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Kultur Regional Die kanadischen Cowboy Junkies kommen zum Rudolstadt-Festival
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12:31 04.07.2019
Die Cowboy Junkies: Alan Anton, Margo Timmins, Peter Timmins und Michael Timmins (v.l.). Quelle: picture alliance/dpa
Leipzig

Die Cowbow Junkies zählen seit 35 Jahren zur Speerspitze der Alternative-Country-Szene. Während die Songs der Band um die Timmins-Geschwister Michael und Peter aus dem kanadischen Toronto dunkel, hypnotisch und fiebrig daherkommen, hat Margo Timmins leicht rauchige Stimme heilende Kraft. Mit Gitarrist und Songschreiber Michael Timmins sprach

„Sing the Truth“ eröffnet Rudolstadt Festival

Mit einem Auftritt von Lizz Wright, Angelique Kidjo und Cecile McLorin Salvant und ihrem Projekt „Sing the truth“ beginnt am heute (4. Juli) das Rudolstadt-Festival. Zu Deutschlands größtem Fest für Weltmusik werden in der ostthüringischen Kommune bis zu 25 000 Besucher täglich erwartet, um den Künstlern aus aller Welt auf fast 30 Bühnen und Podien zuzuhören. Am Freitag ist der Auftakt für die Kulturarena des Theaterhauses Jena mit dem Spektakel „Hätte hätte Fahrradkette“.

Zum Rudolstadt-Festival kommen in diesem Jahr Künstler aus rund 40 Ländern, die 300 Auftritte absolvieren werden. Schwerpunkt ist der Iran. Die dort vertretenen Künstler präsentieren unterschiedliche Stile und Musikströmungen, die die aktuelle wie auch die Tradition der Musik in dem Land prägen. Das Abschlusskonzert am Sonntag gestalten die Cowboy Junkies aus Kanada.

Erstmals feiert die Europäische Rundfunkunion (EBU) in diesem Sommer den 40. Geburtstag ihres Folk Festivals (EFF) in Rudolstadt. Redaktionen aus 16 EBU-Mitgliedstaaten beteiligen sich und bringen Künstler an die Saale. Das Spektrum ist weit gefasst und reicht von der Big Band bis zur Solo-Performance mit Akkordeon.

Zu den Glanzlichtern des Rudolstadt-Festivals gehört alljährlich die Vergabe des Weltmusikpreises Ruth im Hof von Schloss Heidecksburg. Der Hauptpreis geht am Samstagabend an den Hackbrettspieler Rudi Zapf für sein Lebenswerk, den Festival-Preis bekommt die Gruppe Gankino Circus aus Dietenhofen (Landkreis Ansbach) und den Förderpreis die Band The Sephardics, die sich der jüdischen Musikszene widmet. Der diesjährige Ehrenpreis geht an Siegfried Maeker, der die internationale Sinti- und Roma-Musik in Deutschland auf die Bühnen zurückbrachte.

rudolstadt-festival.de

Die Cowboy Junkies spielen seit 1985 in derselben Besetzung. Was ist der Grund für diese Beständigkeit?

Der wichtigste Grund ist, dass wir alle noch am Leben sind. Wir lieben es immer noch, zusammen zu spielen und werden es auch weiter tun. Weil diese Band uns einfach Spaß macht. Wir werden oft danach gefragt, wie wir unseren Sound definieren. Ich antworte dann immer: Unser Sound entsteht, wenn wir vier zusammen spielen. In dem Moment, wo man eines dieser Elemente entfernt, werden die Cowboy Junkies definitiv anders klingen.

Ihre Musik klingt auch nach über 30 Jahren noch frisch und neu. Ist eine Familien-Band stabiler als eine herkömmliche Band?

Viele denken, dass es viel schwieriger ist, mit seinen Geschwistern zu spielen als mit fremden Leuten, aber bei uns funktioniert es offensichtlich. Das liegt an unserer guten Beziehung und daran, wie wir miteinander kommunizieren, wenn irgendwas nicht so gut läuft.

Das aktuelle Werk „All That Reckoning“ ist keine laute, aber eine wütende Platte. Sind Sie eine leise Protestband?

Ich sehe uns nicht in dieser Kategorie. Sicher sind auf der Platte ein paar wütende Lieder drauf. Aber das war früher bei uns auch schon der Fall. Diese Platte stellt das Persönliche in Relation zum Gesellschaftlichen. Mikro und Makro. Wenn man sich die Welt von heute anschaut, fällt es schwer, nicht wütend zu werden.

„All That Reckoning“ gehört für viele zu Ihren besten Alben, weil Sie darauf betörende Stimmungen mit zornigen Texten mischen und einen bedrohlichen Sound kreieren. Wie kam es zu diesem späten Meisterwerk?

Zwischen unseren Platten liegen immer lange Pausen. Zuletzt waren es fünf Jahre, in denen wir viel live gespielt haben. Das Gute war, dass ich nicht zu 100 Prozent für die Musik, Texte und Melodien verantwortlich war. Es war sehr inspirierend, dass die anderen so viele Ideen mit eingebracht haben.

„The Things We Do To Each Other“ analysiert Angst und Hass. Ist Hass stärker als Liebe?

