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Kultur Regional Die Band Kettcar hat ihr kleines Leipzig-Trauma verarbeitet
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17:18 16.06.2019
Versöhnt mit Leipzig: Sänger Marcus Wiebusch (M.) mit seiner Band Kettcar auf der Parkbühne. Quelle: Alexander Prautzsch
Leipzig

Mit dem Paradies haben die 1100 Besucher der Parkbühne am Samstagabend wohl nicht gleich gerechnet, und dennoch steht es direkt vor ihnen – in Gestalt von Florian Sievers und seinem gleichnamigen Soloprojekt. Der Leipziger, bekannt geworden, mit Talking To Turtles, war kurzerhand als Support beim Kettcar-Konzert eingesprungen, und genau die loben später am Abend seine Zusage und 30-minütige Darbietung.

Vor Kraft strotzend

Das Publikum schwelgt noch ein wenig in himmlischen Sphären, da betreten Kettcar die Bühne. Mit vier Schlägen auf die Hi Hat holt Christian Hake die Anhängerschaft zurück auf festen Grund und Boden. Nach einer vierjährigen Pause melden sich die Hanseaten zurück – in bester Spiellaune, vor Kraft strotzend und so intensiv, dass Gänsehaut zum 90minütigem Dauerzustand wird. Dafür sorgt gleich als zweites Lied „Money Left To Burn“, ihre Hymne aus Anfangstagen über den Ausverkauf der Hamburger Szene. Passend dazu lodern LED-Wände im Hintergrund in bedrohlichem Orange und Feuerrot.

Humanismus ist nicht verhandelbar

Vom aktuellen fünften Studioalbum „Ich vs. Wir“ folgt „Sommer ’89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)“, der Song, der unter übereifrigen Kritikern der Band recht alberne Diskussionen losgetreten hat. So sah sich Sänger Marcus Wiebusch plötzlich mit dem Vorwurf konfrontiert als Westdeutscher überhaupt nicht legitimiert zu sein, den politischen Umbruch im Osten zu kommentieren. Wie gut, dass er von Stereotypen nichts hält, denn es geht um mehr – viel mehr. Tatsächlich will er mit seinen knapp 50 Jahren an diejenigen erinnern, die meinen, Menschen durch Zäune trennen zu müssen, und hat dazu auch eine eindeutige Haltung: „Humanismus ist nicht verhandelbar!“

Gefühlt wie ein dreibeiniger Hund

Auf wenig Menschlichkeit trafen Kettcar auch beim ersten Konzert auf der Parkbühne. Damals, 2001, stand die Band im Vorprogramm von Bad Religion, die ihren Mitstreitern keinerlei Sympathien schenkten. „Ich fand die Band richtig gut, aber nach ‘ner Weile dachte ich, denen kannst Du eigentlich nur noch den ganzen Tag auf die Schnauze hauen! Wir haben uns gefühlt wie ein dreibeiniger Hund, und das ist noch untertrieben“, berichtet Wiebusch mit einem süffisanten Lächeln und der nötigen Distanz. Seinen Frieden mit der Parkbühne hat er zu diesem Zeitpunkt am Samstagabend längst geschlossen und so schwingt im anschließend vorgetragenen „48 Stunden“ auch ein wenig Wehmut mit ob er Gewissheit, dass ein schöner Tag auch in Leipzig mal zu Ende geht.

Hektische Zeichen

Davon weit entfernt hat der Frontmann noch eine weitere kurzweilige Ansprache in petto und verkündet: „Wir kriegen gerade hektische Zeichen vom Bühnenrand, dass wir nicht so viel sabbeln sollen. Machen wir aber trotzdem. Wir sind in Plauderlaune!“ Damit sind ihm die Lacher seitens des Publikums abermals sicher.

Dass politische Botschaften und Liebeslieder bei Kettcar zusammengehören, ist bekannt, und so fügt sich das nur von den beiden Brüdern Marcus und Lars Wiebusch mit Westerngitarre und E-Piano vorgetragene „Balu“ traumhaft in ein stürmisches, rockiges Set, das mit einer Liebeserklärung an die Heimatstadt Hamburg endet: „An den Landungsbrücken raus“, heißt es darin und weiter „dieses Bild verdient Applaus“ – Kettcar ebenfalls, und sie bekommen ihn zur Verabschiedung minutenlang.

Freude über Leipzig

Glückselig verkündet Bassist Reimer Bustorff seinen Bandkollegen „Digga, wenn ich morgen in Duisburg mit einem fetten Grinsen auf der Bühne stehe, dann sage ich allen, dass wir gestern in Leipzig gespielt haben.“

Dann nimmt er sich noch kurz Zeit für ein kleines Fazit: „Unser Start in Leipzig 2001 war etwas holprig, aber dann wurde es in der Moritzbastei und im Haus Auensee immer besser. Ich glaube, jetzt sind wir wirklich angekommen!“

Von Eike Schumann

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