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Kultur Regional Die Lochis im Abschieds-Interview: „Fridays For Future ist genial!“
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08:03 17.09.2019
Youtuber, Musiker, Filmemacher: Nach acht Jahren wollen die Zwillinge Roman und Heiko Lochmann, 20, das Kapitel „Die Lochis“ bald beenden. Quelle: Philipp Gladsome
Leipzig

Im Alter von gerade mal 20 Jahren gehören die Lochisim deutschsprachigen Raum zu den Youtube-Veteranen: Nach acht Jahren mit eigenem Kanal, mittlerweile 2,7 Millionen Abonnenten und fast einer Milliarde Aufrufen. Nebenbei sammeln die zwei Mainzer Heiko und Roman Lochmann mit Musik und Kinofilmen Erfolge – doch demnächst soll damit erstmal Schluss sein. Auf ihrer erklärten Abschluss-Tour sind sie am Freitag im ausverkauften Haus Auensee zu erleben.

Sie haben angekündigt, nach der Tour „ein Kapitel“ zu schließen, „aber nicht das Buch“. Was bedeutet das?

Roman Lochmann: Wir beenden das Kapitel „Die Lochis“. Es ist keine Trennung und auch kein Karriereende, wir nehmen Abschied von unserer Kindheit und Jugend. Das Gleiche gilt für unsere Fans, für viele sind „Die Lochis“ ein Stück ihrer Kindheit. Wir selbst haben gemerkt, dass wir älter werden, uns weiterentwickeln und verändern. Und manchmal muss man loslassen, um weitergehen zu können im Leben.

Heiko Lochmann: Das kennt jeder irgendwann, wir stehen jetzt vor diesem Punkt in unserem Leben. Aber bevor wir loslassen, schmeißen wir noch ein mal eine richtig fette Party auf der Abschluss-Tour, feiern mit unseren Fans diese phänomenalen acht Jahre, die hinter uns liegen, und all die Erinnerungen und Erfahrungen, die damit verbunden sind.

Hat sich in den acht Jahren die Art verändert, wie auf Youtube veröffentlicht wird?

Heiko: Ja, hat es. Als wir angefangen haben, gab es wenige Leute, die Videos für Youtube gemacht haben und damit erfolgreich werden. Genauso gab es weniger Zuschauer. Der Content ist viel professioneller geworden, und man findet heutzutage ja wirklich alles auf Youtube. Aus dieser kleinen Szene von früher sind eine Branche und ein Business, aus der Plattform ein Massenmedium geworden.

Roman:Man muss mit seinem Content herausstechen, und es kommt öfter als früher vor, dass nicht mehr einzig und allein die Kreativität im Vordergrund steht, sondern die Erfüllung der Kriterien, um den Algorithmus der jeweiligen Social-Media-Plattform glücklich zu machen.

Was bedeutet es Ihnen, dass sich längst auch Fernsehen und Presse für Sie interessieren?

Roman:Wir freuen uns, und es bestätigt uns auch. Wir haben jahrelang hart gearbeitet, um auch außerhalb der Internet-Blase stattzufinden.

Heiko: Wir lieben es, unseren Horizont zu erweitern, und vor allem im Fernsehen oder auch im Print oder Radio kommen wir raus aus der normalen Komfort-Zone. Die Grenze, die zwischen online und offline mal stand, verwischt immer mehr, und das finden wir eine wichtige Entwicklung.

Roman: Wir werden von vielen immer noch als „diese Youtuber aus diesem Internet“ wahrgenommen, und dass man als tatsächlicher Musiker gesehen wird, findet noch nicht statt. Obwohl es ja eigentlich egal ist, wo man seine Fanbase aufgebaut hat.

Heiko: Beide Welten miteinander zu verbinden, ist die Challenge für die nächsten Jahre, und genau das fanden wir schon immer superspannend!

„Wir wollen keine Werbung für oder gegen eine Partei machen“

Gibt es andersherum eine Rückkopplung von der analogen Berichterstattung in die digitale Welt?

Heiko: Wir können natürlich Leute erreichen, die uns vorher noch nicht gekannt haben. Wir können uns aber auch von einer ganz anderen Seite zeigen. Wenn man Content fürs Internet macht – ob für Instagram, Youtube oder Tik Tok– dann meistens allein und im gewohnten Umfeld. In Interviews oder TV-Shows kommen manchmal Themen auf, mit denen man sich auf seinem Channel oder Account gar nicht beschäftigt. Diesen Mix aus neuer Zielgruppe und anderen Themen die man sonst so nicht umsetzen könnte, finden wir spannend.

Roman: Hätten wir nicht bei „Let’s Dance“ mitgemacht, wären wir wahrscheinlich nicht für acht Wochen ins Tanztraining gegangen, nicht für unsere Channels – aber es war eine megageile Zeit und Erfahrung!

Zuletzt haben einige Youtuber in Deutschland Schlagzeilen mit politischen Wertungen gemacht. Reizt Sie das auch?

