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Kultur Regional Gewandhausorchester und Boston Symphony Orchestra spielen gemeinsame Konzerte
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18:10 16.10.2019
Präsentieren die Leipzig Week in Boston im Stadtbüro: Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, Oberbürgermeister Burkhard Jung, Gewandhausdirektor Andreas Schulz und Gewandhaus-Pressereferent Stev Wackerhagen. Quelle: Kempner
Leipzig

Seit gut anderthalb Jahren ist Andris Nelsons Gewandhauskapellmeister, seit gut anderthalb Jahren ist das Leipziger Gewandhausorchester dem Boston Symphony Orchestra, dessen Chef der 40-jährige Lette ebenfalls ist, auch offiziell in einer partnerschaftlichen Allianz verbunden: Man tauscht Musikerinnen und Musiker, Orchestermitglieder, Akademisten, Dirigenten aus und Programme, besucht sich wechselseitig, macht mit Boston-Wochen und Leipzig-Weeks in der jeweils anderen Stadt auf die eigene musikalische Tradition und Qualität aufmerksam, und sieben gemeinsame Kompositionsaufträge sorgen dafür, dass auch die Nachwelt etwas hat von dieser schönen Orchester-Freundschaft.

Neuer Höhepunkt

Nun allerdings steht die vor einem spektakulären neuen Höhepunkt: Das Gewandhausorchester reist nach drei Gastspielen in Wien (19. und 20. Oktober), Lugano (21. und 23. Oktober) und Stuttgart (24. Oktober) zur Leipzig-Week nach Boston, spielt dort in der nach dem zweiten Gewandhaus modellierten Symphony Hall am 27. und 29. unter der Leitung von Andris Nelsons zwei Konzerte mit den Programmen der letzten beiden Großen Concertedanach drei weitere gemeinsam mit dem Partner-Orchester (31. Oktober, 1. und 2. November).

Unterschiedliche Stimmtöne

Zwei Weltklasse-Orchester gemeinsam auf der Bühne, das hat es bisher noch nicht gegeben, und das Experiment stellt die Musikerinnen und Musiker durchaus auch vor einige Schwierigkeiten. Gewandhausdirektor Andreas Schulz bei der Präsentation des Projektes im Leipziger Stadtbüro: „Das fängt mit dem Stimmton an. Unser Kammerton a ist mit 443 Hertz etwas höher als der der Kollegen in Übersee, die auf 441 Hertz stimmen. Wir müssen uns also fürs gemeinsame Konzert einigen – ich denke, wir werden uns in der Mitte treffen, bei 442 Hertz.“ Fürs Konzert mit Richard Strauss’ pompösem „Festlichen Präludium für großes Orchester und Orgel“, Joseph Haydns Sinfonia concertante B-Dur mit Solisten aus beiden Orchestern, Schönbergs „Verklärter Nacht“ und Skrjabins „Poème de l’extase“ werden Streicher, Blech und Schlagwerk bunt gemischt und die Holzbläser registerweise. Schulz: „Sie können eine deutsche und eine amerikanische Oboe nicht nebeneinander setzen, dafür klingen sie einfach zu unterschiedlich.“

Vertrauen schaffen

Die Konzerte des transatlantischen Orchester-Kombinats beenden das Deutschlandjahr der Bundesrepublik in den USA, das unter dem Motto „wunderbar together“ stand – und eigens um zwei Monate verlängert wurde, damit die Bostoner Leipzig-Week noch reinpasst. Drum ist auch Bundespräsident Frank Walter Steinmeier mit dabei, wenn Nelsons musikalische Großfamilie gemeinsam musiziert. „Leipzig ist dabei“, freut sich Oberbürgermeister Burkhard Jung, „wenn sich die Bundesrepublik in den USA präsentiert. Ich bin mir sicher, dass diese Kooperation auch weiterhin den kulturellen, wirtschaftlichen und touristischen Austausch beflügeln wird.“ Dabei ist Leipzigs Stadtoberhaupt allerdings nicht. Jung: „Ich musste mir sagen: Vor Ort wirst du gebraucht, das Schöne kannst Du von Herzen anderen gönnen.“ Im konkreten Fall seiner Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, die bereits zur Paraphierung des Allianz-Vertrags in Boston war und wild entschlossen ist, „in Zukunft noch mehr aus dieser einzigartigen Allianz zu machen“. Und für Gabriele Goldfuß, die Leiterin des Referats für Internationale Zusammenarbeit der Stadt Leipzig,ist die Orchesterkooperation ein wunderbares Vehikel, um „wieder mehr Vertrauen zu schaffen in Zeiten, in denen es zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten eine tiefe Vertrauenskrise gibt.“

Von Peter Korfmacher

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