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Kultur Regional Der langsamste Angeber der Welt – Wigald Boning im Kupfersaal
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14:53 26.05.2019
Wigald Boning im Kupfersaal. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Schuld an allem ist Heike Drechsler. Denn bei ihrem Sieg im Weitsprung der olympischen Spiele von Sydney 2000 ging in Deutschland einem jungen Mann mit Bauchansatz vorm Fernseher ein Lichtlein auf: Wenn diese Frau mit 35 Jahren olympisches Gold gewinnen kann, dann werde ich, der ich zwei Jahre jünger bin, doch sportlich auch noch was reißen können! Am Folgetag rennt der Mann ganze drei Kilometer um die Oldenburger Müllhalde, zehn Tage später schon eine Stunde am Stück, ein halbes Jahr darauf gar seinen ersten Marathon. Die Strecken werden länger und sonderbarer – es folgen 24-Stunden-Wettkämpfe auf dem Mountainbike, zu Fuß, auf Skiern und im Schwimmbecken, Alpenüberquerungen mit dem Tretroller, Radtouren nach Rom ohne abzusteigen. Solche Sachen. Das ganz normale Leben des Wigald Boning ist vorbei.

Inventar des Fernsehklamauks

Als Sohn zweier Bankkaufleute und Enkel eines Eierhändlers versuchte er sich zunächst im Diskuswurf, landete aber in der Band Kixx, die ihn Anfang der 80er auf die Bühne der Leipziger Jazztage und ins Vorprogramm von Ornette Coleman führte. Daraufhin machte er Abitur. Der Erfolg kam mit der Show „RTL Samstag Nacht“ in den 90ern, vom Grimme-Preis bis zum ersten Platz in den Charts. Seitdem gehört der Mann mit der großen Brille und der extravaganten Kleidung – unvergessen sein perfekt sitzender Anzug aus Kunstrasen – zum Inventar des Fernsehklamauks.

Den Bodensee durchschwommen

Im Kupfersaal aber erzählt er am Samstagabend den rund 50 Zuschauern von seinem Leben an der frischen Luft. Sein Klapprad steht mit auf der Bühne, er zeigt Fotos und Einträge in Trainingsbüchern, beschreibt seinen Weg vom Abstinenzler zum Süchtigen. Über hundert Startnummern von verschiedensten Wettkämpfen habe er in seiner Wohnung aufgehängt (weil diese im Unterschied zu Urkunden keine Auskunft über Zeiten und Platzierungen geben). Was das über ihn aussage, psychologisch? „Nach langem Überlegen bin ich darauf gekommen, dass es sich dabei um Angeberei handelt.“ Und natürlich stimmt das ein bisschen, aber Boning ist (hier) kein Showbusiness-Angeber, sondern ein Sportler, dem der „Marathon zu hektisch“ ist, weswegen er lieber 100 Kilometer läuft oder 600 Rad fährt. Auf den meisten gezeigten Bildern sieht er völlig fertig, aber glücklich aus, wie man nur aussieht, wenn man es mal wieder niemand Geringerem als sich selbst gezeigt hat. Boning spricht dabei vom „Anerkennen der eigenen Mittelmäßigkeit“. Wobei es natürlich alles andere als mittelmäßig ist, der mit Abstand langsamste je dokumentierte Durchschwimmer des Bodensees zu sein – sehr viele waren es bisher nämlich nicht, die das überhaupt geschafft haben.

Nasenhaarausreißen hilft gegen Sekundenschlaf

Ein paar nützliche Ratschläge hat Boning dann aber auch noch fürs Publikum: Gegen Sekundenschlaf auf dem Klapprad bei Tempo 60 auf Alpenpassabfahrten hilft Nasenhaarausreißen, allerdings nur kurz. Rollerfahren dagegen hält langfristig jung, man fühle sich dabei immer wie ein Dreijähriger. Und das Glück, das ist ein ungefragt vom Kellner servierter Liter Cola nach hunderten Kilometern auf dem Rad in Italien.

Von Benjamin Heine

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