Heiko: Wir haben uns bisher mit politischen Aussagen zurückgehalten, weil wir uns unserer Reichweite und der damit verbundenen Verantwortung bewusst sind und es daher vermeiden wollten. Wir wollen keine Werbung für oder gegen eine Partei machen, wir haben zu vielen Dingen eine klare Meinung und teilen diese auch.

Roman:Dennoch sehen wir uns in erster Linie als Musiker und Entertainer.

Bedauern Sie, bereits aus der Schule raus und so knapp zu alt für „Fridays for Future“ zu sein?

Roman:Fridays for Future“ ist heute viel mehr als eine Demonstration von Schülern. Da ist eine Riesenbewegung der jungen Generation entstanden, und zu dieser jungen Generation würden wir uns auch zählen. Es gibt ein Umdenken innerhalb der Gesellschaft, und unsere Generation ist ein großer Antrieb davon. Das ist genial!

„Ein kleiner Konkurrenzkampf unter Zwillingen herrscht da schon“

Sie gehören zum hessischen Rat für Digitalethik – neben Politikern, Unternehmern, Wissenschaftlern, Kirchenvertretern. Sind Sie nur jugendliches Aushängeschild oder nimmt man Sie ernst?

Heiko:Da es in den bisherigen zwei Sitzungen noch nicht wirklich konkret wurde, können wir das schwer beurteilen. Wir fühlen uns bisher ernst genommen und würden uns wünschen, dass noch ein paar mehr junge Menschen in den Rat aufgenommen werden.

Zwillinge stehen sich naturgemäß sehr nah und sind zugleich von Geburt an auch Konkurrenten. Wie erleben Sie das?

Heiko: So ein kleiner Konkurrenzkampf unter Zwillingen herrscht da schon, oberflächlich betrachtet sind das Kleinigkeiten wie beispielsweise wer beim Essen das letzte Stück bekommt. Der Konkurrenzkampf untereinander hat uns aber immer vorwärts gebracht.

Roman: Wir wollten immer besser als der andere sein, wenn wir merkten dass einer von uns irgendwo die Nase vorn hat. Deshalb war Stagnation auch nie eine Option.

Heiko: Was wir auch spüren, ist ein starker Zusammenhalt und ein unendliches Vertrauen.

„Eine Liebesbeziehung irgendwann würde das Ganze nur positiv ergänzen“

In Ihrem Youtube-Abschiedsvideo deuten Sie an, dass seit dem Erfolg zwischen Ihnen nicht immer alles rosarot ablief…

Roman: Wir haben jahrelang Vollgas gegeben – und in diesem Wahnsinn zwischen Gold-Album, ausverkaufter Tour und gefühlten 100 Terminen pro Tag war es schwierig, sich noch auf etwas anderes zu konzentrieren.

Heiko: Aber das haben wir zum Glück geändert und freuen uns extrem darüber, das Kapitel zusammen abzuschließen und das Ding als beste Freunde und Brüder zu beenden und die letzten acht Jahre so richtig mit unseren Fans abzufeiern!

Roman sagt im Abschiedsvideo auch, dass Heiko immer das Allerwichtigste bleiben werde. Welchen Platz kann da eine Liebesbeziehung zu einem Menschen einnehmen, der nicht bereits Teil der Familie ist?

Heiko: Wir lieben beide unsere Familie, die Familie ist unser Anker, der uns am Boden hält und in den richtigen Momenten motiviert und uns Kraft gibt. Wir sind privilegiert, so einen Familienzusammenhalt zu haben, und wissen, dass es nicht jedem so geht, wünschen es aber jedem.

Roman: Und wenn es irgendwann eine Liebesbeziehung gibt, würde diese das Ganze nur positiv ergänzen.

„Erstmal fallen wir uns alle in die Arme“

Was machen Sie als Allererstes, wenn das letzte Konzert gespielt ist?

Roman: Wahrscheinlich allen Menschen, die uns auf diesem Weg begleitet haben, erstmal in die Arme fallen.

Wie und wann wollen Sie sich künstlerisch zurückmelden? Allein? Zu zweit?

Heiko: Was man bereits weiß: Im Oktober kommt unser Buch „Willkommen Realität“ heraus, und nächstes Jahr erscheint unser nächster Kinofilm.

Roman: Ansonsten haben wir richtig Bock, an verschiedenen Projekten zu arbeiten, uns auszuprobieren und einfach ohne Stress zu experimentieren.

Die meisten Altersgenossen dürften im Studium oder einer Ausbildung stecken. Steht so etwas Normales zur Debatte?

Roman: Nachdem das Abschluss-Album jetzt heraus ist, spielen wir die Abschluss-Tour. Danach haben wir Zeit, die letzten acht Jahre zu reflektieren und zu entscheiden – wohin jetzt?

Das Album „Kapitel X“ ist am Freitag bei Warner-Music erschienen. Das Konzert kommenden Freitag, 18.45 Uhr, im Haus Auenseeist ausverkauft.

Von Mathias Wöbking

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