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Kultur Regional Evgeny Kissin brilliert im Gewandhaus mit Beethoven
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16:57 26.01.2020
Evgeny Kissin (48) beim Klavierkonzert am Samstag im Leipziger Gewandhaus. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Der Anfangsakkord in c-Moll ist eine Explosion! Als gelte es klarzustellen, dass hier Beethoven, der Revolutionär, auf den Plan tritt – willens, Formen und Fesseln der Klassik auf einen Schlag zu sprengen.

Evgeny Kissin bestimmt mit dem Beginn der berühmten „Pathétique“ die künstlerische Marschroute seines ausverkauften Klavierabends am Samstag im Gewandhaus. Ihn, den Ausdrucksmusiker, drängt es zu den ungeschminkten Wahrheiten der Musik.

Sein überschäumendes, auftrumpfendes, bei einzelnen Akkorden sogar barbarisch anmutendes Temperament lässt ihm gar keine andere Wahl. Entsprechenden Drive entwickelt das an die langsame Einleitung anschließende Allegro: klar und bündig, dramatisch straff und so gut wie ohne Rubati. Da kommt kein falsches Pathos auf, sondern vielmehr eine weitere Qualität von Kissins Spiel zum Vorschein.

Überraschend Unerhörtes

Unvereinbare Gegensätze, emotionale Schubkraft und konstruktive Durchdringung des Materials, gehen bei ihm zusammen – dank einer nach wie vor stupenden Virtuosität. Etwa, wenn er Stimmverläufe im Rondo deutlichst markiert, indem er den Bass dicke Akzente setzen lässt, ohne deswegen gleich in aggressive Härte umzuschlagen.

Vieles an diesem Rezital, für das passend zum Beethoven-Jubiläum neben der „Pathétique“ die Sonate „Der Sturm“ und die „Waldstein-Sonate“, dazu die seltener gespielten Eroica-Variationen op. 35 auf dem Programm stehen, versetzt in Staunen.

Und das, obwohl man die genannten Werke (die Variationen ausgenommen), zur Genüge gehört hat und noch oft hören wird in diesem Jubeljahr. Und jedes Mal wird man sich fragen, ob der nachschöpfende Bühnenkünstler etwas Neues entdeckt, etwas überraschend Ungehörtes.

Vom Virtuosenehrgeiz gepackt

Bei Kissin überrascht die Erkenntnis, dass man durchaus hören soll, wie schwer Beethoven ist. In den vielgestaltigen 15 Es-Dur-Variationen über das Revoluzzer-Thema der „Eroica“ ist alles dabei. Vom liedhaft-schlichten Gestus über die komplex-kontrapunktische Totale bis hin zum orgelnden Getöse.

Kissin vermag das brillant auszuspielen, imitiert Orchestereffekte, wenn er eine Große Trommel herzhaft rumsen lässt, und spitzt die Dissonanzen der Schlussfuge unerbittlich zu. Noch im Notenwimmelbild hebt der Russe Details hervor, kantet stählern-scharfe Akzente in den Satz, aber nicht als bloße Knalleffekte, sondern um Orientierung und Durchhörbarkeit zu ermöglichen.

Die ist auch im Kopfsatz der „Waldstein-Sonate“ dank glasklarer Artikulation immer gegeben. Rückhaltlos packt ihn hier der Virtuosenehrgeiz. Ein aberwitziges Tempo legt er vor, stößt die heikel ratternden Achtelrepetitionen des Beginns in einem warmen und doch tragfähigen Pianissimo an. Nichts verliert im Laufwerk an Konturenschärfe, selbst der Seitensatz-Choral, von Beethoven in ein mild leuchtendes E-Dur gekleidet, ist Kissin kein Ruhepol, sondern dient als Kraftquell für erneutes Losstürmen.

Schmucklos, fast unbeteiligt

Daran liegt aber auch eine Gefahr und gleichzeitig die Schwäche seines Beethoven-Rezitals: Allzu verinnerlichtes Spiel ist Kissins Sache nicht. In den Mittelsätzen der Sonaten erweist er sich nicht gerade als Poet.

Schmucklos, fast unbeteiligt wirkt das Adagio der „Pathétique“, dem „Sturm“ fehlen die Momente innerer Besänftigung und das „Introduzione“, die Mittelsatz-Brücke zum Rondo der „Waldstein-Sonate“, genügt sich als bloße Struktur. Welcher Gesamtplan hinter diesem monumentalen Klavierwerk stecken soll, dessen bewegungsfreudiges Finale Kissin seltsamerweise ausbremst, bleibt ebenso offen.

Dem frenetischen Jubel tut dies keinen Abbruch, für den sich der nun verklärt lächelnde Kissin gerne mit vier Beethoven-Zugaben bedankt: zwei Bagatellen (op. 33 Nr. 1 und 5), die Variationen op.76 (über den Türkischen Marsch aus „Die Ruinen von Athen“) und zuletzt die sechs Ecossaisen Es-Dur WoO 83.

Von Werner Kopfmüller

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