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Kultur Regional „Die verkaufte Braut“ feiert Premiere an der Oper Leipzig
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15:47 14.06.2019
„Marie ist anders“, sagt Magdalena Hinterdobler. Die Sopranistin debütiert in der Rolle der Marie in Christian von Götz’ (l.) Inszenierung „Die verkaufte Braut“. Quelle: Foto: Christian Modla
Leipzig

Für Christian von Götz riecht „Die verkaufte Braut“ von Bedrich Smetana nach Sommer. Deswegen will der Regisseur die Komische Oper des romantischen Tschechen als „tschechischen Sommernachtstraum“ inszenieren. Die letzte Leipziger Opernpremiere dieser Spielzeit spielt in einem böhmischen Dorf. Marie, gesungen von Magdalena Hinterdobler in ihrem Rollendebüt, soll den so dummen wie reichen Wenzel heiraten, liebt allerdings Hans, von dem sie nicht weiß, wo er eigentlich herkommt. Mit Händen und Füßen stemmt sie sich gegen die arrangierte Ehe. Sie und der Rest des Dorfes ahnen nicht, dass Hans Wenzels Bruder ist, auch ein Sohn Michas. Als Hans also einen Deal mit dem Heiratsvermittler abschließt, dass Marie gegen 300 Gulden nur einen Sohn Michas heiraten darf, ist sie am Boden zerstört.

Marie wehrt sich

Von Götz verlagert die Handlung samt Bühnenbild und Kostümen von der Mitte des 18. Jahrhunderts in das beginnende 20. Jahrhundert. „Das hat damit zu tun, dass vor dem Ersten Weltkrieg diese sozialen Strukturen noch da waren. Autoritäre Strukturen, in denen es leichter denkbar ist, dass die Jugendlichen nicht selbst bestimmen können“, erklärt er. Gegen dieses Oktroyieren wehrt sich Marie vehement.

Für Sopranistin Magdalena Hinterdobler ist Marie eine sehr starke, temperamentvolle Frau. „Eine Frau, die immer herausplatzt, sofort ja oder nein sagt. Im lyrischen Fach spiele ich sehr viele passive Rollen, immer die Nette oder die Brave. Marie ist da anders, die macht mal was“, sagt sie und schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch. Von Götz bekräftigt: „Sie ist eine Powerfrau.“ Er sehe Marie auch als sehr emanzipierte Frau, dafür dass das Stück 1866 geschrieben wurde. Ihm sei es wichtig, die psychologischen Tiefen der Figuren herauszuarbeiten, die Themen, die verhandelt werden: „Mit welcher Radikalität die Figuren miteinander umgehen. Marie wird auf einen Nullpunkt geworfen, weil Hans sie in seinen Plan nicht einweiht. Und die Arie, die danach kommt, die passt in keine Buffo-Oper. Das ist ja fast schon Verismo. Für acht Minuten sind wir im dritten Akt auf einmal in einem anderen Genre.“

Der Schluss kehrt musikalisch zum Anfang zurück

Hinterdobler findet dabei vor allem interessant, dass es bei Marie im Laufe des Stücks keine wirkliche Entwicklung gebe. „Diese Arie, dieser Ausbruch bleibt isoliert. Smetana geht ja sofort wieder zurück. Auch der Schluss kehrt musikalisch wieder zum Anfang zurück“, sagt sie nachdenklich. Götz sieht darin die verschiedenen Facetten, die den Reichtum des Stücks ausmachen. Aber worin besteht denn die Komik dieser Komischen Oper? Viel zu lachen haben die Figuren nicht. „Das muss man aushalten“, findet von Götz. „Das ist keine Komische Oper, wie es der ,Figaro’ ist. Und auch der hat diese Tiefen. Der ist auch traurig.“

Auch Hinterdobler glaubt, „dass die Figuren teilweise überzogen sind. Zum Beispiel beim Heiratsvermittler merkt man das auf jeden Fall, in der Musik und wie er angelegt ist. Auch der Chor, der immer gut gelaunt ist, rein auf Komik setzt und diese Zirkus-Szene kommentiert“, sagt sie. „Es ist einfach so, dass das Fröhliche und Komische immer ein Gegengewicht braucht. Nur dann kommt die Komik raus.“

Das Dorf ist eine geschlossene Welt

In Wenzel, dem stotternden, reichen Sohn, sieht von Götz eine tragikomische Figur, die sich aber als einzige weiterentwickelt. Hinterdobler fügt hinzu: „Obwohl das für ihn alles blöd läuft, lässt es ihn aus der alten Realität ausbrechen. Egal wie es weitergeht, er hat sich als Persönlichkeit entwickelt.“

Smetana zeichnet das Dorf als Mikrokosmos. Weder Hinterdobler noch von Götz sind diese Strukturen fremd. „Witzigerweise ist mein Großvater in einem böhmischen Dorf geboren und aufgewachsen. Die Wurzeln sind also auf jeden Fall so, dass ich das aus nächster Nähe kenne. Ich selber bin in einer Kleinstadt in Bayern aufgewachsen. Wobei die Stadt auch sehr ländlich geprägt ist,“ erzählt Hinterdobler. Von Götz hat seine Kindheit auf dem Dorf in Schleswig-Holstein verbracht und also ebenfalls damit Erfahrung. Er weiß, „wie das sozial funktioniert, wie Kinder dort aufwachsen und älter werden“. Es gehe ja gar nicht darum, dass es nach Misthaufen riecht, sondern darum, „dass es eine kleine, soziale Gemeinschaft gibt, in der Leute eng zusammengehören oder gar nicht dazugehören“. Für seine „Verkaufte Braut“ sieht er das als klares Zeichen einer geschlossenen Welt.

Der Begriff der Nationaloper, mit der Smetanas Werk oft in Verbindung gebracht wird, spielt für diese Inszenierung keine herausragende Rolle. Für Hinterdobler ist diese Bezeichnung eine rein musikalische Frage: „Ich glaube, dass sich das vor allem auf die Musik bezieht, dadurch dass die Musik traditionell in der Bevölkerung verwurzelt ist. Man hört ganz deutliche böhmische Anklänge. Und es gibt keine politischen Ambitionen in dem Stück.“

Begriff der Nationaloper hatte keine Auswirkung

Von Götz versteht den Begriff Nationaloper eher historisch. Nach seinem wagnerianischen Ton in „Die Brandenburger in Böhmen“ habe Smetana etwas buffonesk und tschechisch Klingendes komponieren wollen. „Auf unsere Produktion hatte der Begriff inhaltlich keine Auswirkung. Dafür ist das Stück viel zu privat, viel zu psychologisch.“

Da liegt es nahe, nicht die Originalsprache zu wählen, sondern die deutsche Übersetzung. Die stammt von Max Kalbeck aus dem Jahr 1893. „Wir wissen, dass Smetana diese Übersetzung super fand,“ sagt von Götz. „Er sprach ja besser Deutsch als Tschechisch. Und die Leute kennen die Oper einfach auf Deutsch.“

„Die verkaufte Braut“: Premiere am Samstag, 15.06. (19 Uhr), weitere Aufführungen am 23. und 30. Juni, 25. August und 1. September (jeweils 18 Uhr), Oper Leipzig am Augustusplatz, Karten gibt es unter anderem in der Ticketgalerie Leipzig (LVZ-Foyer, Peterssteinweg 19; Barthels Hof, Hainstr. 1), unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 2181050, unter 0341 1261261 und an der Opernkasse

Von Katharina Stork

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