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Kultur Regional Ein Kalender zeigt, wo wichtige Literaten in Markkleeberg wohnten
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18:09 15.08.2019
Bernd Mühling hat die Wohnorte bekannter Literaten in Markkleeberg zusammengestellt, in der Karl-Liebknecht-Straße 14 wohnte Werner Bräunig. Quelle: André Kempner
Markkleeberg

„Eine Kleinstadt, an die Großstadt geklebt, bleibt auch dann Vorstadt, wenn man ihr die Selbstständigkeit bescheinigt“, schrieb Werner Bräunig in der Kurzgeschichte „Die Straße“ und meinte damit Markleeberg. Der in 1934 Chemnitz geborene und 1976 in Halle gestorbene Schriftsteller war mit der Stadt vertraut, denn er lebte zwischen 1961 und 1968 in einem gelben Backsteinhaus in der Markkleeberger Karl-Liebknecht-Straße 14.

„Seine wichtigsten Werke sind hier entstanden – auch der Roman Rummelplatz“, erzählt Bernd Mühling, der einen Kalender erstellt hat, der die Häuser von Schriftstellern und Literaten in Markkleeberg zeigt. „Markleeberg ist nicht nur eine Schlafstadt für Leipzig, hier gibt es viel Geschichte.“ Auf den Spuren von Bräunig begann seine Recherche, die er zusammen mit dem Kulturgeschichtlichen Verein Markleebergs durchführte.

Die SED organisierte eine Kampagne gegen Bräunig

Während seiner Schulzeit in Markleeberg hatte der 1949 in Magdeborn geborene Mühling den Autor selbst im Stadtleben gesehen. Zu DDR-Zeiten wurde Mühling Journalist, arbeitete später als Pressesprecher der Handelskammer. Erst als Rentner erinnerte er sich wieder an die Begegnung mit dem Autor. Ingrid Diestel vom Kulturgeschichtlichen Verein Markleebergs gab ihm den Tipp, dass Bräunig mehrmals an der Endhaltestelle der früheren Straßenbahnlinie 28 gesehen wurde – nur zwei Straßen von seinem damaligen Wohnhaus entfernt. Über eine ehemalige Mitschülerin fand Mühling zudem Kontakt zu Bräunigs Sohn Carl, der heute in Halle lebt.

Werner Bräunig lebte zwischen 1961 und 1968 in der Markleeberger Karl-Liebknecht-Straße 14, dort verfasste er auch seinen Roman "Rummelplatz". Quelle: privat/ Erbengemeinschaft Werner Bräunig

Bräunig ist vor allem wegen seines Romans Rummelplatz bekannt, der heute als wichtiges Werk der Nachkriegszeit betrachtet wird. Dieser brachte ihm jedoch eine Schmähkampagne durch die SED ein. Der gelernte Schlosser arbeitete Ende der 1950er Jahre bei der Wismut AG im Uranbergbau. Dort startete er seine ersten Schreibversuche und galt als schreibender Arbeiter bald als hoffnungsvolles Talent der DDR-Literatur. Gemeinsam mit Jan Koplowitz verfasste er den in der DDR populären Aufruf zur Bitterfelder Konferenz „Greif zur Feder, Kumpel“ und lebte als SED-Mitglied das Vorbild eines kultivierten Arbeiters vor. Es folgte ein Studium am Leipziger Literaturinstitut „Johannes R. Becher“, später auch eine Professur am Institut.

Honecker unterstelle Bräunig „schädliche Tendenzen“

Mit seinem ersten und einzigen Roman „Rummelplatz“ schrieb Bräunig jedoch nicht den von der DDR-Führung erhofften enthusiastisch überzeugten Arbeiterroman. Stattdessen spielt sich die Handlung in beiden Teilen Deutschlands ab, und die Protagonisten sowie deren Erfahrungen und Erlebnisse werden unbeschönigt dargestellt. Nachdem die Zeitschrift „Neue deutsche Literatur“ ein Kapitel aus dem Roman abdruckte, wurde er mit Vorwürfen überschüttet: Bräunig würde die Arbeiterklasse sowie die sowjetischen Genossen diskreditieren. Im Rahmen des elften Plenums des Zentralkomitees der SED im Jahr 1965 macht Erich Honecker auf die „schädlichen Tendenzen und Auffassungen“ einiger Künstler, unter anderem Werner Bräunig aufmerksam. Von den Anschuldigen erholte der Autor sich nicht und flüchtete sich immer weiter in die Alkoholsucht bis zu seinem frühen Tod mit 42 Jahren in Halle.

Neben Bräunigs Zeit in Markleeberg war für Mühling die größte Überraschung, dass der Literaturwissenschaftler Wolfgang Schadewaldt und der Philosoph Hans-Georg Gadamer das selbe Haus im Kastanienweg bewohnt haben. „Gadamer zog nur wenige Wochen nach Schadewaldts Auszug ein, die haben sich 1945 quasi die Klinke in die Hand gedrückt“, erzählt Mühling. Gadamer war zeitweise sogar der Dekan der Universität Leipzig, bevor er 1949 nach Heidelberg ging.

Momme Mommsen wurde in Markleeberg geboren

Bei Schadewaldt wiederum promovierte der 1907 in der Auenstraße 8 geborene Markkleeberger Momme Mommsen, der sich später in den USA als Literaturwissenschaftler einen Namen machte. Mommsen war ursprünglich als Dirigent und Musiker tätig. Da er jedoch nicht in die NSDAP eintreten wollte, verhinderten die Nationalsozialisten eine weitere musikalische Karriere. Nach Ende des zweiten Weltkrieges studierte er in Berlin, unter anderem bei Schadewaldt, und emigrierte mit seiner Frau in den 1970er Jahren nach Kalifornien.

Auch Erna Uhlmann, die sich selbst Irene nannte, und Chefredakteurin der Zeitschrift „Praktische Mode“ war, lebte südlich von Leipzig. Sie war auch Herausgeberin der teilweise in millionenfacher Auflage erschienen Bände der Kleinen Enzyklopädie „Gesundheit“, „Die Frau“ und „Das Kind“. Sie bewohnte ein Haus in der Südstraße, nur wenige Meter von Bernd Mühlings heutiger Wohnung.

App soll zeigen, wo Literaten wohnten

Am liebsten möchte Mühling zusammen mit der Stadt Markleeberg eine App entwickeln, die beim Spazieren durch den Ort, auf die Wohnhäuser der Literaten und Schriftsteller aufmerksam macht. Der nächste Kalender für das Jahr 2021 ist auch schon fast fertig. Dieser zeigt wo die Chefs der großen Leipziger Verlage in Markleeberg ihre Sommerhäuser gebaut haben.

Der Kalender vom Markkleeberger Sax-Verlag wird in der Tourist-Information in der Rathausstraße verkauft.

Von Pia Siemer und Anne Patzke

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