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Kultur Regional Die Arena-Show „Corteo“ des Cirque du Soleil kommt im Herbst für eine Woche nach Leipzig
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11:49 04.07.2019
Vier Frauen hängen in einer Traumsequenz als ehemalige Geliebte des sterbenden Clowns an drei riesigen Leuchtern. Quelle: Lucas Saporiti
Leipzig

Sie lächelt. Sie wartet auf die Sommerpause. Liegen die 56 US-Städte hinter der Truppe des Cirque du Soleil, dann ist Hochzeit angesagt. Santé d’Amours Fortunato heiratet Alexander Judintsew. Die Kanadierin aus Vancouver und der Kasache aus Karaganda. In Montreal, Zentrale des Cirque du Soleil, haben sie sich kennengelernt, nun reisen sie mit „Corteo“ gemeinsam und wohnen in Boston, wo die Show Mitte Juni gastierte, in einem Airbnb-Appartement. „Weil wir beide das Kochen lieben“, sagt die 30-jährige Artistin, die bei „Corteo“ eine wirbelige Reifennummer macht – und an drei riesigen Kronleuchtern tanzt und turnt.

Logistische Meisterleistung

Der letzte Wachtraum eines Clowns: Spektakulär und poetische, verspielt und melancholisch.

Sie hat vier Jahre in Deutschland gelebt, in Bochum ihr erstes Engagement als Artistin bekommen und ist vor zwei Jahren zum Cirque du Soleil gekommen. Nun ist auf der Tour Tag für Tag Training: „Aber ich trainiere nur, was ich dann auch auf der Bühne mache, lerne jedoch trotzdem immer Neues dazu – oder werde besser. Hoffe ich.“ Santè ist eine von 52 Akrobaten, Musikern, Sängern aus 18 Ländern, die „Corteo“ (bisher acht Millionen Zuschauer in 19 Ländern) bevölkern. Hinter der Bühne sind noch einmal 60 Leute, Techniker und Handwerker, an dem Treiben beteiligt. Immerhin müssen über längere Zeit hinweg mehr als 2000 Kostümteile und über 150 Paar Schuhe betreut, muss das Equipment auf- und abgebaut und in 20 Trucks verstaut werden. Eine verwirrende logistische Meisterleistung, von der Showmanager Maxwell Battista erzählt, als wäre es wie Legosteinbauen.

Prallbunter Wachtraum

„Corteo“ (italienisch: Festzug), die Show, die am 23. Oktober für sieben Tage in die Leipzig-Arena kommt, folgt einem Clown, der spürt, dass sein Ende naht, und in einem prallbunten Wachtraum sein Leben als fröhliche Prozession vorbeiziehen sieht. Da wird übermütig in zwei Betten gesprungen. Da versucht der Clown, einen Kopf, der aus dem Boden auftaucht, als Golfball zu treffen. Da wirbelt eine schlanke Zigeunerin mit mehr als einem halben Dutzend Hula-Hoop-Reifen. Da turnen vier Geliebte des Clowns an Riesenlüstern. Da wird heftig mit Ringen und Keulen jongliert, gibt es verblüffende Aktionen in riesigen Reifen, zappelt eine Mensch-Marionette an Schnüren, hangelt ein Duo an langen Bändern, tanzt ein Artist stützenfrei schweißtreibend auf einer langen Leiter, wird rasant auf Wippen gesprungen, sind am Trapez atemberaubende Flüge zu sehen und an einem Stangenquadrat Drehungen, die Schwindel beim Zusehen erzeugen. Ein Riesenspaß hingegen ist es, wenn Kleinclown Anita an fünf mit Helium gefüllten Ballons überm Publikum schwebt, zum Landen ansetzt, plötzlich „Push“ ruft, einen Schubs an die Füße bekommt und weiter schwebt. „Das kann bis zu acht Minuten dauern“, sagt Manager Maxwell Batista. Wenn es die Zuschauer so wollen. „Keiner kontrolliert Anita, nur das Publikum.“

Verspielt und spielerisch

„Corteo“ mischt, verspielt und spielerisch, Artistik mit Schauspiel und Clownerien mit Tanz, ist eine poetische Fantasie, melancholisch, komisch und fröhlich. Die Mischung stimmt jedenfalls. Immerhin ist „Corteo“ eine Manegen-Show, die das Zelt verließ und in die Arena zog. Das heißt: Die Bühne steht in der Hallen-Mitte und die Zuschauer sitzen auf beiden Seiten. Eine technische Herausforderung für den Cirque du Soleil, der vor zwei Jahren seine erste Arena-Show startete – und von Anfang an die Scheinwerfer so seitwärts platzierte, dass sie keinen im Saal stören.

Je länger, desto besser

Alle artistischen Geräte und Requisiten hängen an der Decke, an Wagen auf drei Gleisen. An denen werden sie hin- und herbewegt, während die Auf- und Abgänge links und rechts der Drehbühne stattfinden. 34 Techniker und 20 Kameras überwachen, was auf der Bühne passiert. Die acht Musiker, die vor der Bühne sitzen, spielen live „Sie achten darauf, was passiert, ob etwas schneller oder langsamer läuft – und reagieren darauf“, sagt Manager Maxwell Batista. Angepasst an die jeweilige Hallenhöhe werden auch die Geräte der Artisten, die Kulissen und der Vorhang. Etwas anderes ändert sich auch – zum Nutzen der Attraktivität von „Corteo“. Manager Maxwell Batista: „Je länger die Show läuft, desto besser werden alle – auch, weil sie immer wieder etwas Anderes, Neues ausprobieren.“

Lebensgefühl und Lebensstil des Artisten

So auch Johan Juslin, der 27-jährige Finne, der erst Zimmermann lernte, bevor er Jongleur wurde und die Diabolos für sich entdeckte. Was einen guten Jongleur ausmacht? „Üben, üben, üben.“ In „Corteo“ hat er nun seinen ersten professionellen Job – und schwärmt von Lebensgefühl und Lebensstil als Artist. „Ich hoffe, so bleibt das mein Leben lang. Mal sehen, was mein Körper dazu sagt.“ Und wenn der sich weigert? „Dann baue ich Möbel. Das habe ich gelernt, das kann ich.“

„Nur Zunge und Zähne“

Weniger anstrengend geht es für Geert Chatrou zu, den Holländer, bei „Corteo“. „Ich bin in einer guten Position, ich muss nicht trainieren“, sagt der Weltmeister im Pfeifen 2004, 2005 und 2008. Geert Chatrou genügt ein Glas Wasser vor dem Auftritt. Damit pfeift er sich als Mr. Loyal durch die Show. Kein Trick beim metallklaren Pfeifen? „Kein einziger“, schwört der Mann, dessen Talent mit vier bei einer Weihnachtsfeier entdeckt wurde und der auch schon CDs und Film-Soundtracks bepfiffen hat, „nur Zunge und Zähne.“

Santè und Alexander reisen übrigens nach ihrer Heirat im August in ihre Flitterwochen nach Griechenland. Letztes Luftholen für die Tour durch Deutschland. „Immer weiter und weiter entwickeln – und dabei immer ich selber bleiben, das ist mein Ziel als Artist“, sagt Alexander.

Karsten sind unter anderem erhältlich im LVZ Media Store in den Höfen am Brühl, in allen LVZ-Geschäftsstellen über die gebührenfreie Tickethotline 0800 2181050 und auf www.lvz-ticket.de.

Von Norbert Wehrstedt

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