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Kultur Regional Enno Bunger singt von Trauer und Glück
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14:39 17.10.2019
Inbrünstig und intensiv: Enno Bunger am Mittwoch in Leipzig. Quelle: Kempner
Leipzig

Nicht selten führt die künstlerische Verarbeitung von persönlichen Schicksalsschlägen zu großartiger Musik. Das gilt auch für den ostfriesischen Klavierpoeten Enno Bunger. Bunger hat es besonders schwer getroffen. So hat er Ende 2017 nicht nur Lena, die Frau seines besten Freundes und Schlagzeugers Nils Dietrich, durch Leukämie verloren, sondern auch seine eigene Freundin Sarah Muldoon erkrankte danach an Krebs. Diese Ereignisse hat Enno Bunger auf seinem neuen Album „Was berührt, das bleibt“ verarbeitet. Folgerichtig steht dann auch Bungers mittlerweile vierter Longplayer im Fokus des Konzerts am Mittwoch im gut gefüllten Werk 2.

Umgang mit dem Thema Tod

Wer jetzt allerdings einen durch und durch traurigen Auftritt erwartet, sieht sich schon bald getäuscht. Denn Enno Bunger hat nicht nur durch seine Musik zu einem lebensbejahenden Umgang mit den Themen Tod, Trauer und Krankheit gefunden. Im hilft auch sein selbstironischer Humor, der immer wieder im grundsympathischen Schnack mit dem aufmerksamen Publikum durchscheint. So berichtet Bunger lächelnd von einer kritischen Rezension zu seinem neuen Werk, in der ihm zu viel Pathos vorgeworfen werde, worauf er entgegnet: „Wer den Tod zu pathetisch findet, hat das Leben nie geliebt.“

Verzweiflung und Lebensfreude

Gelegentlich strahlt Bungers Auftritt auch Traurigkeit aus, die sich im anklagenden „Glaube an die Welt“ manifestiert: „Worauf soll man bauen, wenn man sein Grundvertrauen verliert?“ fragt Bunger dort verzweifelt. Jedoch überwiegt an diesem Abend die Lebensfreude. Das spiegelt sich sowohl in der Aussage des 32-Jährigen wider, dass die größte Scheiße der beste Dünger für Kunst sei, als auch in der Tatsache, dass seine inzwischen geheilte Freundin bei zehn Songs von „Was berührt, das bleibt“ mitgeschrieben hat. Dieser Zusammenhalt vermittelt sich vor allem im vielleicht stärksten Stück der aktuellen Platte, dem melodisch wie lyrisch anrührenden „Stark sein“.

Statement gegen Fremdenfeindlichkeit

Positive Zeichen setzen auch ältere Lieder des bekennenden Werder-Bremen-Fans. So wird besonders das bereits als zweiter Song gegebene und von Bunger augenzwinkernd „als mein persönliches ‚Mambo Nr. 5’ angekündigte „Regen“ lautstark bejubelt. Das dramatisch anschwellende „Renn!“ und der in ein episches Finale mündende Monolith „Hamburg“ hinterlassen ebenfalls einen nachhaltigen Eindruck. Die größten Emotionen ruft an diesem Abend aber das sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Gleichgültigkeit wendende sowie für Engagement und Empathie plädierende „Wo bleiben die Beschwerden?“ hervor. Beinahe nicht enden wollender Applaus schließt sich an den zweifellos wichtigsten Song des Auftritts an, dem Bunger den Appell „Kein Platz für Sexismus, Rassismus und Antisemitismus. Nazis raus!“ folgen lässt.

Zwei Stücke solo am Klavier

Überhaupt hört das Publikum im Werk 2 derart gebannt und ergriffen zu, dass der Künstler gar keine andere Wahl hat, als zur Zugabe mit „Am Ende des Tunnels“ und „Scheitern“ gleich zwei seiner Stücke solo am Klavier darzubieten, von denen eigentlich nur eines vorgesehen war.

Kein Wunder also, dass die Leipziger Besucher ein herzerwärmendes Konzert erleben, dessen Essenz Bunger mit einem Zitat von Roger Willemsen auf den Punkt bringt: „Wir können das Leben nicht verlängern, aber wir können es verdichten.“

Von Dirk Hartmann

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