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Kultur Regional „Die verborgene Sprache der Blumen“ – ein Roman von Vanessa Diffenbaugh
Nachrichten Kultur Kultur Regional „Die verborgene Sprache der Blumen“ – ein Roman von Vanessa Diffenbaugh
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18:03 21.04.2020
„Die verborgene Sprache der Blumen“ von Vanessa Diffenbaugh – passt ein bisschen auch zum Frühling.
„Die verborgene Sprache der Blumen“ von Vanessa Diffenbaugh – passt ein bisschen auch zum Frühling. Quelle: dpa/Knaur
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Am Ende des Buches war ich überrascht. Und mittendrin sowieso. Den Roman „Die verborgene Sprache der Blumen“ der amerikanischen Schriftstellerin Vanessa Diffenbaugh las ich am Stück durch – was im Spiegel meiner Lesegewohnheiten ein echtes Qualitätsmerkmal ist. Die Sprache der Diffenbaugh – fesselnd, schnörkellos, klar. Und: Die Geschichte, die sich zwischen dem Buchdeckel verbarg, war alles andere als nur der Ausflug in die Botanik.

Die Erzählerin öffnet ihre Seele

Victoria, die Protagonistin des Romans, ist, was man landläufig eine Menschenhasserin nennen würde. Sie hat in ihrem Leben als Waise niemals Liebe erfahren. Wodurch ihr die Fähigkeit nicht gegeben war, selbst Liebe zu geben. Sie bringt reihenweise Pflegefamilien zur Weißglut. Hält ihre Umwelt immer auf Distanz. Verteidigt ihre Deckung um jeden Preis. Sie kann nicht aus ihrer Haut. Ein richtiges Ekel. Eine unverbesserliche Misanthropin. Und der Leser bekommt aus der Perspektive der Ich-Erzählerin sehr schnell eine Ahnung, wie tief die Wunden in Victorias Seele klaffen.

Zwischenmenschlichkeit und Kommunikation sind ihr fremde Welten. Bis sie auf Elizabeth trifft. Durch die Gärtnerin lernt Victoria die Sprache der Blumen kennen. Und damit eine Sprache, die es ihr ermöglichen würde, Botschaften an andere Menschen auszusenden, ohne dabei ihre Deckung verlassen zu müssen. Mit jeder Bedeutung mehr, die Victoria über die Blumen lernt, spürt der Leser, wie aus der „Gemeinen Distel“ eine Blume wird. Die zaghaft beginnt Nähe zu ertragen. Die Trauer erlebt und Liebe zulässt.

Ohne Kitsch und ohne Mitleid

Das Überraschende am Ende des Buches war, dass die Autorin es schafft, gänzlich ohne Kitsch auszukommen. Und dafür bietet allein der Titel reichlich Ansätze. Man merkt, dass Vanessa Diffenbaugh weiß, worüber sie schreibt – sie selbst hat Pflegekinder bei sich aufgenommen. Die Geschichte wirkt authentisch und echt. Auch, weil Diffenbaugh ihrer Roman-Hauptrolle kein Mitleid schenkt. Die Sprache der Blumen allein weist der verbohrten Enttäuschten nicht den Weg aus ihrer Einsamkeit. Sie muss sich jede noch so kleine positive Gefühl hart erarbeiten – und das gelingt ihr auch nicht immer.

Kleiner Leseanreiz: Wussten Sie, dass Lavendel in der Sprache der Blumen Argwohn bedeutet? Und der Kaktus für brennende Liebe steht?

Angaben zum Buch

Vanessa Diffenbaugh: Die verborgene Sprache der Blumen.

Roman. Übersetzt von: Karin Dufner.

Knaur Verlag; 528 Seiten, 12 Euro

ISBN: 978-3-426-65437-8

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Von Thomas Lieb