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Kultur Regional Der Leipziger Künstlerbund präsentiert seine Mitglieder diesmal in der Spinnerei
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14:27 12.07.2019
„Voila!“ Mitgliederausstellung des BBK Leipzig im Untergeschoß der Halle 14 auf dem Spinnereigelände. Quelle: Kempner
Leipzig

Es ist voll am Abend im Untergeschoss von Halle 14 im Spinnereigelände. Voll mit gutgelaunten Menschen, voll mit Kunstwerken. Zwar hat diese Kelleretage deutlich mehr Platz als der angestammte Projektraum im Tapetenwerk, dennoch wird jede vertikale Fläche genutzt.

Breites Überangebot in dichter Hängung – der Jahresausstellung „Voila!“ des Leipziger Bundes Bildender Künstler.

Zu sehen sind ziemlich viel Malerei, etwas Grafik, etwas Fotografie, einige räumliche Arbeiten, und am Abend der Eröffnung war auch eine dadaistisch ausgerichtete Performance von Günther Berger zu erleben.

Aufblitzender Humor

Hingucker sind bei der Fülle an Wandhängern die raumgreifenden Arbeiten. So der „Mann im mittleren Alter in der Absicht ein Hindernis zu überwinden“. Ein Unterschenkel des nackten Herrn aus Beton steckt schon in der Mauer. Doch die Dynamik lässt zu wünschen übrig. Vielleicht überlegt er es sich noch einmal mit dem Durchbruch.

Diesen aufblitzenden Humor hat das Werk mit einer anderen plastischen Arbeit scheinbar gemein. Der Titel ist ähnlich ausufernd: „Die Bruchlandung im Paradies Deutschland“, Autorin ist Nadja Generosow. Auf einem Sockel in den deutschen Nationalfarben steht ein schwarzes (gerupftes) Huhn triumphierend über einem anscheinend leblosen bleichem und ebenso nackten Huhn. Um den Hals trägt es ein Amulett mit der Aufforderung „Squeeze me!“. Drückt man es wirklich, ertönt höhnisches Gackern. Ist das dann wirklich Humor, oder eher zynisches Opfergehabe?

Rationalität und Amüsement

„Voilá!“ nennt sich die Ausstellung in diesem Jahr. Das erinnert an Zirkus oder Varieté, doch die Typografie der Einladung ist einer verspielten Variante des klassischen Konstruktivismus entlehnt, die Buchstaben purzeln durcheinander. In dem Spannungsfeld von Rationalität und Amüsement darf man auch diese Leistungsschau verstehen.

Der Vereinsvorsitzende Tobias Rost gesteht in der Begrüßungsrede, dass der Verband nach wie vor auf der Suche sei nach der geeigneten Repräsentationsform. Im Vorjahr hat man Kuratoren eingesetzt, die sich aber für lediglich 14 Namen entschieden. Der Frust bei den Verbliebenen sei groß gewesen. Nun darf also wieder jede und jeder, wer möchte, einreichen. Darum die Fülle mit über 100 Beteiligten, einige davon mit mehreren Arbeiten vertreten.

Jahrhundertschritt im Mittelpunkt

Bei den Wandhängern gibt es eine bunte Mischung, wie zu erwarten. Doch die sogenannte Leipziger Schule, auch mit dem Zusatz 2.0, ist eher schwach vertreten. Am nächsten rückt Alexander Boyko mit seinem Gemälde „Draußen“ heran, das schon größenmäßig herausragt. Es ist ein Pastiche mehr oder weniger bekannter Werke dieses Klischees. Mattheuers Jahrhundertschritt steht im Mittelpunkt, andere Motive kann der gebildete Betrachter sich in dem Wimmelbild erschließen.

Erstaunlich stark hingegen ist die Fraktion der Abstrahierenden vertreten, die es lokal ja gar nicht so leicht haben. Dazu gehören exakte Konstruktionen wie die Kreisgebilde mit Dendriten von Elena Kozlova und die grünblauen Dreiecke von Michael Kirsch oder die Pattern von Eva Maria Hille, aber auch amorphe Strukturen, die beispielsweise Elize Vossgatter auf die Leinwand bringt.

Bei der Dominanz der Malerei haben es die fotografischen Positionen nicht ganz leicht. Von Fabian Heublein etwa ist eine minimalistische Baustellen-Silhouette zu sehen. Ähnlich reduziert ist Otto Bernd Steffens Bild „Forum“.

Die Fülle der Arbeiten in sehr dichter Hängung ist Stärke und Nachteil der Ausstellung zugleich. Jeder Kunstinteressierte findet garantiert einiges, das seinem Geschmack entspricht, auch wenn die ganz großen Namen der Leipziger Szene nicht Mitglied im BBK sind. Der Kunstpreisindex ist indes keine verifizierbare Qualitätsskala. Allerdings fällt es dann in diesem gedrängten Überangebot doch ziemlich schwer, das persönlich Ansprechende herauszufiltern. Der Verein sollte doch besser noch einmal über geeignete Auswahlverfahren nachdenken.

Voilá! Mitgliederausstellung des BBK Leipzig; Untergeschoss 0Halle 14, Spinnereistr. 7; bis 28. Juli, Mi-Sa 15-19 Uhr

Von Jens Kassner

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