Ich hoffe nicht. Es gab aber Zeiten in der Geschichte, als Hass definitiv stärker war als Liebe. Hass ist ein motivierender Faktor für große Bewegungen oder sogar Regierungen. Ich bilde mir aber ein, dass Liebe alles in allem stärker ist als Hass.

Ist die gesellschaftliche Stimmung in Kanada ähnlich aufgeheizt wie im Nachbarland USA?

Nein, das ist sie nicht, aber die Gefahr besteht durchaus. In unserer Gesellschaft sind auf jeden Fall spaltende Elemente vorhanden, aber alles in allem ist Kanada eine sehr liberale und offene Demokratie. Unsere Stärken sind Vielfalt und Multikulturalität. Jeder Politiker, der diese Stärken als Schwächen darstellt, ist schnell wieder weg vom Fenster. .

Wie kommt es, dass Kanada trotz der Nähe zu den USA so anders ist?

Es gab Zeiten in unserer Geschichte, da waren wir in gesellschaftlicher Hinsicht den USA sehr nahe. Momentan sind wir weiter von ihnen entfernt als jemals zuvor. Was uns nicht unbedingt leicht fällt, weil wir ja eine gemeinsame Grenze haben. Unsere Wirtschaft hängt stark von den USA ab. Das gilt auch fürs Private. Meine Frau ist Amerikanerin, und eine meiner Schwestern lebt in den USA. Es gibt wohl keine Familie in Kanada, die keine Verbindung mit Amerika hat.

Hatten Sie nie den Wunsch, unter der Sonne Kalifornien zu leben?

ch mag den Winter! In den 90ern hätten wir locker nach New York oder Los Angeles ziehen und sicher eine wirtschaftlich erfolgreichere Karriere lancieren können. Im Musikgeschäft kommt es sehr darauf an, auf der richtigen Party mit den richtigen Leuten zu sprechen. Aber uns war es immer wichtig, eine gesunde Balance zwischen Karriere und Familie herzustellen.

Wir sehr brauchen Sie als Band den amerikanischen Markt?

Wir touren ständig in Amerika. Ohne das US-Publikum könnten wir gar nicht überleben. Es ist manchmal schon beklemmend, Kanadier zu sein, weil die Beziehung zu unserem Nachbarn so instabil geworden ist. Das jagt mir Angst ein. Kanada hat 35 Millionen Einwohner, ist aber flächenmäßig ein riesiges Land. Hier zu touren ist eine ziemliche Herausforderung. Aber sobald wir die Grenze überqueren, sind wir in einem Markt mit 300 Millionen Menschen.

Was bedeuten Ihnen Alben?

Hinter jedem unserer Alben steckt ein bestimmtes Konzept. Manchmal ist das eher locker, weil wir keine Konzeptalben wie Pink Floyd in den 70ern machen. Musikalisch, textlich und klanglich versuchen wir Platten zu machen, die in sich stimmig sind. Die Songs nehmen aufeinander Bezug. Deswegen machen wir so gerne Alben.

Glauben Sie, dass das Format direkt vor unseren Augen stirbt?

Das Format Album wird nicht aussterben, so lange meine Generation am Leben ist. Was danach kommt, weiß ich nicht. Ich bin in der Ära der großen Rock- und Pop-Alben aufgewachsen. Eine neue Platte meiner Lieblingsband war für mich in den 70ern und 80ern etwas ganz Besonderes. Ich glaube, dass es noch immer ein Publikum gibt, das eine Songkollektion zu würdigen weiß. Aber das Musikbusiness insgesamt ist heute wahrscheinlich eher daran interessiert, einzelne Songs zu promoten.

Die Cowboy Junkies sind berühmt für ihre außergewöhnlichen Coverversionen. Spielen Sie diese Sachen auf der Tour?

Wir spielen immer ein paar Cover. Wir haben 60 oder 70 Songs eingeprobt, aus denen wir jeden Abend schöpfen können. Wir verändern die Setlist ständig. Es ist so, dass wir zwischen eigenen und fremden Songs überhaupt nicht unterscheiden. Die Cover, die wir spielen, haben wir uns zu eigenen gemacht. „Sweet Jane“ zum Beispiel ist ein sehr wichtiger Song für uns. Wir haben davon eine ganz eigene Version erstellt. Seit kurzem spielen wir einen weiteren Neil Young-Song, „Don’t Let It Bring You Down“, sowie „Five Years“ von David Bowie. Das macht uns großen Spaß.

Hat das Covern Ihnen dabei geholfen, Ihren eigenen fiebrig-flimmernden Stil zu finden, der als New Americana bezeichnet wurde?

Ich denke schon. Auf unserem Debütalbum waren bis auf eine Ausnahme nur Songs von Bruce Springsteen, John Lee Hooker oder Robert Johnson. Wir haben viele alte Blues-Songs von innen nach außen gedreht. Die Texte dieser Meister und ihr Vibe haben uns dabei geholfen, unseren eigenen Sound zu finden.

Die Cowboy-Junkies live beim Rudolstadt Festival: 7. Juli, ab 21 Uhr auf der großen Bühne im Heidepark; das Festival beginnt heute und dauert bis einschließlich Sonntag. Infos: www.rudolstadt-festival.de

Von Olaf Neumann

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