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Kultur Regional Fulminantes Finale auf der „Bach-Stage“
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15:39 17.06.2019
Männerballett im Finale von „AutoAuto – Bach driving crazy“: Kilian Forster (l.) und Christian von Richthofen machen dem Fiat Punto zu Walzerklängen mit Hammer und sehr viel Witz den Garaus. Quelle: Foto: Christian Modla
Leipzig

Auto unser, das da gleicht dem Himmel ...“ – dass der abschließende Programmpunkt auf der „Bach-Stage“ am Sonntagabend nicht ganz ernst ablaufen wird, ist nach dem Einstieg schon klar. Aber dieses Feuerwerk, das Perkussionist Christian von Richthofen, Pianist Bruno Böhmer Camacho und Kilian Forster am Kontrabass abfeuern, übertrifft jede Erwartung.

Der Titel „AutoAuto – Bach driving crazy“ verrät schon: Es wird verrückt. Und es geht um Autos. Genauer gesagt um diesen hübschen roten Fiat Punto, der so dekorativ neben dem Klavier der Dinge harrt, die da kommen. Der wird zum Perkussionsprotagonisten, zum überdimensionierten Schlagwerk, aus dem Richthofen auch den letzten Ton herausquetscht. Und das bitte mit Gewalt. Es geht ganz gesittet los, mit der Toccata und Fuge in d-moll von Bach, die Richthofen agil scattet, begleitet von Kontrabass und Klavier.

Nichts für Zartbesaitete

Und Böhmer Camacho an den Tasten swingt zum Niederknien, da ist es schade, dass er aufgrund der opulenten Autoschau eher zum Nebenwerk gerät. Jetzt aber mal ran ans Blech: Als erste Kostprobe klopft und trommelt sich Richthofen über Motorhaube und Seitenspiegel, muss aber nach eigenen Angaben das Instrument noch stimmen – mit Schmirgelpapier. Schon da zucken einige gequält unter Lachen zusammen, denn für zartbesaitete Autovergötterer ist dieses Programm wahrlich nichts, da fliegen Lack-Späne, wie ein blutiger Schnitt auf Richthofens Nase beweist. Stück für Stück baut Richthofen, garniert von Wortwitzen und Sketchen, die gewaltigen bis gewalttätigen rhythmischen Übergriffe auf sein rotlackiertes Opfer aus, erntet hysterische Lacher.

Gastauftritt des Thomasschulchores

Greta Thunberg fände wohl Gefallen am Gastauftritt des Thomasschulchores, der einen Choral mit dem Wunsch nach Umweltbewusstsein beiträgt. Im Finale gerät die Choreografie immer weiter außer Kontrolle, wird zum Strauß-Walzer-unterlegten Männerballett, das mit Hämmern Scheiben zertrümmert und das Autodach vollends einbeult. Doch der Höhepunkt kommt in Form einer Flex, die liebevoll „Bach“ und „love“ auf den Türen hinterlässt. Funkensprühend, fulminant, abgedreht und einfach sehr, sehr witzig.

Von Katharina Stork

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