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Kultur Regional Eros Ramazzotti rockt auf seiner Vita-ce-n’è-Tour die Arena Leipzig
Nachrichten Kultur Kultur Regional Eros Ramazzotti rockt auf seiner Vita-ce-n’è-Tour die Arena Leipzig
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15:51 12.04.2019
Eros Ramazzotti in der Arena Leipzig. Quelle: Kempner
Leipzig

Vita ce n’è“ heißt so viel wie „Da gibt es Leben“. Es ist der Titel des im Herbst erschienenen letzten Albums des Italo-Superstars Eros Ramazzotti und gab dessen aktueller Tour den Namen. Am Donnerstagabend führte sie ihn in die mit knapp 6000 Fans gut besuchte Arena Leipzig, und sie ist anders. Weil das Album anders ist und auch der Eros ein anderer. Viele seiner Texte waren immer schon tiefgründiger, als das Klischee es wahrhaben wollte – das er dennoch gern und gekonnt bediente: sole e amore. Was der deutsche Fan so hören will, wenn ein Italiener ihm was vorsingt.

Der italienische Sänger Eros Ramazotti am 11. April in der Arena Leipzig.

Der reife Eros

Doch sole e amore spielen auf „Vita ce n’è eine untergeordnete Rolle. Oder besser: eine andere. Die Sonne strahlt in Zeiten des Klimawandels nicht nur in Süditalien etwas zu kraftvoll, und die Liebe, von der der reife Eros, der engagierte Cantautore da singt, hat nicht diese Sabrina im Blick oder jene Filomena, sondern die ganze Welt und das Leben. Dieser Liebe und dieser Sonne gehört der preußisch pünktliche Beginn des Arena-Konzerts. Der Titelsong, übrigens durchaus auch als klassisches Liebeslied lesbar, macht den Anfang. Dazu umrundet auf der grandios brillanten 3-D-Projektion ein Wal ausdauernd den wunden Planeten. Bei „Per il resto tutto bene“, „Ansonsten ist alles gut“, weicht er der magischen Illusion einer Waldlichtung, die Eros Ramazzotti, der hier noch die stilistisch bedenkliche Fransen-Lederjacke trägt, in strahlendes Sonnenlicht hüllt. Und im schreienden Widerspruch steht zu den Worten, die von einer Welt erzählen, die uns in Fetzen um die Ohren fliegt. Die wir dringend neu ordnen müssten. Die uns die Zähne zeigt wie ein Hund, den man nicht unter Kontrolle halten kann, weil er immer Hunger hat.

Die Dringlichkeit des Rock

Gute Songs sind das, auf der Bühne noch besser als auf dem Album, weil die achtköpfige Band, die Eros Ramazzotti da um sich versammelt hat, ihnen die Gelacktheit aus dem Niemandsland des Pop austreibt und sie ersetzt durch die Dringlichkeit des Rock. Und sie inspiriert auch den Star der Show: Eros Ramazzotti singt und brüllt und raspelt und haucht und faucht und bellt sich die Seele aus dem Leib. Die 55 Jahre merkt man seiner wie eh und je hellen und beweglichen Stimme nicht an. Überhaupt hat die Zeit, sieht man ab vom Silberhaar und dem leichten Bäuchlein, das da das schwarze T-Shirt ein wenig spannt, keine nennenswerten Spuren hinterlassen. Del resto tutto bene eben. Kaum zu glauben, dass dieser Sänger bereits seit mehr als dreieinhalb Jahrzehnten im Geschäft ist.

Überflüssige Sitze

Doch natürlich sind viele auch und vor allem wegen dieser dreieinhalb Jahrzehnte im Saal. Sie nehmen gern die Lieder mit Botschaft. Aber noch lieber haben sie die alten Hits, von denen Ramazzotti im Laufe seiner Karriere so viele geschrieben hat, dass er einige von ihnen in Medleys packen muss, um wenigstens die allerwichtigsten in den fast genau zwei Stunden unterzubringen, die sein Leipziger Konzert dauert. Drum springt er bereits mit dem dritten Titel des Abends ein gutes Vierteljahrhundert zurück: „Favola“, Märchen, die uralte Geschichte vom verliebten Baum – und im Saal hält es viele bereits nicht mehr auf den ohnehin überflüssigen Sitzen. Denn die Musik Eros Ramazzottis fährt nicht nur in Herz und Bauch, sie erreicht auch Beine und Becken, so dass auch die vielen, vielen, die Konzerte offenbar nur besuchen, um den Besuch videotechnisch zu dokumentieren, bei ihren Filmaufnahmen über den Köpfen darunter versonnen die Hüften kreisen lassen oder wippen oder zucken. Und fürs Mitsingen ist auch noch genug Energie da. Denn der Eros-Fan kennt seinen Eros, ist bemerkenswert textsicher. Nicht nur bei Dauerbrennern wie „Musica è“ oder „Se bastasse una canzone“ oder „Adesso tu“, sondern auch bei den neuen Titeln, den anderen, denen vom anderen Eros.

Unbedingt hörenswert

Eros Ramazzotti ist kein Schwätzer. Come va? Dankä Lipsia! Ssupärdankä! Viel mehr sagt er nicht. Für mehr hat er auch kaum Zeit. Denn abgesehen von der kurzen Soul-Einlage, für die er seinem den ganzen Abend über formidabel pumpenden Schlagzeuger Eric Moore aus Los Angeles das Feld überlässt, liefert er zwei Stunden lang fortwährend ab. Mit seiner Stimme, mit unbedingt hörenswerten Solos an der Stromgitarre, akustisch und auch am Klavier.

Angenehm altmodisch

Ein beinahe altmodisches Künstler-Ethos, das sich bestätigt im angenehm altmodischen Gewand, das er seinen Songs hier überstreift. Die Saxophon-Hexereien des großen Scott Paddock, das Klavierspiel Luca Scarpas, der die musikalische Gesamtleitung sicher in den Händen hält, Giovanni Boscariols Keyboard-Burg mit Moog-Nachbau, die unfassbaren Background-Sängerinnen Giorgia Calassi und Monica Hill, die die Duo-Partnerinnen Cher und Anastacia souverän vertreten, die druckvollen Gitarren-Epen Giorgio Seccos – all das fügt sich zu einer rauen und unter die Haut gehenden Bühnenshow, die die besten Sounds der 80er und 90er in einem zeitlosen Rock-Kosmos aufblühen lässt.

Tutto bene eben – ganz ohne resto

Eros Ramazzotti live, das ist noch immer ein Erlebnis, kantig, erdig, dampfend vor Energie. Da verzeiht man ihm gern die beiden ökologischen Bildungseinheiten, die seltsam quer zum Abend stehenden Einblender, die über den Plastikmüll in den Meeren informieren und über die Luftverschmutzung. Sie zeigen, dass es dem Römer ernst ist mit der Botschaft von „Vita ce n’è“. Aber weil die vielen alten Hits dann doch eher von sole erzählen und von amore, muss das Anliegen eben so auf die Bühne. Die Fans stört es nicht. Sie jubeln auch diesen Videos begeistert zu. Insomma: Tutto bene eben – ganz ohne resto.

Von Peter Korfmacher

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