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Kultur Regional Geschäftsführer Stefan Altner nach 25 jahren in den Vorruhestand verabschiedet
Nachrichten Kultur Kultur Regional Geschäftsführer Stefan Altner nach 25 jahren in den Vorruhestand verabschiedet
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15:42 06.05.2019
Stefan Altner, geboren 1956 in Brandis, war von 1966 bis 1975 Mitglied des Thomanerchores. Er studierte Kirchenmusik in Leipzig und wirkte danach als Kirchenmusiker in Zossen. 1984 siedelte er nach München über. Er arbeitete im Lektorat des Bärenreiter-Verlags, war von 1986 bis 1993 Geschäftsführer des Münchener Kammerorchesters und Cembalist der Barocksolisten der Münchner Philharmoniker. 1993 wurde er Geschäftsführer des Thomanerchores in Leipzig. Quelle: André Kempner
Leipzig

Nein, Wehmut spiegelt es nicht wider, das leichte Vibrieren in Stefan Altners Mundwinkeln. Eigentlich hat er sich kaum verändert, dieser Gesichtsausdruck mit doppeltem Boden, durch den es wie von Ferne hindurchlächelt, wissend, ein wenig spöttisch, immer auch bereit zur Selbstironie. Doch warum auch sollte sich die Seele, die in dieses Gesicht mündet, grundsätzlich verändert haben? Weil Stefan Altner nach 9 Jahren der Mitgliedschaft zwischen 1966 und 1975 sowie 25 Jahren als Geschäftsführer mit Monatsbeginn seinem Thomanerchor Lebwohl sagen musste?

Ein wenig herbeigesehnt

Er findet eher, dass er es durfte: „Ich habe diese Situation ja bewusst und von langer Hand herbeigeführt, habe die passive Phase meines Ruhestands, die nun beginnt, auch ein wenig herbeigesehnt. Denn nach 25 Jahren habe ich nun endlich Zeit für all die Sachen, die immer zu kurz gekommen sind: Musikmachen, Schreiben, Zeichnen, Kochen.“ Das meiste davon hat er auch in seiner Zeit als Thomaner-Geschäftsführer auf professionellem Niveau betrieben: Immer wieder saß er während der Konzerte und Gottesdienste mit seinen Schützlingen als Continuo-Spieler an Cembalo und Orgel auf der Empore der Thomaskirche, in Kirchen und Konzertsälen auf der ganzen Welt. Geschrieben hat der Musikforscher, der 2005 den ersten Doktortitel in der Geschichte der Leipziger Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ erhielt und dem Herausgeberbeirat der „Leipziger Blätter“ angehört, auch immer. Als Koch muss er sich in Leipzig hinter niemandem verstecken – auch nicht hinter Profis, deren Rezepte er mit eindrucksvollem Sensorium analytisch erschmeckt und erriecht. Und wenn er auf ähnlichem Niveau zeichnet, wird man davon ebenfalls alsbald Kenntnis bekommen.

Noch zwei Bewerber im Rennen

Eine Vorruhestandsregelung also, ein Abschied mit Ansage: „Spätestens seit Januar 2018 wissen alle in der Stadt Bescheid. Es war mir wichtig, dass es genug Vorlauf gibt, um die Nachfolgefrage zu klären.“ Gereicht hat es dennoch nicht. Noch sind zwei Bewerber im Rennen. Altner: „Ich hoffe, dass spätestens bis zum 1. September jemand da ist, sonst gerät das Schiff ins Schlingern.“ Dabei hinterlässt er seinen Chor in bester Verfassung. Das Forum Thomanum, zu dessen pädagogischen und musikalischen Architekten Altner zählt, hat sich längst zum Vorzeige-Ausbildungsbetrieb gemausert: „Im King’s College nimmt man uns als Vorbild. Dabei sehen wir es traditionell genau umgekehrt.“

Schlechtes Essen senkt die Moral

45 Mitarbeiter auf 36 Vollzeitstellen sind buchstäblich rund um die Uhr um das Wohl der Thomaner und der Musik bemüht: Pädagogen, Stimmbildner, Verwaltungskräfte. Es stehen hinreichend viele neue und restaurierte Instrumente in erstklassigem Zustand bereit. Als Vorsitzender der Stiftung Thomanerchor hat er deren Kapital von 2 Millionen Mark auf 2,3 Millionen Euro zu wuchten geholfen. Und dass im Kasten, wie die Thomaner ihr Internat nennen, auf hohem Niveau täglich frisch gekocht wird, ist auch sein Verdienst. „Denn schlechtes Essen oder Fast Food auf Dauer senken die Moral. Und die Thomaner singen nur so gut, so gut sie verpflegt werden.“

