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Kultur Regional Eröffnungs-Pressekonferenz mit Intendant Michael Maul und den Partnern des Festivals
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14:03 14.06.2019
Leipzig im Zeichen des größten aller Thomaskantoren: Es ist wieder Bachfest. Quelle: Sebastian Willnow/dpa
Leipzig

An der Spitze ist alles wie gehabt: Die meisten ausländischen Gäste begrüßt das gestern eröffnete Leipziger Bachfest unter dem Motto „Hof-Compositeur Bach“ aus den Vereinigten Staaten. 1171 Karten wurden auf der anderen Seite des Atlantiks gebucht – Einzelkarten, die Kontingente der Reiseveranstalter sind da noch nicht eingerechnet. Auf Platz zwei stehen die Niederlande (624), es folgen Japan (559), Australien (470), d

Quelle: Bachfest-Intendant Michael Maul. Foto: Sebastian Willnow/ZB/dpa

ie Schweiz (436), Großbritannien (431). Und dann bereits das Land, das Intendant Michael Maul zum „Newcomer des Jahres“ erklärt: Kolumbien. 370 Bachfreunde machten sich auf den weiten Weg nach Leipzig – darunter eine Delegation des Kolumbianischen Musikfestivals, das im kommenden Jahr ebenfalls im Zeichen Bachs steht. Gäste aus 44 Nationen sind zu Beginn des Festivals bereits dokumentiert als Käufer einiger der insgesamt 45 200 angebotenen Tickets, 36 000 davon für Eigenveranstaltungen, der Rest entfällt auf Partner wie das Gewandhaus, die Oper, das Mendelssohn-Haus (das zum Bachfest bereits täglich um 9 Uhr seine Pforten öffnet, das Schumann-Haus ...

„Einfach der größte Komponist aller Zeiten“

Ton Koopman, Dirigent, Organist, Cembalist und seit diesem Jahr auch Präsident des Bach-Archivs, weiß den Grund für die internationale Anziehungskraft des Festivals: „Johann Sebastian Bach ist einfach der größte Komponist, den es je gegeben hat.“ Sein Freund Klaus Mertens, der heute die Bachmedaille der Stadt Leipzig erhält

Ton Koopman. Quelle: Andre Kempner

und wie Koopman dem Festival seit vielen Jahren verbunden ist hakt nach: „Mehr fällt dir dazu nicht ein?“. „Nein“, sagt Koopman, und Mertens schließt den Dialog mit einem sonoren „Amen“.

„Die normalste Sache der Welt“

Im Grunde ist damit für den geneigten Bachianer tatsächlich das Wichtigste zur Musik Bachs gesagt. Denn ohne ihre schiere Größe ist nicht zu erklären, dass Menschen aus aller Welt sich in Kirchen setzen, um Kantaten zu lauschen, deren barocke Texte auch für moderne Deutsche unverständlich bis befremdlich sind – da kann Thomaskantor Gotthold Schwarz noch so oft betonen, für seine Jungs, seien diese Texte „die normalste Sache er Welt“. Also durchziehen auch den aktuellen Jahrgang wieder zahlreiche Kantaten, denn auch bei Hofe und für Höfe komponiere Bach geistliche Werke, darunter einige seiner populärsten.

Weimarer Kantaten-Ring

Im gestrigen Eröffnungskonzert in der Thomaskirche kombinieren Schwarz, seine Thomaner und das Freiburger Barock-Orchester „Unser Mund sei voll Lachens“ mit der darin aufgegangenen D-Dur-Ouvertüre BWV 1068 und Marc-Antoine Charpentiers prachtvollem „Te Deum“. Das kommende Wochenende steht ganz im

Thomaskantor Gotthold Schwarz Quelle: Andre Kempner

Zeichen der Kantaten, die Bach in seiner Zeit am Weimarer Hof komponiert hat – eine Art Echo auf den spektakulären Kantaten-Ring, mit dem das Bachfest 2018 alle Rekorde sprengte.

Aufführungspraktische Möglichkeiten

Damals lag der „Ring“ in den Händen der internationalen Granden der Bach-Pflege. „In diesem Jahr setzen wir“, sagt Michael Maul, „bewusst auf Kontraste, um die ganze enorme Breite der aufführungspraktischen Möglichkeiten unserer Zeit abzudecken“. Dass auch dabei die Thomaner eine maßgebliche Rolle spielen, versteht sich von selbst.

Fiats Stradivari der Unteren Mittelklasse

Am andere Ende des Festivals steht dieses Wochenende, das das Bachfest den Leipzigern traditionell zum Geschenk macht: Drei Tage lang gibt es auf der nun „Bach-Stage“ genannten Bühne auf dem Markt Musik aller Genres, jeweils mündend in die drei Haupt-Acts: Am Freitagabend der wunderbare Jazz-Pianist Michael Wollny mit seinem Trio, heute, Samstagabend (ab 20.30 Uhr) ist sein New-Yorker Kollege, der Crossover-Jazzer Uri Cane, mit seinem Septett zu Gast. Und morgen, Sonntag, ebenfalls ab 20.30 Uhr, präsentiert der Perkussionist Christian von Richthofen gemeinsam mit Freunden und Gästen sein spektakulär abgefahrenes Programm „AutoAuto – Bach driving crazy“. Sein Hauptinstrument an diesem Abend: ein roter Fiat Tipo. Maul: „Die Stradivari unter den Kraftfahrzeugen der unteren Mittelklasse“. Der rückt er mit dem Schlagzeug-Besteck zu Leibe, aber auch mit härterem Material vom Vorschlaghammer bis zur Flex – mit verblüffend filigranen musikalischen Ergebnissen.

15 Minuten vorher Tickets für 15 Euro

Das Angebot auf dem Markt ist für Besucher kostenfrei, gleiches gilt für die Bachspiele in der Osthalle des Hauptbahnhofs und die vielen Gottesdienste mit Musik. „Dass unsere Preise bei den Hauptkonzerten für viele Leipziger jenseits der Schmerzgrenze liegen, ist uns bewusst“, räumt Maul ein. Darum bietet das Bachfest zu ausgewählten Konzerten Last-Minute-Tickets an: 15 Minuten vor Konzertbeginn gibt’s Karten für 15 Euro. „Was man“, sagt Maul angesichts von normalen Kartenpreisen bis deutlich über 100 Euro, „durchaus als Schnäppchen bezeichnen kann“.

www.bachfestleipzig.de

Von Peter Korfmacher

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