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Kultur Regional Festkonzert „500 Jahre Leipziger Disputation“ in der Thomaskirche
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15:56 17.06.2019
Die Vokalensembles Amarcord und Calmus erhielten stimmliche Unterstützung von Anna Kellnhofer und Isabel Schicketanz. Quelle: Gert Mothes
Leipzig

Ein Wortgefecht mit historischen Folgen fand vor 500 Jahren im heutigen Neuen Rathaus statt: Martin Luther brach im Juli 1519 endgültig mit dem Papst – während der über zweiwöchigen Leipziger Disputation mit dem katholischen Theologen Johannes Eck. Und weil der Thomanerchor damals mit der Aufführung von Antoine Brumels Missa „Et ecce terrae motus“ seine Hände musikalisch im Spiel hatte, war dieses Jubiläum auch Anlass für ein besonderes Konzert in der Thomaskirche. Die beiden Leipziger Vokalensembles Calmus und Amarcord gestalteten am Sonntag zum Thementag „Leipziger Disputation“ ein Festkonzert mit Auszügen aus Brumels Werk sowie Spott- und Schmähliedern aus dem Umfeld der Reformation, unterstützt von den Sopranistinnen Anna Kellnhofer und Isabel Schicketanz.

Weibliche Unterstützung für Amarcord

Atemberaubend und unerwartet ist, was die beiden Ensembles da aus der Akustik der Thomaskirche herausholen. Dass die Amarcordler Wolfram Lattke, Robert Pohlers (beide Tenor), Frank Ozimek (Bariton), Daniel Knauft und Holger Krause (beide Bass) weibliche vokale Unterstützung erhalten, ist wohlklingend ungewohnt. Der Calmus-Sopran Anja Pöches überstrahlt jedoch manchmal in der Lautstärke Countertenor Stefan Kahle und Tenor Tobias Pöche. Ludwig Böhme und Manuel Helmeke liefern wohligen Bariton und schokoladigen Bass.

Die Anfangsstücke „Et ecce terrae motus“ und das Kyrie aus Brumels Missa dringen noch auf die Einigkeit der insgesamt zwölf Sänger, die sich bemerkenswert mühelos zusammentun und engelsgleiche Harmonien in die Höhen der Kirche schicken. Der Text verschwindet manchmal hinter dem klaren Klang, was aber nicht weiter schlimm ist. Die Botschaft kommt an, und wer eines der wenigen Programme ergattern konnte, liest den lateinischen Text und die deutsche Übersetzung eben ungefähr mit.

Der musikalische Streit beginnt

Mit „Ein neues Lied wir heben an“ von Johann Walter trennen sich die Ensembles jedoch erstmals und legen den Grundstein für den musikalischen Streit. Calmus übernimmt dabei den musikalischen Part Luthers, Amarcord die katholische Gegenseite mit „Te Lutherum damnamus“. Und da wird es dramaturgisch wirklich interessant, denn beide Ensembles beziehen ihre Stellung an den äußersten Punkten der Kirche. Während „Nun treiben wir den Papst heraus“ arbeitet sich Calmus, begleitet von heidnisch anmutenden Trommelrhythmen, im Mittelgang vor, auf Amarcord zu.

Beklemmende Rundumbeschallung

Der Streit eskaliert bei „Te Deum laudamus“, dem Calmus zeitgleich die Karikatur „Dein Heiligkeit verfluchet ist“ entgegenschleudert, während sich die fünf Calmus-Sänger einzeln durch die Publikumsreihen bewegen und so eine beklemmende Rundumbeschallung in dichten Strudeln erzeugen – Gänsehautgarantie. Dabei den intonatorischen Bezug zu Mitsängern und gegnerischem Ensemble nicht zu verlieren, bedarf höchster musikalischer Präzision. Nach den Schmähliedern finden die beiden Ensembles zu Sanctus und Agnus Dei von Brumel wieder zusammen und erhalten stehend-brandenden Applaus auf ihr final wirbelndes Agnus Dei III aus Nicolas Gomberts „Missa Tempore paschali“.

Von Katharina Stork

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