliert im technischen oder kulinarischen Generationenkonflikt, stellt sich als „Halbtags-Veganer“ vor („Kein Tier vor Vier!“) und mit Wortspielen oder auch Zuspitzungen: „In Dresden gehen die Probleme auf die Straße und rufen: Lösungen raus!“

Feministisch zur Sache

Wie die beiden Herren sucht die Zürcherin Jane Mumford, Jahrgang 1988 und im vergangenen Jahr schon mit Lea Whitcher im Duo „9 Volt Nelly“ vertreten, ihre Themen im Alltags-Weh. Kommt dabei aber feministisch zur Sache. „Reptil“ soll 2020 ihr erstes Solo heißen.

„Unsere Gesellschaft ist nicht gemacht für Säugetiere“, sagt sie und entwirft die Vision einer Reptilin, die in der Mittagspause 350 Eier zwischen zwei SUVs ablegt, statt mit einer Schwangerschaft die Karriere auszubremsen.

Vorjahressieger Jakob Heymann gastiert am Sonntag, 18 Uhr, mit „Volle Akkus, leere Herzen“ in der Moritzbastei; nächster Kupferpfennig-Wettstreit: 21.10.2020

Verschwörung, Nachwuchs und Death Comedy bei der Lachmesse

Die überwiegende Anzahl der Fälle von politisch motivierter Hassrede komme von rechts, hat Staatsanwalt Christoph Hebbecker in dieser Woche gesagt. Das ist die Realität. Und die lässt sich weiter auf die Spitze treiben, wie der Schweizer Schriftsteller Thomas Meyer zeigt. In seiner Satire „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ schickt er noch dazu die „Jüdischen Weltverschwörung“ ins Rennen. Das ist dann wesentlich komischer als die Realität. Am Sonntag (15 Uhr) liest Meyer im Academixer-Keller.

Ebenfalls am Sonntag (15 Uhr) präsentieren Bundesvereinigung Kabarett e.V. und Lachmesse drei Newcomer: bei „Jugend forsch!“ stehen im Kabarett SanftWut Christine Zeides, Thomas Engels und Peter Fischer auf der Bühne.

Am Donnerstag wird das 29. Humor- und Satirefestival mit folgenden Gastspielen fortgesetzt:Starbugs Comedy (CH): Crash Boom Bang; 20 Uhr, Haus LeipzigMichael Feindler: Ihr Standort wird berechnet; 20 Uhr, Academixer (Premiere des neuen Programms des Wahlleipzigers)Lars Redlich: Ein bisschen Lars muss sein; 20 Uhr, PfeffermühleZärtlichkeiten mit Freunden: Die schönsten Momente; 20 Uhr, SanftWut (ausverkauft)Robert Griess: Hauptsache, es knallt!; 20 Uhr Central KabarettPhilipp Schaller: Sie mich auch; 20 Uhr, FunzelStefan Schwarz & Katinka Buddenkotte: Im Sitzen sind sie alle gleich; 20 Uhr, die naTo – weil Stefan Schwarz erkrankt ist, spielt Buddenkotte ihr Solo „Liebling der Schwerkraft“ Slam vs. Kabarett, moderiert von Yopa Neumann; 20 Uhr, Kupfersaal

Am Freitag, jeweils 20 Uhr: Luise Kinseher ist mit ihrem Programm „Mamma Mia Bavaria“ bei den Academixern zu erleben; im Kupfersaal spielen Ass-Dur „3. Satz - Scherzo spirituoso“, und in der Moritzbastei gibt es ein Wiedersehen mit dem Sensenmann, zeigt Der Tod seine Death-Comedy-Show „Zeitlos“ (ausverkauft). In den anderen Veranstaltungsorten sind Hausprogramme der Leipziger zu sehen.

Karten gibt es in den Veranstaltungsstätten sowie in der Ticketgalerie Leipzig (LVZ-Foyer, Peterssteinweg 19; Barthels Hof, Hainstr. 1), unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 2181050, auf www.ticketgalerie.de Termine auf www.lachmesse.de; Infos und Texte auf www.lvz.de/lachmesse

Von Janina Fleischer

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