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Kultur Regional Eels im Haus Auensee: Die heilige Rock-Dreifaltigkeit
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18:27 26.08.2019
Mark Oliver Everett und seine Band Eels im Haus Auensee. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Schon der Anfang – einfach vom Feinsten: Da schallt aus der Konserve das Titelthema aus „Rocky“ von der noch in fahlem Licht liegenden Bühne. Und natürlich erscheint auf der dann nicht der Boxer Rocky Balboa, sondern erwartungsgemäß der Musiker Mark Oliver Everett mit seinen drei Bandmannen. Allesamt lässig routiniert, gleich Kontrapunkten zur treibend kämpferischen Kinohymne. Welche die vier Herren dann indes ruck-zuck, schnell und hart auf die Bretter zu schicken beginnen – am Sonntag im Haus Auensee, wo Everett (schlicht als E bekannt) und seine Band Eels ein Konzert der Extraklasse geben.

Wuchtige Kombination

Eins, das mit einer wahrhaft wuchtigen Links-rechts-links-rechts-Jab-Kombination loslegt. Natürlich nur rein musikalisch (aber was zum Teufel heißt hier „nur“?). „Out in the Street“ von The Who ist jedenfalls der Song, der sozusagen „Rocky“ ausknockt. Und der sich gleichsam mit dem Schlammwasser wälzenden „Mississippi Delta“ (Bobbie Gentry) und dem sexy „Raspberry Berret“ des sexy Motherfucker Prince, zu einem Eröffnungsset irgendwie heiliger Rock-Dreifaltigkeit verfügt.

Rau, frisch und ungehobelt

Als ginge es darum, sich bei diesen Songs eine Art Energiezufuhr zu holen, etwas Spirit-Sprit zu tanken. Nicht, dass Eels das nötig haben, aber schaden tut’s ja auch nichts. Die Band heizt mithin den 1250 Fans im Saal gehörig ein, die für gut 100 Minuten ein Konzert geboten bekommen, das großteilig so rau, frisch und ungehobelt klingt, als wäre der gute alte Garagen-Rock eben erst erfunden worden.

Eels bleibt Eels

So, wie sich E samt Eels ja immer wieder mal neu erfindet; die Klangfarben seiner Musik von Platte zu Platte gern anders, auch mal überraschend neu mischt. Doch wie auch ein Chamäleon, egal welche Farbe es annimmt, immer ein Chamäleon bleibt, bleibt auch Eels immer Eels. Nicht, dass derartige Authentizität in der Kunst so selbstverständlich ist, wie in der Zoologie. Aber man muss das einfach hören, wie souverän selbstverständlich gerade auch zu diesem Konzert die Songs immer wieder mal im veränderten Ornat auftreten – und doch unverkennbar nach Eels klingen.

Tiefer gelegte Songs

Das lässt sich exemplarisch an „Novocaine for the Soul“ festmachen (einem Stück vom wunderbaren 1996er-Debütalbum „Beautiful Freak“), dessen einstige – freilich recht gespenstische – Beschwingtheit und Leichte, hier zum schwermütig schwerblütigen Mahlstrom gewandelt ist und wie Lava von der Bühne runter kocht. Und um obigen Garagen-Rock-Vergleich grad noch mal zu strapazieren: Insgesamt klingen die Songs hier so, als hätten Eels sie mit wenigen gekonnten Griffen getunt. Kerosin-kompatibler gemacht, tiefer gelegt, von Verzierungen befreit. Und auf sehr elektrisierende Weise elektrifiziert. Phantastisch wie hier selbst an sich schon druckvolle Nummern wie „Dog Faced Boy“ oder „Today Is The Day“ nochmal Gas geben. Und hört man diese robust rockigen und peitschend schartigen Gitarrenrock-Riffs, etwa beim famosen „Tremendous Dynamite“, möchte man glatt ein „God bless the Stratocaster!“ gen Himmel schicken.

Stilechter Rock’n’Roll-Catwalk

Dass Frontmann E, stoisch trotz Vulkanhitze in Jeansjacke und Hut verbleibend, dann auch noch charismatisch und unterhaltsam ist, macht die Sache rund. Dass er am Mikrofon immer wieder wie ein Schattenboxer tänzelt ebenso. Das Publikum ist „My Schatzi“ und die Bandmitglieder offenbaren sich zudem noch als Topmodels, denen man gar einen roten Teppich ausrollt, damit der Rock’n’Roll-Catwalk auch wirklich stilecht über die Bühne geht. Bis hin zu den Zugaben, die ein begeistertes Publikum unter anderem noch mit Brian Wilsons „Love and Mercy“ und den „Blinking Lights“ in die sternenblinkende Nacht schicken. Wie alles hier, so auch das Ende: einfach vom Feinsten.

Von Steffen Georgi

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