Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Ein Buch über die Gedanken von DDR-Kleinkünstlern vor 30 Jahren
Nachrichten Kultur Kultur Regional Ein Buch über die Gedanken von DDR-Kleinkünstlern vor 30 Jahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:31 10.09.2019
Michael Kleff. Quelle: Sandra Buschow
Leipzig

Nach dem Herbst ’89 und der deutschen Einheit ein Jahr später war es vor lauter Neuorientierung für viele Menschen schwierig, Wünsche, Vorurteile und die Wirklichkeit voneinander zu trennen. Die Bilder von der Zukunft waren verschwommen: Wie sie im Einzelnen ausgesehen haben, zeigt ein Buch mit Interviews aus dieser Zeit, das kürzlich der Linksverlag mit dem Titel „Kein Land in Sicht“ veröffentlicht hat. In der naTo liest einer der Herausgeber am Donnerstag daraus vor.

Eindrucksvolles Abbild

Der Journalist und Liederfreund Michael Kleff aus Bonn hatte zwischen 1990 und 1992 Liedermacher und Kabarettisten aus dem Osten über ihre Befindlichkeiten und Erfahrungen befragt. Nach 30 Jahren hat er all diese Auskünfte mit Hans-Eckardt Wenzel erstmals vollständig veröffentlicht. Damit ist ein eindrucksvolles Abbild dieses besonderen, politischen Moments der jüngeren deutschen Geschichte nacherlebbar gemacht worden. Für Kleff war das entstanden „in einer Phase der Transformation, der Suche nach einer eignen Identität“. In einem Moment des Taumels, wie Wenzel schreibt, „zwischen gesellschaftlich postuliertem Optimismus und Resignation“. Zusammengefasst sind in diesem Buch direkt wie auch indirekt die Wahrheiten und Überzeugungen jener Tage.

Freundlich, aber gönnerhaft behandelt

Unvermittelt fanden sich seinerzeit Liedermacher und Kabarettisten, kurz zuvor noch Leitfiguren, in einem geeinten Land wieder, in dem viele ihrer Erfahrungen nicht mehr viel galten. Wovon sollten sie nun singen oder erzählen? Ihre Mitmenschen im Westen waren keine Feinde mehr, aber gnadenlos überlegen. Norbert Bischoff sagte dazu, man behandle ihn und Seinesgleichen im Westen freundlich, aber gönnerhaft.

„Die Westler sollten mich beneiden“

So schnell ließen sich die älteren Kollegen allerdings nicht in Selbstzweifel treiben. Gina Pietsch sagte unmissverständlich: „Ich denke nicht daran, diese 40 Jahre meines Lebens hier als sinnlos erklären zu lassen, von wem auch immer.“ Peter Ensikat ging noch weiter: „Die Westler sollten mich beneiden“, schrieb er, „ich bin gezwungen, mal zurückzublicken und mal zu überlegen.“ Gisela Oechelhaeuser redete von den Brüchen in Biografien im Osten und lebte Kontinuität.

Selbstverständnis des Westlers war beim Kennenlernen der Ostler hinderlich

Bei der Lektüre fällt auf, dass das Selbstverständnis des Westlers beim Kennenlernen der Ostler hinderlich war. Michael Kleff tastete sich fragend an die ihm unbekannte Welt heran. Die Antworten auf Fragen wie „Was war ich? Was bin ich? Und was werde ich sein?“ waren unsicher. Und sie waren auch auf eine besondere Weise ehrlich. Das Prinzip Gerhard Gundermanns, Baggerfahrer und Liedermacher gleichzeitig zu sein, war dem West-Journalisten wohl eher fremd, wie auch das künstlerisches Prinzip „… ein bisschen vorneweggehen, auskundschaften und melden“, das an Volksarmee erinnert. Auch der Liedermacher Dieter Kalka konnte nur in der DDR entstehen. Der Leipziger Rebell, der mit Wildheit spielte und so die Genossen herausforderte. „… ich hatte mir das Stück Narrenfreiheit erkämpft, nachdem sie mich einmal verbieten wollten“, erinnert er sich. Er ist am Donnerstag in der naTo auf der Bühne mit dabei.

In dem Buch tauchen viele Gedanken und Überlegungen auf, die heute noch bewegen und den Unterschied von Ost und West markieren. Eine aufschlussreiche Veröffentlichung zum Stand der Deutsche Einheit, an der wir 30 Jahre später ja noch immer arbeiten.

Michael Kleff und Dieter Kalka, Donnerstag, 20 Uhr, naTo, Karl-Liebknecht-Straße 46, Eintritt 8/6 Euro. Das Buch „Kein Land in Sicht“ ist im Linksverlag erschienen.

Von Harald Pfeifer

Sie sind längst Maskottchen sächsischer Herzenseinfalt: Moni und Mann, alias Uta Serwuschok und Thomas Störel, im Leipziger Sanftwut-Kabarett. Am Sonntagabend hatte ihr neues Programm Premiere: „Lieber ein komischer Vogel als ein grauer Star“.

09.09.2019

Am Montag hat das Stadtgeschichtliche Museum in Leipzig eine Ausstellung über die tschechoslowakische Bürgerrechtsbewegung „Charta 77“ eröffnet. Die aus Prag stammende Schau wurde um einen neuen Teil über die Auswirkungen in Deutschland ergänzt.

09.09.2019

Mit Puccinis jugendlicher Messa di Gloria und Verdis altersweisen Quattro pezzi sacri starteten Chor und Orchester des Mitteldeutschen Rundfunks im Gewandhaus in die Saison 2019/2020. Am Pult liefen die Fäden bei Domingo Hindoyan zusammen.

09.09.2019