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Kultur Regional Bass für die Liebe: Frittenbude im Leipziger Täubchenthal
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13:51 07.04.2019
Frittenbude: Die Musiker der bayerischen Punkband sparten beim Auftritt im Täubchenthal nicht mit politischen Statements.
Frittenbude: Die Musiker der bayerischen Punkband sparten beim Auftritt im Täubchenthal nicht mit politischen Statements. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Im aktuellen Streetfood-Trend ist die klassische Frittenbude schon fast ein Anachronismus. Kaum ein hipper Imbiss kommt noch ohne Spielereien mit Pulled Pork, Seitan oder Bärlauch-Pesto aus. Als Band wiederum ist die Frittenbude ganz vorn mit dabei im jungen Zeitgeist der Generation Kraftklub und Highfield. Party mit antifaschistischer Grundhaltung, junge Großstadt-Hippness mit politischer Umsicht, könnte man diesen zusammenfassen.

Altersdurchschnitt und T-Shirt-Motiv-Verteilung im Publikum bestätigen dies am Freitagabend im Täubchenthal, anlässlich des Besuchs der bayrischen, inzwischen wahlberliner Rave-Punk- und Hip-Hop-Formation, zum Bergfest ihrer aktuellen „Rote Sonne“-Tour.

Wie die Musik von Frittenbude bewegt sich auch das Publikum optisch zwischen den Polen „oberflächlich party- und Hip-Hop-orientiert“ und „linksalternativ rock-affin“, mit allerlei hippen Schattierungen dazwischen.

Support-Künstler Lueam passt in keine Schublade

Zunächst präsentiert Support-Künstler Lueam nach dem Ende seiner Band Findus solo brandneues eigenes Material, das deutschsprachig und elektro-sphärisch an klaren Genres vorbei geht und mit dem Hauptact nur die weltoffene Lebenseinstellung und kultische Verehrung für das Heimatlabel Audiolith gemeinsam hat.

Songs aus 13 Jahren und sechs Alben

Der Ballsaal ist mit etwa 800 Leuten sehr ansehnlich gefüllt. Frittenbude entführen die Besucher nach Einstieg mit Hip-Hop-Attitüde alsbald per schnell stampfenden Elektro-Punk-Beats ins „Wasteland“. Das Publikum springt gern mit. In den folgenden zwei Stunden ist man wahlweise Hippie, berauscht verträumter Raver, Hip Hopper oder wütender Pogo-Punk – je nach Stoßrichtung der Songs aus 13 Jahren und sechseinhalb Alben.

Am Freitag waren Frittenbude im Leipziger Täubchenthal zu Gast.

Beim Moshpit macht der jungen Meute keiner mehr was vor, der gehört inzwischen auf Konzerten im Härtegrad ab kurz nach Mark Forster obligatorisch dazu. Eine ausführliche Erklärung der Gepflogenheiten des Stage Divings seitens Sänger Johannes Röger kann jedoch nicht schaden. Derart an die Hand genommen traut sich hernach immer wieder der eine oder die andere auf die Bühne und in die Hände des bald schweißnassen Auditoriums.

Bass für die Liebe

Politische Töne, vor allem gegen immer weiter in die gesellschaftliche Mitte drängendes rechtes Gedankengut, sind allgegenwärtig bei Frittenbude. Aber weil es demokratische Selbstverständlichkeit sein sollte, sich gegen Rassismus, für weltoffenes, gleichberechtigtes Miteinander auszusprechen, und es nach menschlichen Maßstäben indiskutabel ist, Menschen ertrinken zu lassen, sehen sie sich nicht vordergründig als politische Band.

„Der erste Schritt um frei zu sein, ist es, wenn du tanzt“, heißt es eher Party-getrieben bei ihnen. Und so wird das Ex-Hardcore-, inzwischen selbst auf Hip Hop Konzerten zum Standard gehörende, Konzertspielchen „Wall of Death“ zur „Wall of Love“. Der sich gegen Ende ausgelassen steigernde, Stroboskop-befeuerte Rave ist nicht nur einer „gegen Deutschland“, der Bass hämmert vor allem auch für die Liebe.

Von Karsten Kriesel