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Kultur Regional Erster Roman von Tomas Blum erscheint in Leipzig
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17:55 30.09.2019
Romanautor Tomas Blum. Quelle: privat
Leipzig

Gregors Kindheit ist nicht spurlos an ihm vorübergegangen – ganz im Gegenteil: Selbstmordversuch, Psychiatrie und die gescheiterte Ehe sind die Folgen seiner problematischen Jugend. Der Vater ist Allgemeinarzt, und seine Erwartungen an die Sprösslinge sind so hoch, dass Gregor nur versagen kann.

Doch das alles liegt lange zurück, auch wenn er nach wie vor Probleme hat, Beziehungen einzugehen, sich isoliert fühlt wie ein Raumfahrer im All, und sein Umfeld als verlogen und oberflächlich empfindet. Davon erzählt Tomas Blum in seinem Debütroman „Wofür wir uns schämen“, den er am Mittwoch bei Hugendubel vorstellt. Mit dem fünften Buch feiert der Leipziger Liesmich Verlag gleichzeitig seinen fünften Geburtstag.

Die Dämonen suchen ihn heim

Gregor geht seinen Weg und hat sich zum Projektleiter in einer Marketing-Firma hochgearbeitet. Dann bittet ihn eine rothaarige Kollegin um ein Date und stellt damit sein Leben auf den Kopf. Sie erinnert ihn an ein Mädchen aus Kindertagen, das mit einem dramatischen Erlebnis in Zusammenhang steht. Seine sorgsam verdrängte mit Scham erfüllte Vergangenheit bricht über Gregor herein und stürzt ihn in einen Strudel aus Assoziationen, in dem Gegenwart und Erinnerung immer mehr verschmelzen. Während er eine Beziehung mit der Kollegin eingeht, sein Vater stirbt und Gregor erleben muss, wie seine plötzlich insolvente Firma den Bach runter geht, suchen ihn die Dämonen heim.

Karamellbonbons lösen die geistigen Zeitreisen aus

Wie sein Protagonist hat Autor Tomas Blum reichlich Lebenserfahrung. Der 51-Jährige hat als Pfleger gearbeitet, nach dem Literatur- und Medienwissenschaftsstudium war er 20 Jahre Ghostwriter in Wirtschaft und Politik. Inzwischen wendet er sich wieder der Literatur zu. Mit raffinierten Wortspielen, Metaphern, zynischen oder rhetorischen Fragen und vor allem Symbolen schickt er Gregor abwechselnd in die Gegenwart und in die Vergangenheit. Karamellbonbons lösen die geistigen Zeitreisen aus: Die Sekretärin in der Firma hat sie immer vorrätig – genau wie damals der Vater im Auto.

Das Dach der Welt

Dabei nutzt er selten Vergangenheitsform und direkte Rede, stattdessen wird der Ich-Erzähler, teilweise scheinbar wahllos, plötzlich zum Du-Erzähler, der aus der Distanz eine Situation beurteilt: „Was für eine Idee. Dass ich darauf jetzt erst komme. Der Hauptschlüssel. Ein Schlüssel zum Dach. Er passt! Du stehst auf dem Dach der Welt. Und du schließt sorgfältig die Tür hinter dir, es soll ja niemand merken, dass du hier bist“.

Die Charaktere sind sympathische Alltagshelden

Blum serviert die vielen Handlungsstränge häppchenweise. Das kann überfordern. Gleichzeitig hält die ewig bedeutungsschwangere Erzählweise auch am Ball. Der Roman ist eine Geschichte der Hoffnung für alle, die mal mit sich und der Welt gehadert haben. Die Charaktere sind sympathische Alltagshelden. Mit der Kollegin an seiner Seite befreit sich Gregor aus der Midlife-Crisis und von der Scham, die ihm das Leben beigebracht hat.

Buchpremiere, 18 Uhr, Hugendubel; Party 20 Uhr im Dr. Hops, Eichendorffstraße 7

Tomas Blum: Wofür wir uns schämen. Roman. Liesmich Verlag; 224 Seiten,14,99 Euro

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