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Kultur Regional Ein bisschen Köln in Leipzig: Fortuna Ehrenfeld
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21:31 25.11.2018
Fortuna Ehrenfeld in der Moritzbastei. Quelle: André Kempner
Leipzig

Wer am Freitagabend gegen acht in der Moritzbastei aufschlägt, hat die Qual der Wahl. Gleich drei Konzerte finden parallel statt. Warum? „Weil wir’s können“, grinst Torsten Reitler von der MB in selbige hinein. Und so spielt also The Black Muse in der Ratstonne Harfe, macht Tomas Tulpe im Oberkeller Quatsch und spielt Fortuna Ehrenfeld in der Veranstaltungstonne ein – ja, was eigentlich? Ein Hipster-Happening? Eine Mitgröl-Ironie? Eine Parodie einer Parodie? Pop-Art? Oder am Ende gar ein Konzert? „Popmusik für Erwachsene“, wie sie angekündigt war, ist es jedenfalls nicht, was da von rund jungen 50 Menschen „hart abgefeiert“ wird, wie man heute so sagt.

Es klingt anders

„Wir wollen anders klingen“, hat Martin Bechler, Kopf und Herz von Fortuna Ehrenfeld, einen seiner Leitgedanken für die Band im Deutschlandfunk-Interview beschrieben, als im letzten Sommer das zweite Album „Hey Sexy“ erschien. Dagegen ist natürlich erstmal nichts zu sagen, ganz im Gegenteil. Dudeliger Einheitsbrei quillt wahrlich genug aus den Boxen landauf landab. Und das Album klingt auch ungewöhnlich, widerspenstig auch. Eigenartige Texte, oft nur einzelne Zeilen stehen zumeist im Mittelpunkt, darum klampft und blubbert es angenehm. Live und in Farbe allerdings verkommt dieses Anders-Klingen-Wollen zum hohlen Anders-Sein-Wollen um seiner selbst.

Welten prallen aneinander ab

„Wir sind noch ein junges Unternehmen“, kündigt der Rotwein trinkende, nicht besonders junge Bechler auf der Bühne seine Band an. Er trägt Krallen-Hausschuhe und Unfrisur zum karierten Schlafanzug. Jenny Thiel strahlt freundlich vom Keyboard rüber, Schlagzeuger Paul Weissert tanzt zu Beginn noch steif Walzer mit dem E-Bass. Das Publikum johlt, wenn Bechler zur Flasche greift oder grölt seine Zeilen mit. Diese raspelt er mehr, als dass er sie singt, in eine Art Kneipen- oder Seemannslied hinein, rau und zart zugleich. Zwischendurch schwurbelt die Band über Synthieflächen, Geisterbahngezische und Laserpistolengepiepse in belanglose Instrumentalpassagen weg, deren Krach allzu Liedermacherhaftes kontrastiert. Positiv ausgedrückt. Man könnte auch sagen: Zwei Welten prallen aneinander ab. Hier wird das „Zuweitmädchen“ bejammert, da „Ich wünsche mir einen Rapper mit Tourette-Syndrom!“ gebrüllt. Äh, ja.

Wirklich schöne und schön doofe Textideen

Martin Bechler ist Ende 40, verspricht aber ein „episch geiles Konzert“. Außerdem erzählt er ständig, was die Band bei Facebook, Instagram und Spotify so treibt, während man auf seiner leeren Website liest: „das ganze virale jeschisse und einpflegen und tralala geht uns auf den SACK!“ Wenn es hier so scheinheilig zugeht, wie soll man dann mit Bechlers poetischen Herzensausschüttungen oder ehrlich wirkenden Sea-Watch-Geschichten umgehen? Und wie sich an seinen wirklich schönen oder jedenfalls schön doofen Textideen erfreuen? „Ich war der Zahnarzt von Darth Vader, ich hatte immer gut zu tun“ oder „Zwei rosa Elefanten stehn für uns bereit. Der eine spielt Trompete, der andere stoppt die Zeit.“ Muss man auch erstmal drauf kommen. „Glitzerschwein“ und „Arsch am Meer“ sind kleine Hits, ob nun Schlager oder NDW oder Punk, spielt keine Rolle – nächstes Mal gehen wir ins Harfenkonzert. Ist vielleicht mal was anderes.

Von Benjamin Heine

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