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Kultur Regional Georgette Dee mit Terry Truck und Kurt-Weill-Songs im Schauspielhaus
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16:16 13.12.2018
Georgette Dee mit Kurt-Weill-Liedern im Schauspielhaus. Quelle: André Kempner
Leipzig

Das Licht ist gnadenlos. Nach gut zweieinhalb Stunden zwingt es die in den ersten Reihen stehend jubelnden Zuschauer zurück in die Realität: keine weitere Zugabe, der Zauber ist vorbei. Dabei wären noch Eiswürfel im Glas gewesen. Ein Glas, das Georgette Dee in Liedern leert und in Abschweifungen wieder auffüllt. Meist bleibt es an diesem Mittwochabend halb leer.

„Wo man singt, da lass dich ruhig nieder“ heißt das Programm, das im gut besuchten Leipziger Schauspielhaus zum letzten Mal auf der Bühne zu erleben war, mit Georgette Dee an Mikrofon und Gläsern, Terry Truck am Flügel – und mit Liedern von Kurt Weill (1900–1950).

Zum Aufwärmen werden „erstmal der Johnny und die Jenny unter die Decke gehängt“. Surabaya-Johnny also und Seeräuber-Jenny aus der „Dreigroschenoper“ und aus einer Zeit, als „Hits noch richtige Titel hatten“, nicht „Hello“ hießen, sondern „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“ zum Beispiel.

Kleine Fluchten, große Fluchten

Frau Dee zählt seit Herbst 60 Lenze und war sowieso immer im besten Alter für Brecht. Am Berliner Ensemble hat sie auch schon gespielt; überhaupt all die Verbindungen: Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ wurde 1930 in Leipzig uraufgeführt („erschullte hier zum ersten Mal“).

Natürlich gibt’s den „Alabama“-Song an diesem Abend – „außer Nana Mouskouri haben den alle gesungen“. Aber nicht auf diese Weise, nicht so arrangiert und auch nicht so gelebt. Oder „Die Ballade von der Höllen-Lili“ aus „Happy End“. Ein Konzept, an dem Georgette Dee „schon als Kind gezweifelt hat“: Warum soll die Zwangsheirat zum Finale des Märchens ein Happy End sein? Ganz zu schweigen von jenem, das „ältere Herren erst dann empfinden, wenn alles kaputt ist“.

Wer Weill sagt, muss auch Krieg sagen, Nationalsozialismus und Exil. Berlin, Paris, New York. Im zweiten Teil dominieren die in den USA komponierten Songs. Doch nicht allein deshalb erzählen Georgette Dee und Terry Truck mit diesem Programm Fluchtgeschichten.

Es sind Ausbrüche aus zahlreichen Lebensgründen und aus Situationen, und man braucht keinen „Matrosen-Tango“, um dabei das Gleichgewicht zu verlieren, zu schwanken zwischen einer Feier des Lebens und dem Tod, zwischen Möglichkeiten und Zögern und „Scheiß auf die Sternschnuppen!“.

Griff ins Haar, Griff ans Kleid

„Ja, die Welt ist eine Rennerei“, sagt Georgette Dee, „manche gehen aus Gier, manche aus Neugier, manche werden gejagt, manche gelockt“. Sie hat nicht nur ihren Weill gehört, sondern auch ihre vorsokratischen Philosophen gelesen, „Sie kennen die Bande wahrscheinlich“.

Doch das Leben drängt nach. Sie sei ja nun in einem Alter, in dem Kinderwünsche in Erfüllung gehen: „Unsichtbar sein, fliegen können und – das Dritte.“ Mit der Kita, die ihren Namen trägt, ist es nun doch nichts geworden. Dabei hätte sie „Heerscharen anführen können“, denn – Griff ins Haar – „preußischblonder geht nicht“. Stattdessen zelebriert sie, im langen Schwarzen und – Griff ans Kleid – mal mehr, mal weniger breit dekolletiert, das Verlorensein. Spricht von Fluch und Segen, ohne Netz und doppelten Boden zu leben. Und ohne Fahrplan, was die Deutschen Bahn betrifft.

Grob und zärtlich

Dee zeigt eine Kunstfigur im Zwiegespräch mit dem Ich. Das kostet diesmal Nostalgie und Melancholie aus. Terry Truck bringt am Flügel das Grobe und das Zärtliche zusammen, nimmt Fäden auf, um Worte und Musik in eine Verbindung zu bringen, die Wünschen und Realität Raum lässt, Flüstern und Schreien.

Dies ist kein Best of Lieblingslieder, ein paar Dee-Klassiker sind aber dabei und in der Zugabe schließlich, im Duett „Longitude“, vollendet sich, was die Künstlerin ausmacht und diese künstlerische Verbindung, die von allem mehr will: mehr Herz, mehr Verzweiflung. Frühling, habe sie festgestellt, „ist eine Haltung und keine Jahreszeit“. Gleiches lässt sich über den Herbst sagen.

Von Janina Fleischer

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