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Kultur Regional „Das Dschungelbuch“ gibt als Musical unterhaltsam Antworten auf große Fragen
Nachrichten Kultur Kultur Regional „Das Dschungelbuch“ gibt als Musical unterhaltsam Antworten auf große Fragen
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12:14 04.02.2019
Bunt, witzig und gehaltvoll: „Das Dschungelbuch“ als Musical im ausverkauften  Gewandhaus.
Bunt, witzig und gehaltvoll: „Das Dschungelbuch“ als Musical im ausverkauften Gewandhaus. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Unter den zahlreichen Gastproduktionen, die in den Winterwochen das Gewandhauspodium abwetzen, sind nur wenige Kinderprogramme. Umso erfreulicher für die Jüngsten, dass sie am Sonntag gleich eine der populärsten Kindergeschichten auf der großen Bühne des Gewandhauses erleben konnten. Mit der Musicalversion des „Dschungelbuchs“ präsentierte das Bochumer Theater Liberi vor ausverkauftem Saal eine ansprechend kindgerechte sowie kurzweilige Mischung aus den Abenteuern des kleinen Mogli garniert mit lässigen Gesangseinlagen und Tänzen des Ensembles um Mogli-Darsteller Brix Schaumburg.

Er und seine Spielpartner Stefan Peters als gutmütiger Bär Balu und die elegant-fürsorgliche Pantherdame Baghira alias Alina Schaumburg haben national und international bereits zahlreiche Bühnenerfahrungen gesammelt. Bei einem Kindermusical jedoch ist gerade bei diesem Stoff noch mehr gefragt: Zwischen künstlerischer Raffinesse und kindgerechter Aufbereitung gilt es, einen Mittelweg zu finden, der ein Ziel verfolgt und dennoch in nicht zu tiefe Sphären abdriftet. Die Liberi-Compagnie verfolgt hält über gut anderthalb Nettostunden souverän die Balance auf diesem schmalen Grat zwischen Sprechteilen ohne erhobenen Zeigefinger und auflockernden Gesangseinlagen fernab von verniedlichendem Kitsch im atmosphärischen Dschungelgrün von Palmblättern, Mangrovenbaum und Wasserfall.

Neben purer Unterhaltung schaffen es Findelkind, Panther, Bär und Tiger ganz beiläufig, auch Sinn- und Lebensfragen in den Saal zu streuen, die für die Kleinen, aber eben nicht nur für sie von Bedeutung sind: Wer bin ich? Wer sind richtige Freunde? Was traue ich mir zu?, transportieren Gedanken, die vor allem für die mehrheitlich jungen Zuschauer weit über die Erlebnisse des kleinen Jungen, der im Wolfsrudel eine neue Familie gefunden hat, hinausgehen.

So bekräftigen die Gesangseinlagen zumeist in Ensembleform die zuvor im Dialog aufgeworfenen Fragen und Erkenntnisse von Mogli auf seinen Abenteuern zwischen tratschenden Affen, der Schlange und nicht zuletzt dem herrischen Tiger Shir Khan, der ihm gefährlich nahe kommt. Doch Balu und Baghir sind immer zur Stelle, sobald es für Mogli brenzlig wird. Vor allem Stefan Peters entwickelt sich mit mal witzigem mal verträumtem Bärengemüt zum Kinderliebling im tropischen Bühnenwald.

Schade nur, dass in den ersten Szenen aufgrund der noch nicht optimal austarierten Akustik die Dialoge durch den Bühnenraum wabern. Doch die merkliche Akustikverbesserung nach der Pause trägt den Hörspaß im wahrsten Wortsinn bis in die obersten Ränge: „Sei, wie du bist“ raunen Moglis Freunde ihm aufheiternd zu, und nach kurzer Bitterkeit über den vermeintlichen Verstoß aus dem Tierreich schlägt er sogar den Tiger Shir Khan (Viktor Silvester Wendtner) in die Flucht.

Doch das Happy End mit der Eintracht zwischen Mensch Mogli und den tierischen Dschungelbewohnern naht und mit ihm ein buntes Gesangsfinale inklusive rockigem Beat: ein Plädoyer, das „Ich“ zu anzuerkennen und sich nicht beliebig zu verbiegen. Lang anhaltender begeisterter Applaus.

Von Torsten Fischer