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Kultur Regional Die Medientage Mitteldeutschland enden in Leipzig mit einem Blick auf den Osten 30 Jahre nach dem Mauerfall
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21:41 22.05.2019
Michael Kretschmer (v. l.) diskutierte mit Robert Schneider, Jana Hensel und Karola Wille über das Bild Ostdeutschlands in den Medien. Quelle: André Kempner
Leipzig

Tag zwei der Medientage Mitteldeutschland und damit noch einmal Gelegenheit für die Journalisten aus Print, Funk, und Fernsehen, aber auch andere Medienschaffende sich auf dem Leipziger Spinnereigelände auszutauschen und zu vernetzen. 900 Gäste machen das in diesem Jahr.

Das Themenspektrum war auch am Mittwoch denkbar weit gefasst: Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wurde ebenso debattiert wie eine europäische Antwort auf Youtube, Netflix oder Amazon. Altersvorsorge für Journalisten war im Gespräch, außerdem ging es um die Frage, wie es gelingt, Jugendliche einzubinden und ihnen wissenschaftliche Themen oder – in der Woche der Europawahl – Politik zu vermitteln.

Medienkompetenz stärken

Demokratie und die für sie notwendige Medienkompetenz angesichts von Fake News, Falschmeldungen und Manipulationen diskutierte die kleinere Bühne in Halle 14. Zwar ging es dort darum, wie Kinder und Jugendliche Tatsachen, Lügen und bloße Meinungen zu unterscheiden lernen, aber Dieter Wiedemann von der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur in Bielefeld, fragte zu Recht: „Warum müssen wir hier nur über Kinder sprechen, eigentlich müssten wir alle bilden.“

Denn, was er und seine Gesprächspartner bei Kindern und Jugendlichen beobachten, könne ähnlich auch für ältere Generationen gelten. „Fast die Hälfte unserer Zuschauer sind Erwachsene“, bemerkte Markus Mörchen, Leiter der Kindernachrichtensendung „logo!“, um diese These heiter zu stützen.

Kinder sollten früh Mitbestimmung lernen

Um Kinder für Politik zu interessieren, sei „Erklären das eine, Erleben das andere“, sagte Bettina Bundszus, Abteilungsleiterin für Kinder und Jugend beim Bundesfamilienministerium. Zur politischen Bildung sollten Kinder in Kindergarten und Schule bereits früh in Entscheidungen einbezogen werden. Damit erlebten sie, dass ihre Stimme gehört werde, aber auch, dass es dazu gehöre, nicht immer mit ihrer Meinung durchzukommen.

Wieder Zuhören zu lernen, sich Zeit für Entscheidungen zu nehmen und andere Meinungen anzuhören, formulierte die Runde nicht nur für die Generation, die Online und Offline nicht mehr trenne, als wünschenswert. Kommunikationsforscher Wiedemann sagte, um die Kinder mache er sich hier weniger Sorgen, mehr um die anderen Generationen – „auch bei den kommenden Wahlen.“

Jana Hensel: 2015 war eine Zäsur

Das, was „logo!“ in seiner jetzt 30-jährigen Geschichte laut Mörchen versuche – Kinder einzubinden, sie Fragen stellen zu lassen, statt sie von zu oben zu belehren – fehlte in einer anderen 30-jährigen Geschichte. Zumindest zu einem Teil, denn die Diskussion über einen möglicherweise „verkannten Osten“ hinterließ kein einheitliches Bild: Autorin und Journalistin Jana Hensel beschrieb eine Zäsur, die mit dem Jahr 2015 eingetreten sei.

Mit dem Rechtsruck in Teilen der Bevölkerung, dem Auftauchen von Pegida und der AfD im Deutschen Bundestag sei zum ersten Mal kontinuierlich über die Realität im Osten überregional geschrieben worden. Davor habe in Redaktionen die Perspektive westdeutscher Männer überwogen, in der der Osten, nur aufgetaucht sei, wenn er problembehaftet gewesen sei. Seitdem nehme sie wahr, dass versucht werde, differenzierter zu berichten. „Die Gefahr ist, dass das mit einem Rechtsruck begann.“

Osten hat einen Transformationsprozess bereits hinter sich

Auf das oft unzureichende, oft negativ behaftete Bild des Ostens wies auch Karola Wille, Intendantin des MDR, hin. Auch sie nehme – etwa wenn ein Film über Gerhard Gundermann preisüberhäuft werde, wahr, dass sich etwas ändere: Es gebe ein Interesse an diesen anderen Geschichten, der Vielschichtigkeit ostdeutscher Biografien, zu denen auch gehöre, einen Transformationsprozess überstanden zu haben. 16 Millionen ehemalige DDR-Bürger seien in der Zeit der Digitalisierung um eine ähnliche Erfahrung reicher.

„Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht nur erinnern“, gab Michael Kretschmer zu bedenken. Ihm als Ministerpräsidenten, als Sachsen aus Görlitz und Europäer, fehle oft der Blick, was inzwischen gemeinsam erreicht wurde „und Mut macht für die kommenden Jahrzehnte“.

Von Manuel Niemann

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