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Kultur Regional Drei Frauen im Schatten berühmter Männer
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11:07 26.08.2019
Von der 1760 gestorbenen Anna Magdalena Bach ist im Gegensatz zu Fanny Hensel (l.) und Clara Schumann (r.) kein Porträt erhalten geblieben. Quelle: André Kempner
Leipzig

Drei Frauen, drei Lebenswege und eine große Gemeinsamkeit: Die Musikerinnen Anna Magdalena Bach, Fanny Hensel und Clara Schumann wurden in ihrem Wirken durch Johann Sebastian Bach inspiriert – im Fall von Anna Magdalena wenig überraschend, war der Thomaskantor doch ihr Ehemann.

Anlässlich des200. Geburtstages der gebürtigen Leipzigerin Clara Schumannwidmet sich das Bach-Museum den drei Biografien. Um den Altmeister selbst geht es in der Ausstellung nur in seiner Funktion als Muse, die Hofsängerin Anna Magdalena Bach sowie die Pianistinnen und Komponistinnen Fanny Hensel und Clara Schumann stehen im Vordergrund.

Kerstin Wiese hat die Schau im Bach-Museum konzipiert. Quelle: André Kempner

Die drei Biografien vereinen 200 Jahre Musikgeschichte

„Die Betrachtung der verschiedenen Biografien ermöglicht gleichzeitig einen Blick auf 200 Jahre Musikgeschichte“, sagt Kerstin Wiese, die die Ausstellung konzipiert hat. Die Lebensdaten der Musikerinnen umfassen fast genau zwei Jahrhunderte, von Anna Magdalena, die 1701 in Zeitz mit dem Familiennamen Wilcke zur Welt kam über die Geburt Fannys 1819, Mädchenname Mendelssohn, bis zu Clara Schumann, geborene Wieck, Tod 1896. Drei farbige Linien ziehen sich über die Wände der Ausstellung, jede symbolisiert das Leben einer der Frauen. Es geht um die familiären Hintergründe, das gesellschaftliche Umfeld und die wichtigsten Künstlerbeziehungen der drei Musikerinnen sowie ihr Wirken. Verschiedene Zeitdokumente geben Aufschluss über das Leben der Frauen.

Die Quellenlage zu Anna Magdalena Bach ist jedoch dünn. Sie lernte den 16 Jahre älteren und verwitweten Kapellmeister Johann Sebastian Bachin Köthen kennen, wo sie als Hofsängerin großes Ansehen genoss. In der Ausstellung zu sehen ist das „Klavierbüchlein für Anna Magdalena“, das Johann Sebastian 1725 für seine Frau anlegte – ein rares Zeugnis. „Wir ärgern uns schon häufig über die dürftigen Quellen zu Bach, aber von seiner Frau ist nicht mal ein Porträt erhalten geblieben“, erzählt Wiese.

Fanny Hensel ist die ältere Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy

Über Fanny Henselist etwas mehr bekannt. Ihre Begeisterung für die Musik wurde durch ihre Mutter Lea Mendelssohn Bartholdy entfacht. Bereits als Jugendliche konnte sie viele Stücke auswendig auf dem Klavier vortragen – von Bach natürlich, 24 Präludien aus dem „Wohltemperiertem Klavier“ hatte sie im zarten Alter von 13 Jahren verinnerlicht. Für ihre spätere Hochzeit mit dem Maler Wilhelm Hensel komponierte sie selbst die Musik. Insgesamt elf Opera sind unter ihrem Namen erschienen sowie zahlreiche Lieder und Duette.

Die Lebenslinien der drei Frauen strukturieren die Ausstellung, die Auseinandersetzung mit Bach zieht sich als roter Faden durch ihre Biografien. Quelle: André Kempner

Clara Schumann wird heute als Komponistin und Klaviervirtuosin verehrt, zu Lebzeiten war sie teilweise sogar bekannter als ihr Mann Robert Schumann, auch wenn ihre Werke im 20. Jahrhundert in Vergessenheit gerieten. Bach gehörte zu ihren Lieblingskomponisten.

Sie waren Musikerinnen im Schatten berühmter Männer

Das Frau-Sein verbindet die drei natürlich auch, zumal das Komponieren und Musizieren zu ihren Lebzeiten als männliche Angelegenheit galt. Nicht alle Zeitgenossen nahmen den musikalischen Ehrgeiz der Damen ernst.

So fand die Karriere von Anna Magdalena Bach als Fürstliche Kammersängerin in Köthen – sie erhielt das dritthöchste Gehalt am Hof – ein jähes Ende, als ihr Mann sich aus beruflichen Gründen für einen Umzug nach Leipzig entschied, die Stelle des Thomaskantors wurde frei.

Fanny Mendelssohn erhielt als junge Frau Klavierunterricht bei Carl Friedrich Zelter, der einmal an Goethe schrieb, sie spiele „wie ein Mann“ – das höchste Lob für eine Frau zur damaligen Zeit. Ihr jüngerer und heute viel bekannterer Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy veröffentlichte zwar einige ihrer Kompositionen unter seinem Namen, riet ihr aber in Briefen davon ab, diese Tätigkeit weiter zu verfolgen, sobald sie anfing, Kompositionen unter ihrem eigenen Namen zu veröffentlichen. Dieser Schriftwechsel ist in der Ausstellung zu sehen, zudem kann das nachgestellte Zwiegespräch der Geschwister auch als Audioaufnahme abgehört werden.

Clara Schumann komponierte „ernst und tüchtig“ wie ein Mann

Das Porträt zeigt die 15-jährige Clara Schumann. Quelle: André Kempner

Claras Mann Robert ermuntertesie zwar zum Komponieren und Musizieren, erwartete von ihr jedoch zuerst Hausfrau und Mutter zu sein. Die Werke, die sie dennoch vollendete, erstaunten den mit Clara befreundeten Geiger Joseph Joachim so sehr, dass er kaum glauben konnte, „eine Frau könne so etwas componiren, so ernst und tüchtig“.

Die meisten Ausstellungsstücke sind Leihgaben des Schumannhauses in Zwickau, des Stadtgeschichtlichen Museums von Leipzig, des Stadtarchivs und der Musikabteilung der Staatsbibliothek Berlins. An verschiedenen Audiostationen können Besucher die Werke der drei Frauen hören.

Info:Die Ausstellung läuft noch bis zum 19. Januarim Bach-Museumgegenüber der Thomaskirche. Der Eintritt kostet 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Jeden 1. Dienstag im Monat ist der Eintritt frei.

Von Pia Siemer

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