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Kultur Regional Diese Leipziger Ausstellung schafft es auf die Titelseite der New York Times
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13:18 11.08.2019
Wer waren die Leute, was war das für eine Kunst? Lutz Friedels „Zusammenstoß der Rolltreppen – Carambolage“ (Polyptychon, Öl auf Leinwand, 1980). Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig/ New York/ Frankfurt

Weit entfernt von den Feuerwerken und dem Eigenlob der meisten offiziellen Jubiläen sei die ostdeutscher Kunst gewidmete Ausstellung „Point of No Return“, die seit Ende Juli im Leipziger Museum der bildenden Künste zu sehen ist. So zumindest heißt es in einem am 7. August auf der Titelseite der internationalen Ausgabe der „New York Times“ erschienenen Artikel von Catherine Hickley. Stattdessen sei die Stimmung fast durchgehend düster. Werke wie „Aufbruch“ von Norbert Wagenbrett zeigten, dass der im Westen euphorisch empfundene Moment der Wiedervereinigung in Ostdeutschland auch von Gefahr, Angst und Umbruch geprägt war.

Amerikanische und Britische Zeitungen berichten

Der Schau sei es gelungen, eine immer noch existierende Leerstelle an deutschen Museumswänden zu füllen, indem sie auch Arbeiten von Künstlern zeige, die in der DDR als Dissidenten galten. Manche von ihnen, wie zum Beispiel Doris Ziegler, seien nach der Wiedervereinigung nur selten ausgestellt worden. In der britischen Internetzeitung „The Independent“ wurde ebenfalls der Artikel von Hickley abgedruckt, allerdings unter dem Titel „East German Art finally gets it’s moment“ („Ostdeutsche Kunst bekommt endlich Aufmerksamkeit“). Die britische Kunstzeitung „The Art Newspaper“ nennt Leipzig als Ursprung der friedlichen Revolution den passenden Ort, um sich 30 Jahre später mit ostdeutscher Kunst auseinander zu setzen.

Am 7. August berichtete die internationale Ausgabe der New York Times über die Kunstausstellung in Leipzigund druckte dazu ein Werk von Cornelia Schleime ab. Quelle: Pia Siemer

Auch viele deutsche Medien haben über die von Alfred Weidinger, Paul Kaiser und Christoph Tannert kuratierte Schau berichtet. Die „Süddeutsche Zeitung“ nennt „Point of No Return“ die wichtigste Ausstellung zum Herbst 1989. „Das Besondere dieser Ausstellung besteht nämlich darin, dass sie die Geschichte endlich einmal nicht am 9. November 1989 enden lässt“, schreibt Journalist Peter Richter. Denn die Künstler Ostdeutschlands schafften ja auch nach der Wiedervereinigung weiter. Für Westdeutsche und nach 1989 Geborene müsse die Ausstellung einer „Exkursion in ein bedrohliches, fremdes, bizarr vermintes Gelände gleichkommen“, meint Richter in seinem Artikel. Um all die Debatten um ostdeutsche Kunst wieder aufzunehmen, sei die Stadt Leipzig ein idealer Boden.

Ausstellung sei ein „Meilenstein“ für die ostdeutsche Kunst

„Die Ausstellung ist ein Meilenstein in der Reihe aller bisherigen Rückschauen auf die Kunst des deutschen Ostens“, schreibt Ingeborg Ruthe in der „Frankfurter Rundschau. Ostdeutsche Kunst sei geprägt von Metaphern, egal ob sie von denen stammen, die sich im sozialistischen System bequem eingerichtet hatten oder solchen, die von der DDR-Führung als anstößig empfunden wurden. Für Ruthe ist es ein Gewinn, dass auch die Werke von jungen Ostdeutschen wie Henrike Naumann, die 1984 in Zwickau geboren wurde, gezeigt werden.

Die Kuratoren der Ausstellung im Bildermuseum: (v.l.) Paul Kaiser, Alfred Weidinger und Christoph Tannert vor einem Werk von Doris Ziegler. Quelle: André Kempner

In der Wochenzeitung „Die Zeit“ nennt Peter Neumann die Präsentation ostdeutscher Kunst „wohltuend in einer Zeit, in der auf Biegen und Brechen nach Erklärungen für diese scheinbare Sonderwelt gesucht wird, die sich in den vergangenen 30 Jahren jenseits der Elbe herausgebildet hat“. Einziger Leitfaden, der die Ausstellung durchziehe, sei der Umbruch der Wenderfahrung selbst. Es gelinge den Kuratoren, die völlig unterschiedlichen Erfahrungen aus dieser Zeit zusammen zu bringen.

„Recht volle Räume“ zeigen die Vielfalt ostdeutscher Kunst

Deutschlandfunk-Kultur-Redakteurin Nadja Bascheck lobt die Ausstellung als divers, sie zeige durchaus mehr als die sonst überall bekannte Leipziger Schule. Zwar seien die Räume „recht voll“, dadurch werde aber auch die Vielfalt ostdeutscher Kunst deutlich gemacht.

Museum-Direktor und Kurator Alfred Weidinger führt die internationale Aufmerksamkeit darauf zurück, dass die friedliche Revolution und der Fall der Mauer vielen Menschen immer noch präsent seien. „2019 ist ein Jahr, in dem wir diesem Datum durch viele Veranstaltungen gedenken, auch hier in Leipzig“, sagt er. „Natürlich ist eine gewisse Erwartungshaltung da, dass zur 30. Wiederkehr der Ereignisse auch hier etwas stattfindet.“ 30 Jahre Abstand hält der Österreicher für eine gute zeitliche Distanz, um ostdeutsche Kunst zu analysieren: „Ich glaube, die Ausstellung wird auch deshalb medial so sehr gefeiert, weil junge, ideologiefreie Generationen beginnen, sich mit dieser Zeit auseinander zu setzen.“

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