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Kultur Regional Verdis „Nabucco“ in David Böschsbrennend aktueller Inszenierung.
Nachrichten Kultur Kultur Regional Verdis „Nabucco“ in David Böschsbrennend aktueller Inszenierung.
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16:23 30.05.2019
Christa Mayer (Fenena), Sächsischer Staatsopernchor Dresden, Sinfoniechor Dresden – Extrachor der Semperoper, Komparserie Quelle: Semperoper Dresden/Ludwig Olah
Dresden

Theater, das nur dazu dient, der Realität zu entfliehen, ist billige Unterhaltung und entspricht nicht dem Anspruch, wie ihm Intendant Peter Theiler an der Semperoper vorschwebt. So ist es nur folgerichtig, dass auch die unangenehmen Bilder der Gegenwart auf die Bühne kommen. Eine Ruinenlandschaft etwa, all das menschengemachte Unheil. Eine zerschossene Stadt, Aleppo vielleicht. Der unvollendete Turm zu Babel ...

Menschen hausen darin – hier holt das Theater die Nachrichtenbilder auf die Bühne. Mit dem Unterschied, dass die Staatskapelle dazu eine Begleitmusik schmettert, der man sich nicht entziehen kann. Ergreifend auch die von Regisseur David Bösch erdachte Szene einer Mutter, die ihr jüngstes Kind in einen Brettersarg legt. Daneben erschütternd verzweifelt eine Schwester, die das Grauen dieser Welt nicht verstehen kann. Nach diesem Auftakt ist klar, von Bösch und seinem Team ist kein vergnüglicher Ausflug für Freunde der italienischen Oper zu erwarten. Er nimmt sein Handwerk ernst und macht auch an diesem Jugendwerk Verdis Zustände deutlich, die auf religiösen Wahn und den Machtmissbrauch Einzelner zurückzuführen sind.

Musik so dramatisch wie die Geschichte

Dramatisch zupackend wie die Geschichte – Babylons König Nebukadnezar belagert Jerusalem, wird größenwahnsinnig und erklärt sich zur Gottheit, fällt Intrigen zum Opfer und schließlich vor dem Gott der Hebräer auf die Knie – ist auch die Musik. Wie Omer Meir Wellber die Partitur mit straff angezogenen Zügeln durchpflügt, dennoch das feine Cellosolo im zweiten Akt auskosten, alles Schmettern der Bläser stets feurig klar scheinen und die flirrenden Streicher nie unmotiviert wirken lässt, das ist überwältigend. Ebenso der von Jörn Hinnerk Andresen exzellent einstudierte Chor, der spielerisch und sängerisch bis an die Grenzen gefordert ist.

Hebräer wie Babylonier sind in dieser Oper verführte, geschundene Massen, denen die Regie jede Menge Individualität vergönnt. Im Bühnenbild des Schreckens (Patrick Bannwart) sind Volk und Soldaten zeitlos heutig gekleidet (Kostüme: Meentje Nielsen). Der Gefangenenchor „Va, pensiero“ wird liegend angestimmt, nach und nach erheben sich die Geschundenen und halten plötzlich weißen Mohn in Händen. Gedanken ans Opium fürs Volk sind da nicht fern, kommen auch bei den blut- und rachedurstigen Bibelzitaten auf, die jeweils zu Aktbeginn auf die Kurtine geblendet werden.

Zwischen Donner und Demut

Entlarvend singt der Hohepriester sein „Wer ging je zugrunde, der in Todesgefahr auf Gott vertraute?“ als hohlen Trostversuch. Vitalij Kowaljow hat diesem Zaccaria einen kraftvollen Bass verliehen, ebenso ist Massimo Giordano als Ismaele mit Verve präsent, kann aber auch Gefühle der Liebe und des Leidens in seinem Tenor zeigen. Er liebt Fenena, die Tochter Nabuccos, damit gilt er unter den Seinen als Verräter, ist verflucht und „hat keine Brüder…“

Christa Mayer stattet diese Fenena mit Wärme und Wohlklang aus, mit lyrischem Zauber und glaubhafter Menschlichkeit. Ihr Widerpart Abigaille entpuppt sich als einstige Sklavin. Die Spanierin Saioa Hernández gibt mit diesem Part ihr Rollendebüt und überzeugt mit messerscharfem Sopran, der bei Bedarf selbst Chor- und Orchestertutti übertönt. Als Oberpriester des Baal zelebriert der Bass Alexandros Stavrakakis einen blutrünstigen Rächer mit respektforderndem Organ. Den Titelpart aber füllte der polnische Bariton Andrzej Dobber mit einem stimmlichen Spektrum von Donner und Demut aus, geschmeidig bis gewaltig. Dobbers Duett mit Hernández ist einer von vielen Höhepunkten dieses Abends. Die Opferszene eines am Haken über der Bühne ausblutenden Stieres dagegen als noch hinnehmbar. Konsequent ist Böschs Inszenierung freilich auch in solchen Details.

Brausender Applaus für alle Beteiligten – und ein trotziges Buh für die Regie.

Nächste Aufführungen: 5., 9., 15., 21. Juni; Karten und Infos unter Tel. 0351 4911 705 oder auf www.semperoper.de.

Von Michael Ernst

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