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22:18 25.08.2019
Ein gelassener Mensch: Dendemann im Täubchenthal-Hof. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Ich spür’ noch immer die Begeisterung“, bei diesem Intro sind die Hände der rund 2500 Besucher vor der Open-Air-Bühne des Täubchenthals endgültig oben. Sie spüren in dem Moment noch einmal oder noch immer die Begeisterung für den coolen Verweigerer Daniel Ebel. Man könnte auch sagen, für einen der deutschen Rap-Pioniere, der zurecht immer noch da ist. Dendemann, das ist Deutschrap mit nordischem Zungenschlag, der den Übergang von der Stunde Null neben Fettes Brot und Samy Deluxe hin in die neue Ära des Hip Hop auf die Art geschafft hat, auf die er alles tut: gelassen.

„Ich schwimme, schwamm und schwomm, doch endlich bin ich angekommen“ ist einer der Tracks aus dem Jahr 2006, deren Aussage seine neue Musik nicht Lügen straft. Dendemann bleibt auch bei der Performance seines neues Albums „Da nich für!“ weiter er selbst. Sobald er auf der Bühne steht, zerstreuen sich die üblichen Sorgen über einen Hip-Hopper, der es noch einmal wissen will. Mit wasserstoffblonden Haaren, Karohemd und weißer Cargo-Hose sieht er – durchaus zeitgemäß – aus, wie den 90er Jahren entsprungen und das Spiel mit dem Jetzt und Damals gelingt Dendemann und seiner Band „Freie Radikale“ gut.

Solidarität mit der Bewegung „Unteilbar“

Sicher hilft, dass sie nie ganz weg waren. In der ZDF-Latenight-Show von Jan Böhmermann waren Dendemann und die Freie Radikale eine Art Hausband und wandelten allerlei Lieder der Popgeschichte in ulkig-entspannten Hip-Hop-Sound um. Auf der Bühne des Leipziger Täubchenthals aber wirkt das opulenter: Die Wände sind verspiegelt, die Band trägt Uniform und in ihrem Rücken leuchten Blöcke aus roten und schwarzen Strichen. Es wirkt subversiv und auch ein klein wenig nach Party-Alarm à la Deichkind.

Dendemann hat nach Jahren bei Jan Böhmermann wieder eine Platte aufgenommen und präsentierte seine Musik beim Freiluftkonzert in Leipzig

Dendemann bleibt bei all der entspannten, belanglosen Lässigkeit, die ihm zu Eigen ist, nicht einmal unpolitisch: „Wer von euch wurde irgendwo geboren?“, fragt er in eine jubelnde Menge, und stimmt dann den Track „Zauberland“ an, der irgendwo zwischen niemals zu expliziten Zeilen doch zeigt, dass Dende nicht einverstanden ist, mit der derzeitigen Idee von Identität in Deutschland. An anderer Stelle ruft er für seine Verhältnisse sehr konkret zu Solidarität mit der Bewegung „Unteilbar“ auf.

Gelobtes Line-Up

Der Musiker Dendemann bleibt bei alledem alltäglich, gelassen und etwas schratig, und dafür wird er an dem Abend von seinen Leipziger Fans ehrlich geliebt. Für mehr politische Message und den Flair von Conscious-Rap sorgt das vom Täubchenthal gesetzte und von Dendemann gelobte Line-Up: Der Kirchheimer Rapper Juse Ju eher funny und das Berliner Ausnahmetalent Amewu eher tiefsinnig grenzen sich beide mit ihren Inhalten schon im dämmernden Tageslicht der Open-Air-Veranstaltung deutlich und stolz von den im Hip Hop verbreiteten Stereotypisierungen auf Kosten von Frauen und anderen Gruppen ab. Diss-Tracks und Hater-Ansagen finden Rapfans hier vergeblich, aber auf die hat hier auch niemand gewartet.

In relativ kommerziellen Ambiente zwischen Zigaretten-Promo und Bierstand feiern hier Wegbegleiter der harmloseren Hip-Hop-Geschichte aber trotzdem einen Kernaspekt des Genres: Lässigkeit und Widerstand, und dann natürlich einen Star ihrer Jugend.

Von Anna-Flora Schade

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