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12:20 26.06.2018
Das Gothische Thor von der Parkseite (kolorierte Umrisslinienradierung von Carl Benjamin Schwar, Kunstbesitz der Universität Leipzig) Quelle: Marion Wenzel/Kustodie
Leipzig

Grillen, in der Sonne liegen, Eis essen, joggen gehen: Im Sommer sind die Leipziger Parks der Garten der Stadtbewohner, denen ihre Balkone zu eng werden. Die wenigsten wissen, welche reiche Gartenkultur die Stadt in den vergangenen Jahrhunderten hatte – und wie sich Gartenkunst und Gesellschaft verbinden. Die Leipziger Kunsthistorikerinnen Nadja Horsch und Simone Tübbecke wollen das ändern. Gemeinsam mit Master-Studierenden der Kunstgeschichte haben sie ein Buch entwickelt: „Gärten und öffentliche Spaziergänge: Gartenkultur in und um Leipzig im 18. und 19. Jahrhundert“.

Was sperrig klingt, ist ziemlich spannend. Was bedeutet Gartenkultur für die Gesellschaft, und welche Ideale und Praktiken werden über Gartenkunst transportiert? „Das hat uns sehr interessiert“, sagt Nadja Horsch. Das Buch beleuchtet die Zeitspanne vom späten 17. bis ins späte 19. Jahrhundert, beginnt bei den Barockgärten und endet bei der bürgerlichen Gartenkultur, unter anderem mit der Umgestaltung des Rosenthals. Die beiden Forscherinnen sind auf Gartenkunst spezialisiert. Horsch begeisterte sich im Studium dafür, bei Tübbecke verliebte sich schon als Kind in den Garten des Schlosses Sanssouci. Die Liebe ebbte nie ab.

Gartenkunst prägt Leipzig noch heute

„Es war bisher sehr mühsam, sich über Gartenkunst in Leipzig zu informieren, denn es gab kein Überblickswerk, nur einzelne Aufsätze“, sagt Simone Tübbecke, die vor zwei Jahren schon einmal eine kleine Ausstellung zu Leipziger Gärten organisierte. Das soll die eigene Publikation ändern. Intensiv recherchierte das Team, vor allem in den Beständen des Stadtarchivs, des Stadtgeschichtlichen Museums und des Amts für Stadtgrün und Gewässer. Auch, wenn es die meisten Gärten im Buch heute nicht mehr gibt: Es entsteht ein lebendiger Eindruck davon, wie Gartenkunst die Stadt in der Vergangenheit prägte und bis heute prägt.

Kurze Aufsätze und Betrachtungen zu den einzelnen Gärten betten Gartenkunst in ihren gesellschaftlichen Kontext ein, dazu sind viele Fotos und historische Abbildungen zu sehen. Dabei mischen sich auch unterschiedliche Disziplinen: Landschaftsarchitektin Kathrin Franz liefert einen Beitrag zum Thema Pflanzenverwendung in historischen Gärten im 18. und 19. Jahrhundert.

Mit der Zeit der Aufklärung ändert sich die Gartenkultur

Die geplante Publikation zeichnet chronologisch die Entwicklung der Gartenkultur in Leipzig nach und verdeutlicht auch Veränderungen in der Gesellschaft. Im Barock hatten die Gärten zwei Funktionen: Nutzen und Vergnügen. Der Großbosesche Garten im Osten Leipzigs war auch ein Wissensraum, er wurde in Zusammenarbeit mit der Leipziger Universität angelegt, die Botanik spielte eine große Rolle. Apels Garten westlich der Innenstadt orientierte sich hingegen stark an der höfischen Kultur. August der Starke nutzte ihn als seinen Lustgarten, wenn er in Leipzig war.

Mit der Zeit der Aufklärung ändert sich auch die Gartenkultur. Ein kleines Stück der Anlagen, die damals als Initiative der Stadtväter für die Bürger entstanden, ist heute noch am Hauptbahnhof übrig: die Schwanenteichanlage und der Promenadenring – die erste von öffentlicher Hand angelegte Landschaftsgartenanlage. Sie entstand durch die Initiative des damaligen Bürgermeisters Carl Wilhelm Müller im damals neuen landschaftlichen Gartenstil, der aus England nach Deutschland schwappte. Dabei wird auf strenge, dem barocken eigene strenge Symmetrie verzichtet, stattdessen prägt die Anlagen eine künstlich geschaffene Natürlichkeit – geschwungene Wege, frei wachsende Pflanzen, bewegte Uferlinien.

Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung

Die Anlage entstand nach der Entfestigung der Stadt nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763). „Auch vorher wurde schon um die Mauern herum spaziert, daran wurde angeknüpft“, erzählt Horsch. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der Leipziger Gartenkultur in Zeiten des städtebaulichen Wandels, beleuchtet werden unter anderem die Umgestaltung des Rosenthals und des Johannaparks.

Unterstützt wird das Projekt von privaten Spendern, der Kulturstiftung Leipzig und der Stiftung Sächsischer Architekten in Dresden. Das Stadtgeschichtliche Museum und das Stadtarchiv erlauben, die Abbildungen kostenfrei zu reproduzieren. „Dafür sind wir sehr dankbar, sonst hätten wir das nicht bezahlen können“, sagt Horsch. Jetzt hoffen die Forscher außerdem auf eine Crowdfunding-Aktion, die noch bis zum 27. Juni läuft. Es fehlt noch Geld für den Druck und das Layout.

Für die beiden Kunsthistorikerinnen ist das Buch ein erster Schritt. Stoff gebe es auf jeden Fall genug für einen zweiten Band, sind sie sich sicher. Werden die beiden nach ihren Lieblingsgärten gefragt, müssen sie lachen. Horsch antwortet wie aus der Pistole geschossen: die Villa Lante in Bagnaia, ein sorgfältig gestalteter Renaissancegarten nördlich von Rom. Tübbecke dagegen besinnt sich auf ihre erste Garten-Liebe: „Es gibt viele tolle Gärten, aber am meisten liebe ich die Potsdamer Gartenlandschaft.“

Hier geht es zur Crowdfunding-Kampagne: http://www.visionbakery.com/leipzigergartenkultur

Von Sophie Aschenbrenner

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