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Kultur Regional Ein Wermut namens Amor: Frank Schüller von Amor & Die Kids macht wieder Musik
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05:00 03.11.2017
Informatiker, Kindergeschichten-Erzähler, Musiker: Frank Amor Schüller. Quelle: Volly Tanner
Leipzig

Bei jeder gut geölten Festivität heutzutage, wo auch mit Musik aus Konserven euphorisiert wird, kommt es irgendwann zum Abspielen des ewigen Evergreens „Komm doch mit/ zu nem Ritt/ auf dem Sofa/ Uhhaaa ...“. Das gute Stück ist eine Leipziger Lerche und wurde Mitte der 80er von der hiesigen Beatband „Amor & Die Kids“ ins musikalische Weltgeschehen geworfen. Und tingelt seitdem in tausenden Fassungen.

Frank Amor Schüller, dereinst Frontier der Band, aus der dann später ein Tobias Künzel zu den Prinzen abwanderte, lebt heute mit seiner Frau in Knauthain und schreibt wieder Lieder. Nach dem immensen Erfolg der Amiga-LP „No more Bockwurst“ 1988 kam ein Jahr später eine Zäsur, auch in Musikerkreisen gern Wende genannt, die ihn erst einmal von den großen Bühnen verdrängte. Künzel machte mit Krumbiegel weiter und in A-cappella; Amor fand sich, wie so viele Ostrock-Helden, auf dem Amt wieder. Bis 1997 dann Loewenzahn/RUMrecords den Zweitling „Amoralisch“ mit teilweise fiessatirischen Liedern wie „Entblößer“ oder „Gashahn Blues“ verlegte. Danach tobten Amor & Die Kids noch ein bisschen als Coverband herum.

Seitdem ist es still gewesen. Frank Amor Schüller, in Dresden studierter Informatiker, ging zurück zu seinen Leisten und arbeitete für ein Telekommunikationsunternehmen – im ganzen neuen Land und bis in höhere Projektkoordinatorenetagen. Kulturell gab er sich ganz vorne keine Blöße: „Da gab es erst mal nichts. Außer, dass ich ab und an am Klavier ein paar Lieder für die Schublade gemacht habe, um etwas fit im Kopf zu bleiben. Dann hab ich allerdings angefangen, Kinderbücher für meine Enkelkinder zu verfassen. Die sind aus Gute-Nacht-Geschichten entstanden, die ich ihnen so aus dem Stegreif erzählt habe.“ Mittlerweile sind zwei davon in einem Internetverlag erschienen und weitere in Arbeit. „Das macht richtig Spaß, und man muss genau aufpassen, wie man die Geschichten schreibt. Kinder sind sehr kritisch.“

Im Hintergrund schraubt Amor an Reglern und Liedern

Doch momentan scharrt Amor wieder mit den Füßen, der Mann, der seinen Künstlernamen einer Spirituose verdankt: „Bei der Suche nach einem Namen für die Combo damals – es war schon etwas später geworden – stand ein Wermut-Getränk des VEB Gotano mit der Bezeichnung ,Amor’ auf dem Tisch, dem ich wohl ziemlich zusprach. Schon hatte ich meinen Titel weg. Die ,Kids’ erklären sich von selbst: Sie waren halt einige Jahre jünger als ich.“ Im Hintergrund schraubt er nun an Reglern und Liedern. Diesmal nicht für sich und seine Band, sondern Sarah Merseburger, sonst Sängerin der Band „Sarah and the Beatboyz“. Für sie bugsiert Schüller gerade das Solodebüt „BeziehungsWaisen“ in die Welt.

Axel Kurde, Manager der Beatboyz, hatte ihm ein 40-Sekunden-Video mit der neuen Sängerin gezeigt. „Es machte Klick, und ich meinte, sie sollte doch mal eigene Titel singen. Daraufhin sagte er trocken: Dann schreib ihr doch welche.“ Zum Treffen mit Sarah Merseburger brachte Frank Amor Schüller ein paar Texte mit. „Die zugehörigen Melodien hatte ich in etwa im Kopf“, erzählt er. Ihr gefiel das. Mit einigen Gastmusikern und Arrangeur Andreas Kurde, Axels Bruder, produzierten sie in dessen „BedRoomStudio“ Stück für Stück.

Amor, mittlerweile im siebten Lebensjahrzehnt, lächelt viel. Er weiß, was er kann, und wirkt entspannt. Und irgendwie ist da auch immer wieder dieser Lausbub, der in Dresden anarchistisch mit dem Tanz- & Schauorchester die Szene umpflügte – und der mit den „Kids“ für ausgelassenes Feiern sorgte. Mit ganz viel Liebe zum Detail.

Von Volly Tanner

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