Komplizierte Verhältnisse

Dennoch rutscht ihm für seinen potenziellen Nachfolger – Frauen sind offenbar keine mehr im Rennen – heraus: „Der arme Kerl wird es nicht leicht haben.“ Denn die Verhältnisse sind kompliziert im Kasten und in Leipzig. Einen „Geschäftsführer“ wie ihn wird es nicht wieder geben: „Ich bin der erste und der letzte, der diesen Titel führt, aber nicht am Ende der Entscheidungskette steht. Wie die Position nun aussehen soll, welche Aufgaben und Kompetenzen sie umfassen soll, das scheint noch nicht vollständig geklärt.“

Dinge intern regeln

Manches blieb auch in seiner Zeit in der Schwebe, musste immer wieder neu mit dem Thomaskantor, von 1992 bis 2015 war dies Georg Christoph Biller, seit 2016 ist es Gotthold Schwarz, ausdiskutiert, austariert, ausgefochten werden. Dabei war Altner, der von sich sagt, er habe immer „versucht, die Dinge intern zu regeln“, so erfolgreich, dass in Leipzig das Bonmot die Runde machte, ihm könne es gleich sein, wer unter ihm Thomaskantor sei. Dazu sagt er nichts. Denn natürlich ist er loyal. Aber das feine Beben um die Mundwinkel sagt mehr als 1000 Worte.

3000 Konzerte verantwortet

Noch mehr allerdings sagen die knapp 3000 Thomaner-Konzerte, die Stefan Altner als Geschäftsführer eingerührt, durchgeführt und verantwortet hat. 590 davon außerhalb Leipzigs auf Tourneen durch Deutschland, Europa, Asien, beide Amerikas, Australien. Dabei sind große Tourneen naturgemäß Höhepunkte im Jahreskreis der Thomaner, des Thomaskantors – und des Geschäftsführers. Sie zu organisieren, vor allem aber, sie zu finanzieren, wird indes immer schwerer. Altner: „Ich habe von jeder einzelnen Tour, die wir gemacht haben, immer etwas mitgebracht. Auch wenn es manchmal nicht viel war, haben wir doch nie draufgezahlt. Aber das wird immer schwerer. Wir reisen mit großer Besetzung – der King’s Choir ist mit der Hälfte der Mannschaft unterwegs, was natürlich auch nur die Hälfte der Kosten verursacht. Überdies reisen wir meist mit dem Gewandhausorchester, was es nicht kostengünstiger macht. Um dies zu finanzieren, wird Fundraising für meinen Nachfolger eine noch wichtigere Aufgabe sein, als es das für mich war.“

Nicht noch ein Bewerbungsverfahren ...

Wie und was die Thomaner in der Zukunft sind, ob sie weltweit die Maßstäbe setzen für die Bach-Interpretation und/oder die musikalische und humanistische Ausbildung von Kindern und Jugendlichen oder nicht, das hängt auch vom kommenden Thomaskantor ab. Zwar ist Gotthold Schwarz’ Vertrag in dieser Position nicht befristet. Aber bei seiner Berufung im Jahr 2016 wurde von „Planungen bis 2021“ mit dem heute 67-Jährigen gesprochen.

„Noch ein Bewerbungsverfahren für die Neubesetzung des Thomaskantorats wollte ich mir auf keinen Fall antun“, sagt Altner mit Blick auf die Jahre 2015/16, in denen Schwarz erst nach dem Scheitern des eigentlichen Verfahrens endlich berufen wurde. „Damals haben zu viele Leute in der Auswahlkommission gesessen, die nichts von Musik verstanden. Und ich bin nicht sicher, dass es beim nächsten Mal besser läuft.“ Sagt Altner ernst – und doch zeigt sein Gesicht unmissverständlich die Befriedigung darüber, dass dies nach 34 Jahren als und für die Thomaner nicht mehr sein Problem ist.

Von Peter Korfmacher

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