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Kultur Regional Entdeckungen und Überraschungen in Spinnerei und Tapetenwerk
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21:56 28.04.2019
Hans Aichinger und Matthias Kanter zeigen „3/4 verstanden“ in der Galerie Reiter auf dem Spinnereigelände in Leipzig. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Nach frühsommerlicher Wärme ziehen ausgerechnet zum Rundgangs-Wochenende Wolken auf, die Temperatur fällt. Die Besucher des Tapetenwerkfestes, das am Abend des Freitag traditionell den Auftakt für den Rundgang bildet, störten sich nicht am zeitweiligen Getröpfel.

Wie immer geht es hier etwas familiärer, gemütlicher zu als in der riesigen Spinnerei. Musik von „Funkophon“ liegt ebenso in der Luft wie der Duft frisch zubereiteter Suppe. Zu sehen gibt es mengenmäßig nicht ganz so viel, aber in der Qualität nicht unbedingt schlechter. Zum Beispiel in der noch jungen Galerie Jahn. Sie stellt mehrere Künstler vor, darunter Kay Schwarz, einen der wenigen namentlich bekannten Leipziger Streetartisten mit starkem und unverwechselbarem Profil.

Rund 12 000 Besucher sind am Wochenende zum Galerien-Rundgang in die Spinnerei gekommen. Einige Ausstellungen haben schon vor drei Wochen eröffnet, doch es gab auch Neues zu entdecken.

Für dieses eine Wochenende verwandeln sich auch Architekturbüros, Fotostudios oder eine Druckerei, in der es noch richtige Setzkästen gibt, in temporäre Ausstellungsräume. Das können eigene Produktionen sein oder die von Freunden. Auch im Projektraum des Künstlerbundes findet man Positionen von einigen Mitgliedern des Verbandes.

Hier ist die deutsche Einheit Wirklichkeit

In Halle C01, dem größten Kunstraum des Geländes, sind diesmal Arbeiten von Studenten zweier Hochschulen zu sehen. Es sind die Klassen von Carsten Nicolai an der HfBK Dresden und der von Eberhard Havekost an der Kunstakademie Düsseldorf. Von Malerei bis Installation und Performance sind etliche Sparten vertreten.

Die deutsche Einheit scheint in dieser Generation Wirklichkeit geworden zu sein, indem die aus Ost und West Weltkunst ohne regionalspezifische Merkmale machen. Schade, dass die Schau am 29. April schon wieder endet (11 bis 16 Uhr, Lützner Straße 91).

Alles schon gesehen?

Am Sonnabend ging es dann auch in der Spinnerei so richtig los. Korrekter gesagt: Für die meisten Galerien ging es schon vor drei Wochen mit neuen Präsentationen los, um zahlungskräftigen Sammlern eine ruhigere Umgebung für ihre Einkaufstour zu bieten.

Nun, parallel zum Berliner Gallery Weekend, folgt das massentaugliche Event. Dass die Massen diesmal etwas dünner ausfallen – das Management der Spinnerei schätzt 12.000 Besucher – liegt nicht allein am nicht so ganz optimalen Wetter. Viele Interessenten haben eben die meisten Ausstellungen schon gesehen.

Aber garantiert nicht alle. Wie immer haben viele der annähernd 100 Künstler in der Spinnerei die Ateliers geöffnet, darunter auch solche mit schon bekanntem Namen wie Katrin Heichel in privilegierter Lage direkt neben dem Residenzprogramm LIA.

Dort gibt es wie üblich in der Spring Group Show frische Arbeiten von jungen Leuten zu sehen, die hier für einige Monate unter recht spartanischen Bedingungen leben und arbeiten, dabei aber nicht nur das Umfeld, sondern auch die Gruppendynamik genießen. Ein skandinavischer Schwerpunkt ist diesmal nicht zu übersehen.

Stoff für Auseinandersetzungen

Die älteste der noch existenten Spinnerei-Kunstinstitutionen, die Produzentengalerie B2, hat es sogar geschafft, eine neue Schau zu organisieren. Die Kölnerin Doris Frohnapfel zeigt hier Fotos, Installationen und ein Video. Die Arbeiten hängen zusammen, sind während eines Stipendienaufenthaltes in einem Istanbuler Stadtteil entstanden, der nicht zu den privilegierten der türkischen Metropole gehört.

Das Schwergewicht unter den erst seit Wochenende zu sehenden Ausstellungen ist „Vergessene Aufklärungen“ in Halle 14. Das Kuratorenteam Michael Arzt, künstlerischer Leiter von Halle 14, und Elham Khattab aus Kairo hat 16 Kunstschaffende ausgewählt, die sich in ihren Arbeiten mit „unbekannten Geschichten über den Islam in der zeitgenössischen Kunst“ auseinandersetzen.

Wie üblich für die Institution ist es keine leichte Kost, die man beim volksfestartigen Rundgang mal schnell nebenbei konsumiert. Und es ist ein Stoff, der auch beim sogenannten Bildungsbürgertum für Auseinandersetzungen sorgen kann.

Verständnis von Weiblichkeit

Den Rundgang kann man aber auch nutzen, um die neue Spielstätte des Leipziger Off-Theaters Lofft in der frisch sanieren Halle 7 zu besichtigen. Oder in manchen Galerien vorbeizuschauen, die man vielleicht bisher übersehen hat. Zum Beispiel „SheBam“, wo Laeticia Gorsky – früher bei der unterdessen hier nicht mehr anwesenden Galeri Dukan beschäftigt – es sich bei sehr beschränktem Platz zum Ziel gesetzt hat, weibliche Positionen gezielt in den Vordergrund zu rücken. Im Moment ist das Maria Schuhmacher, geboren in Rumänien, die an der HGB bei Ottersbach und Rauch studiert hat.

Ebenfalls aus Rumänien kommt die gegenwärtige Gastgalerie Anca Poterasu. Sie zeigt ein Video, Objekt und Foto von Larisa Crunteanu. Ihr geht es auf noch intensivere Weise um ein feministisches Verständnis von Weiblichkeit.

Der Intershop Interdisziplinaire hat sich unter Regie Luise Walleneits vom Laden zur Galerie gewandelt. Gegenwärtig ist dort konstruktivistisch anmutende Kunst des Dresdeners Jean Kirsten zu sehen.

Abstecher ins nahe Kirow-Werk

Und schließlich lohnt sich der Abstecher ins nahe Kirow-Werk am Ende der Spinnereistraße. Noch bis Ende Juni sind dort mehrere Arbeiten des Schweizer Duos Fischli & Weiss zu sehen, kuratiert von der Leipziger Fotografin Margret Hoppe.

Dazu gehören mehrere Fotos, vor allem aber die auf Baudelaire anspielende Dia-Projektion mit Blumenbildern und zwei Filme. In „Der geringste Widerstand“ von 1981 haben sich die Künstler als Ratte und Bär verkleidet, um einen Kriminalfall aufzuklären.

Ein Rundgang mit Rekordzahlen von Besuchern war das nicht, was aber garantiert nicht am Angebot lag.

Von Jens Kassner

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