Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Eine Hommage an Wolfgang Hilbig in der Musica Nova im Gewandhaus
Nachrichten Kultur Kultur Regional Eine Hommage an Wolfgang Hilbig in der Musica Nova im Gewandhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:26 05.12.2019
Der Schriftsteller Wolfgang Hilbig (1941–2007) Quelle: Boris Roessler/dpa
Leipzig

Im Rückblick sieht man nicht unbedingt besser, aber aus einer anderen Perspektive. Insofern war das Musica-Nova-Konzert im Mendelssohn-Saal auch als Hommage für Wolfgang Hilbig (1941–2007) ein spannender Anlass. Ganz ohne Jubiläumsdruck. Allerdings starb Steffen Schleiermachers Lehrer Georg Katzer (Jahrgang 1935) am 19. Mai und konnte deshalb die Aufführung seines Werks am Mittwochabend nicht mehr besuchen konnte.

Später Triumph

Nach der Pause erklingt die letzte der drei Fassungen seiner „Fabbrica abbandonata“ (Die verlassene Fabrik). Entstanden auf einen Text Hilbigs, der eine poetische Topographie der DDR entwarf: Ein Gang durch die Dämmerung der Menschen und Maschinen – grau, drückend, in greller Düsternis zermalmend und damit fast neo-expressionistisch. Johannes Gabriel spricht das eher singend als geschärft. Schleiermacher dirigiert im roten Sakko Ensemble Avantgarde und Sonar Quartett, was zuerst irritierend, doch dann logisch wirkt. Denn der Abend wird zum späten Triumph sozialistischer Dialektik: etwa in der Spiegelung von Katzers Werk am Vorbildstück, Luigi Nonos „La fabbrica illuminata“ (Die erleuchtete Fabrik, 1964) für Tonband und Sopran. Nono feiert das Ideal einer klassenlosen Gesellschaft. Katzer und Hilbig dagegen paraphrasierten den Niedergang des Sozialismus. Doch insgeheim zerbirst Katzers Neufassung aus dem Jahr 2010 vor auskomponierter illustrativer Energie und vor sekundärer Freude darüber, dass es in der Tonproduktion derart materialistisch zugehen kann. Expression dient hier als Bestätigung und wird von beeindruckter Zustimmung aus dem diesmal nicht sonderlich gut gefülltem Saal umgeben.

Jede Silbe Hilbigs ist zu verstehen

Katzer, aber auch Schleiermacher und der für die Aufführung gleich dreier Stücke anwesende Helmut Zapf (geb, 1956) sind nicht zurückhaltend mit ihren vokalen Anforderungen. Caroline Melzer bringt hier die Kompetenz für ihre beiden Repertoire-Schwerpunkte Operette und Neue Musik souverän ein. Bei den ihr ständig abgeforderten hohen Schwelltönen und den vielen gesprochenen, teils geschrienen Stellen wogt ihr Oberkörper wie Schilf in Wind, wirft sie in der kräftigsten Expression mit noch immer gesund blühenden Tönen um sich. Außerdem ist jede Silbe Hilbigs zu verstehen. Dies zeigt sich schon am Beginn in Zapfs „Rechenschaft“ für Sopran und Saxophon, bei dessen Einsätzen Annegret Tully zu große Lautstärke vermeidet.

Theatral anspringende Bilder

Schleiermachers Lieder gewinnen aus der Beschäftigung mit dem Liedschaffen Hanns Eislers gültige Maximen fürs gestisch vokale Agieren. Die Hommage an Wolfgang Hilbig, den „Heizer aus Meuselwitz“ mit den „DDR-üblichen Schwierigkeiten“ (so Schleiermacher), ist insgeheim auch eine Verherrlichung narrativer Strukturen, Selbst wenn Hilbig diese nicht gehabt hätte, würde seine Poesie noch strotzen von theatral anspringenden Bildern.

Musikalischer Materialismus

Auch von musikalischer Poesie, wie Zapf in „Wenn der Winter kommt“ und „Leer und still und ...“ für Flöte und Gitarre (letzteres auch mit Sopran) bestätigt. Ralf Mielke und Martin Steuber lassen an diesen Soloinstrumenten wissen, dass es im musikalischen Materialismus längst nicht so schlecht zugeht, wie es das Nachwende-Feindbild will. Es wäre interessant zu erfahren, ob sich Hilbig über diese Aufnahme unter die vertonten toten Dichter gefreut hätte. Gefreut haben sich auf alle Fälle die Zuhörer. Nachdrücklicher Applaus.

Musica Nova wieder am Mi 29. Januar mit Kammermusik von Paul Dessau

Von Roland H. Dippel

Lokales Rekordbilanz und Ausblick der ZSL-Gesellschaft Diese Stars kommen 2020 nach Leipzig

Fans von Metal bis Schlager kommen 2020 auf den großen Leipziger Konzertflächen auf ihre Kosten: Rammstein, Die Ärzte, Simply Red und Roland Kaiser spielen in der Arena, dem Stadion oder auf der Festwiese. Natürlich noch viele mehr – unter anderem ein Altgedienter, der fast immer dabei ist.

04.12.2019
Kultur Regional Bühne für Kinder und Jugendliche in Grünau Märchen mit feurigem Abgang im Theatrium Leipzig

Das Theatrium Leipzig bietet in der Weihnachtsmärchen-Saison einen echten Klassiker aus dem Hause Grimm: „Hänsel und Gretel“ hat Regisseurin Kathrin Großmann mit einer Menge Humor garniert.

04.12.2019

Der MDR zieht die Reißleine und zeigt keine Sendungen mehr mit Uwe Steimle. Der Schauspieler und Kabarettist war zuvor mehrfach mit rechten Äußerungen aufgefallen. Auch die Sendung „Steimles Welt“ wird ab 2020 nicht fortgesetzt.

04.12.2019