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Kultur Regional DOK Leipzig verteidigt umstrittenen Film „Lord of the Toys“
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15:30 01.11.2018
Szene aus „Lord of the Toys" von Pablo Ben Yakov. Quelle: DOK Leipzig
Leipzig

In dem Film „Lord of the Toys“ über den YouTuber Max Herzberg werde wiederholt „ein klar menschenverachtendes Weltbild“ deutlich, hatte das Aktionsbündnis „Leipzig nimmt Platz“ am Dienstag in Leipzig mitgeteilt und zum Protest gegen die Vorführung aufgerufen. Zu Protesten kam es nicht, aber zu ein paar klaren Worten.

Die Uraufführung „Lord of the Toys“ fand am Mittwochabend im ausverkauften Saal 4 des CineStar statt. Vor einem auffallend jungen Publikum, wie André Eckardt zur Begrüßung feststellt. Er ist Mitglied der Auswahlkommission von DOK Leipzig, die „Lord of the Toys“ in den Deutschen Wettbewerb geholt hat. Im Anschluss an die 95 Filmminuten, als der wohlwollende Beifall verklungen ist, spricht er auf der Bühne mit Regisseur Pablo Ben Yakov und Kameramann André Krummel und holt schließlich aus Max Herzberg nach vorn.

Angesprochen auf die Protagonisten, eine Clique von YouTubern aus Dresden, denen es „an Erwachsensein fehlt“, verweist Pablo Ben Yakov auf die offensichtlich werdenden Konflikte und Probleme, die „nicht dem Bild des hippen Influencers“ entsprechen. Bewusst habe er sich entschieden, keine Interviews mit den Männern zu führen, denn „wir werden über Gespräche nicht an den Kern der Wahrheit kommen“. Es ist ihm durchaus gelungen beim Zeigen von Körperlichkeit, dem Spannungsverhältnis von Gewalt und Nähe. Das ist mitunter schwer auszuhalten, macht aber Charaktere und Mechanismen kenntlich.

Er, sagt YouTuber Max Herzberg, würde ja keinen Film hochladen, in dem vor der Kamera so gesprochen wird, wie er und seine Clique sprechen. „Das gehört nicht in die Öffentlichkeit. Der Film macht das aber, und das macht ihn so interessant.“

Regisseur Pablo Ben Yakov Quelle: DOK Leipzig

Warum ein Film gedreht und gezeigt worden sei, in dem rassistische, sexistische und antisemitische Sprüche zu hören sind, will eine Frau aus dem Publikum wissen. Das, sagt Max Herzberg, würde er höchstens „zwei oder drei Charakteren des Films zuschreiben. Wir kommen aus einem anderen Milieu, wenn ich sage ,du Schwuchtel‘, dann bin ich nicht homophob. Und wenn ich mich, wie zu sehen ist, mit einen Mann küsse, bin ich nicht schwul.“

Max habe inzwischen rund 350.000 Follower, mehr als ein Dokfilm Zuschauer hat, sagt der Regisseur. Man müsse sich tatsächlich Gedanken machen, ob man solchen Gedanken oder Worten eine Plattform gibt. Er verstehe, dass es das Bedürfnis gebe, Unangenehmes auszublenden und nicht hingucken zu wollen.

Die erwartbare Schlägerei auf dem Oktoberfest habe er eigentlich, erzählt Kameramann André Krummel, komplett filmen sollen und wollen, dann aber „im Reflex“ die Kamera ausgeschaltet. Auch habe die Crew nach den Saufszenen zum Beispiel erst am Abend, beim Sichten des Materials, das volle Ausmaß erkannt. Die Technik zwischen Mensch und Geschehen verändere den Blick auf die Realität. Ähnlich sei das auch bei den YouTubern.

Kurator André Eckardt, der selbst aus Dresden stammt, sieht in „Lord of the Toys“ sehr wohl das Angebot, sich zu positionieren. Er habe das Gefühl, „der Film ordnet sehr klar“ ein. „Es ist kein Lehrfilm“, sagt er, „er öffnet den Zugang zu einer Welt.“

Weil die Besucher des nachfolgenden Films schon vor dem Saal warteten, musste das öffentliche Gespräch abgebrochen werden.

Weitere Vorführungen: 1. November 22 Uhr, Schaubühne Lindenfels; 2. November, 20 Uhr, Cinémathèque Leipzig www.lordofthetoys.com

Statement von DOK Leipzig

Vor dem Hintergrund der aktuellen Berichterstattung und der Reaktionen im Netz zum Film „Lord of the Toys“ äußert sich Festivalleiterin Leena Pasanen zur Entscheidung, den Film im Deutschen Wettbewerb aufzunehmen und weiter im Programm zu zeigen: „Der Filmemacher Pablo Ben Yakov und sein Team begleiten in ihrem Film eine Clique von Dresdner Youtubern, die sich offen rassistisch, sexistisch und antisemitisch äußern. Wir teilen nicht die Haltung, dass dieser Film affirmativ ist. Mit seinen präzisen Beobachtungen und einer kritischen Einordnung legt er eine Jugendkultur und deren erschreckende Sprache offen, die das Internet bewusst nutzt – mit weit reichenden Folgen in den Alltag. Als im Osten Deutschlands verwurzeltes Festival sehen wir die Notwendigkeit, diese Themen und Realitäten in unserem Programm abzubilden und Debatten anhand einer filmischen Auseinandersetzung anzustoßen. Die Erfahrung zeigt, dass es gerade die Filme mit einem lokalen Bezug sind, die Wunden aufreißen. Und die Reaktionen aus den letzten Tagen verdeutlichen, dass hier dringender Gesprächsbedarf besteht.“

Aufgrund der engen zeitlichen Abläufe konnte nach der gestrigen Weltpremiere keine ausführliche Diskussion mit den Filmemachern und Protagonisten stattfinden. Es sind zwei weitere Vorführungen des Films in Anwesenheit der Filmemacher geplant, bei diesen haben wir mehr Zeit vorgesehen für ein intensives Gespräch im Anschluss an den Film.

Von LVZ

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