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Kultur Regional Filme voll moralischer Beunruhigung: Krzysztof Zanussi wird 80
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12:01 15.06.2019
Der polnische Regisseur Krzysztof Zanussi. Quelle: dpa
Leipzig

Die Bilder: körnig und schwarz-weiß. Eisige Winter-Atmosphäre. In der kalten Luft liegt Abschied. Ein junger Mann kommt in ein Kloster hoch über einem Fluss. Er will bei Renovierungen helfen. Er erlebt das Sterben des Abtes. Ein filmische Requiem.

Nur 28 wortlose Minuten dauert„Tod eines Provinzials“. Die Abschlussarbeit von Krzysztof Zanussi, 1965 gedreht an der Filmhochschule Lodz. Ein Film der polnischen Erzählschule. Ein filmisches Versprechen.

Krzysztof Zanussi hat es eingelöst. Er hat einige Filme jener schwelenden moralischen Beunruhigung gedreht. Er erzählte auf nicht immer leicht zu entschlüsselnde Art von einer gesellschaftlichen Krise, die sich, lange bevor sie dann wirklich ausbrach, bereits abzeichnete.

Viel Physik und Philosophie

Sein Meisterstück war gleich der lange Erstling: „Struktur des Kristalls“ (1969). Zwei Studienfreunde treffen sich nach Jahren in verschneiter, ländlicher Einöde wieder. Der eine hat Karriere gemacht, der andere ist ausgestiegen, als Meteorologe in die innere Emigration gegangen. Ein Kammerspiel der Haltungen, der Dialoge, der Stimmungen, der leisen Beobachtungen.

Diesem Stil blieb Krzysztof Zanussi nicht immer treu, oft steckte er zu viel physikalische Fakten und philosophisches Unterfutter hinein. Kein Wunder, studierte er doch erst Physik, dann Philosophie, bevor er 1960 nach Lodz kam.

In den 70er Jahren bestimmten allerdings die Arbeiten von Zanussi wie sonst nur die von Andrzej Wajda Polens Kino. In „Familienleben“ geht es in einem Vater-Sohn-Konflikt wieder um den richtigen Lebensweg. In „Illumination“ sucht ein junger, herzkranker Wissenschaftler nach dem Sinn des Lebens.

In „Tarnfarben“ wehrt sich ein Student gegen Ränkespiele und Vetternwirtschaft. Doch Gerechtigkeit gibt es nicht. In „Spirale“ bricht ein Mann allein in die Berge auf. Der Versuch eines selbstbestimmten Lebens gegen die Regeln eines erstarrten Alltags. In „Zwischenbilanz“ ringt eine Frau heftig um ihre Befreiung aus privater Enge. In „Ein Mann bleibt sich treu“ kämpft ein Mann gegen die Korruption seiner Kollegen.

Abriss polnischer Geschichte

Waren in den 70er Jahren Zanussis Filme regelmäßig in den DDR-Kinos, änderte sich die Sicht auf den polnischen Meister 1981 mit „In einem fernen Land“, der Biografie von Johannes Paul II., die eher ein Abriss polnischer Geschichte war. Wobei die Nachkriegszeit nicht eben gut wegkam.

Mittlerweile arbeitete Krzysztof Zanussi auch immer wieder im Westen, darunter auch fürs bundesdeutsche Fernsehen. Mit „Das Jahr der ruhigen Sonne“ gelang ihm eine wunderbare Melancholie um Gefühle, Liebesverzicht und Kloster am Ende des Krieges.

Zanussi trat gelegentlich auch in Filmen von Kollegen auf („Filmamateur“ von Kieslowski) und war oft als Produzent tätig („Die Spur“ 2017 von Agneszka Holland). Zuletzt drehte er 2018 „Ether“, einen etwas langatmigen Kostümfilm um Medizinexperimente und Militär kurz vorm Ersten Weltkrieg. Am 17. Juni wird Krzysztof Zanussi, der Anfang der 90er Jahre seine Filme auch schon in Leipzig vorstellte, 80 Jahre alt.

Von Norbert Wehrstedt

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