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Kultur Regional Der Großkünstler: Leipzig plant Ausstellung mit dem Fotografen Andreas Gursky
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10:43 10.12.2018
Andreas Gursky 2015 im Museum Frieder Burda in Baden-Baden vor seinem Werk "Rückblick " aus dem Jahr 2015. Zu sehen sind Gerhard Schröder, Helmut Schmidt, Angela Merkel und Helmut Kohl von hinten vor einem Kunstwerk. Quelle: picture alliance / dpa
Leipzig

Das war auch mal Zeit. 1955 wurde Andreas Gursky in Leipzig geboren, noch im gleichen Jahr floh die Familie in den Westen, ließ sich in Düsseldorf nieder; die Verbindung zu Leipzig riss nie ab. Doch eine Ausstellung des international gefeierten Fotokünstlers gab es in seiner Geburtsstadt bislang nicht. In gut einem Jahr soll endlich eine Retrospektive im Museum der bildenden Künste zu sehen sein. Gursky bereite die Schau bereits mit einem Modell der Ausstellungsräume vor, sagt Museumsdirektor Alfred Weidinger. „Wir sind noch dabei, den genauen Termin festzulegen.“ Es gehe um den Zeitraum Ende 2019/2020.“

Besser spät als nie: Das Zustandekommen hat beinahe etwas Rührendes. Weidinger erzählt die Geschichte eines Künstlers, der sich vor internationalen Angeboten kaum retten kann – zuletzt waren seine Werke in New York, Rom und London zu sehen –, gleichzeitig aber stets auch nach Leipzig blickte: „Er hat mir gesagt, dass er immer mal wieder hier war, das Museum gesehen und sich gesagt hat: ,Wow, so ein fantastischer gigantischer Bau. Und irgendwie habe ich mich gewundert, dass mich nie jemand anruft’“.

Weidinger rief an. „Als ich mich auf Leipzig vorbereitete, habe ich mich damit beschäftigt, welche Künstler hier geboren wurden – wie eben auch Gursky. Aber da dachte ich, von ihm wird es schon längst eine Ausstellung gegeben haben – gab es aber nicht.“ Dem Künstler sei es wichtig gewesen, dass seine Ausstellung im zeitlichen Umfeld der Neo-Rauch-Schau zu sehen sein wird. Der Leipziger Maler wird 2020 zum 60. Geburtstag im Museum gewürdigt. „Die beiden kennen sich ganz gut und schätzen einander“, sagt Weidinger. Die Auswahl der Bilder werde Gursky überlassen. „Er will auch einige neue Arbeiten zeigen, die er explizit für diese Ausstellung macht.“ Welche seiner Ikonen zu sehen sein werden, ist noch offen.

Vor einigen Wochen hatte er sich das Museum genauer angesehen, besonders gefiel ihm die Tageslichtsituation im dritten Obergeschoss. „Man spürt, dass er eine tiefe Verbundenheit mit dieser Stadt hat, es ist ihm wirklich wichtig, seine Bilder hier zu zeigen“, erzählt der Museumsdirektor.

Leipziger Fotografendynastie

Andreas Gursky stammt aus einer Leipziger Fotografenfamilie. Sein Großvater Hans (1890–1960) eröffnete kurz vor dem Ersten Weltkrieg ein Fotoatelier in Taucha, war Flieger und Weltkriegsfotograf, arbeitete später im Bereich Porträt und Werbung, gewann verschiedene Fotowettbewerbe, wurde sächsischer Innungsmeister. Sein Sohn Willy, Andreas Gurskys Vater, wurde 1921 in Taucha geboren. An der heutigen Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte er zunächst Malerei. Von 1949 bis 1955 arbeitete er als selbstständiger Fotograf, sein Atelier hatte er im Thomaskirchhof, das Geschäft florierte. Gelegentlich hatte er Aufträge aus dem Westen, was ihn für die Staatssicherheit interessant machte. Mit der Stasi wollte er jedoch nicht zusammenarbeiten. Ende 1955 organisierte man einen fingierten Auftrag der Firma Krupp. Willy Gursky blieb im Westen, seine Frau und sein Sohn Andreas, noch nicht mal ein Jahr alt, reisten per Zug nach. Willy Gursky wurde zum erfolgreichen Werbefotografen. Er arbeitete für führende Agenturen, seine Auftraggeber waren das Who’s who des westdeutschen Wirtschaftswunders, von Bosch über Karstadt bis zu Maggi und Schwarzkopf.

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Der Sohn distanziert sich künstlerisch: Die Werbung lehnt er ab. Der Vater, der im Dezember 2016, nur wenige Tage nach seinem 95. Geburtstag, gestorben ist, wird ihm aber zum wichtigen Ratgeber. Andreas Gursky studiert bei dem Fotografen-Ehepaar Bernd und Hilla Becher, den Begründern der Düsseldorfer Fotoschule, die für einen eher sachlichen, distanzierten Stil steht. Seine erste Einzelausstellung hat er 1985, seit den späten 80ern dominieren Großformate, die zunächst durch ihre pure Wucht überwältigen, dann aber dank ihrer Genauigkeit den Blick auf eine faszinierende Detailfülle lenken und fesseln.

Die Moderne in Wimmelbildern

1992 beginnt er, seine Werke digital zu bearbeiten. Aus einer Vielzahl von Aufnahmen konstruiert er seine Bilder am Computer. Es entstehen Werke wie Realitätsbooster, die nebenher Fragen an das Medium stellen, mit Schein und Sein spielen. In seinem Werk „Rückblick“ sind Gerhard Schröder, Helmut Schmidt, Angela Merkel und Helmut Kohl von hinten vor einem Kunstwerk zu sehen. So montiert, reduziert, vervielfältigt, kompiliert, ja „malt“ Gursky am Computer. Er, der seine Motive auf der ganzen Welt sucht, wurde der „Fotograf der Globalisierung“ genannt. Gursky zeigt die Moderne in Wimmelbildern, Abstraktionen einer aus den Fugen geratenden Welt – wie etwa das von einem gigantischen Amazon-Warenlager, der Abflughalle des Frankfurter Flughafens, der Börse in Chicago, von schillernden Müll-Landschaften im Brackwasser von Bangkok, Techno-Partys, Rockkonzerten oder einem One-Dollar-Laden in den USA. Seit Jahren erzielen Gurskys Werke Spitzenpreise. Das 1999 entstandene „Rhein II“ wurde 2011 in New York für 4,3 Millionen Dollar versteigert – für einige Jahre war es das teuerste Foto der Welt.

Alfred Weidinger fasziniert seine Akribie: „Er ist unglaublich präzise. Er ist ein Mensch, der sich sehr genau überlegt was er macht, wie er es macht, er ist ein Konzeptkünstler wie er im Buche steht.“ Bei ihm werde nichts dem Zufall überlassen. „Tiefer als er steigt kaum jemand ein.“ „Die Zeit“ schrieb über Andreas Gursky, der nach eigenem Bekunden nur Fragen stellen wolle, aber keine Antworten anbiete: „Das macht Gurskys Kunst aus: Man sieht die Welt danach mit anderen Augen.“

Von Jürgen Kleindienst

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