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Kultur Regional Dem Leben auch im Tode zugewandt: Gedenkkonzert zu Bachs 269. Todestag
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15:20 29.07.2019
Gedenkkonzert in der Thomaskirche mit dem Sächsischen Barockorchester und der Leipziger Cantorey unter Leitung von Gotthold Schwarz. Quelle: André Kempner
Leipzig

Abseits von Bachfest und Gewandhaussaison hat es längt seinen festen Platz im Leipziger Kulturkalender: das Gedenkkonzert zum Todestag Johann Sebastian Bachs, größter aller Thomaskantoren. Gelegenheit, den Blick schweifen zu lassen auf die weit verzweigte Verwandtschaft des Bach-Imperiums – und so weniger Berühmten zu ihrem Recht zu verhelfen.

Ganz unbekannt sind die komponierenden Vorfahren Johann Christoph (1642–1703) und Johann Bach (1604–1673) freilich nicht: Im Rahmen der Gedenkkonzerte standen sie schon mehrmals auf dem Programm.

Trotzdem bleibt der Eindruck, die Leipziger Cantorey müsse sich in Johann Christophs doppelchöriger Motette „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren“ erst noch frei singen, während die Musiker des Sächsischen Barockorchesters noch allzu sehr an ihren Noten kleben.

Diesseitig-beschwingt

Johann Bachs kurze Motette „Sei nun wieder zufrieden“ klingt da gleich viel überzeugender, mit unmerklicher Schwelldynamik, gestisch artikulierten Echoeffekten und federnder Phrasierung. Gar nicht grüblerisch, sondern erstaunlich diesseitig-beschwingt tönt auch Christoph Graupners Kantate „Aus der Tiefen rufen wir“, die über den sprichwörtlich gewordenen 130. Psalm „De profundis“ gebaut ist.

Übrigens eines der Werke, mit denen Graupner sich – erfolgreich – um die vakante Stelle des Leipziger Musikdirektors bewarb, dann aber von seinem Darmstädter Dienstherrn keine Freistellung erhielt, was wiederum dem im Wettbewerb lediglich drittplatzierten Bach den Weg ins Thomaskantorat ebnete.

Der Rest des knapp anderthalbstündigen Konzerts ist dem großen Johann Sebastian gewidmet. In der hörnerschallenden Kantate zum Reformationsfest „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ scheint erstmals virtuoser Glanz auf, in der Trauermotette „O Jesu Christ, meins Lebens Licht“ verströmt sich unerschütterliche Glaubenszuversicht in herzerwärmendem B-Dur.

Volltönender Chor

Doch wie verschwenderisch strahlt erst die G-Dur-Messe BWV 236, erhebt sich das Kyrie, hüpft der Gloria-Chor. Dabei kann Thomaskantor Gotthold Schwarz sich auf seinen so beweglichen wie volltönenden Chor verlassen – und auf exzellente Solisten: Sei es Klaudia Zeiners warmer Altus, Mi-Young Kims mädchenhaft-reiner Sopran oder der anrührende Tenor von Florian Sievers. Gun Wook Lee packt die Hörer mit seinem kernigen, Florian Günther mit einem unverbraucht-plastischen Bass.

Am Schluss dieser stimmungsvollen, bestens besuchten Gedenkstunde steht der von Bach selbst so geschätzte Sterbechoral „Vor deinen Thron tret ich“, entstanden in den letzten Lebensmonaten des Meisters, der am 28. Juli 1750 in Leipzig starb. Starker Applaus.

Der MDR-Musiksommer endet am 7. September in Suhl mit „Musica sacra“; alle Konzerte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: www.mdr.de/musiksommer

Von Werner KopfmüllerM

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