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Kultur Regional Gisbert zu Knyphausen: „Singen hat etwas Therapeutisches“
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09:01 29.06.2019
Politisch engagiert, aber nicht in seinen Liedtexten: Gisbert zu Knyphausen, 40. Quelle: Dennis Williamson
Leipzig

Im Interview spricht der Musiker Gisbert zu Knyphausen (40) über alternative Jugendzentren, politisches Songwriting und Musik als Therapie.

Sie sind seit Frühjahr mit der Band Strom & Wasser im Rahmen der Aktion
„Eine Million gegen Rechts!“
auf Tour. Was ist das Ziel dieser Kampagne?

Die Band hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, eine Million Euro für soziokulturelle Zentren und autonome Jugendhäuser in Sachsen, Brandenburg und Thüringen zu sammeln. Das sind alles Orte, die alternativen Bands eine Bühne bieten und die total wichtige Jugendarbeit an kleinen Flecken leisten, wo sonst nicht viel passiert. Ich fand die Aktion aufgrund ihrer Konkretheit so schön und habe Heinz Ratz von Strom & Wasser Geld gespendet. Das hatte er gesehen und mich gefragt, ob ich nicht bei ein paar Konzerten Gast sein möchte. Außerdem habe ich jetzt immer ein Sparschwein bei allen meinen Auftritten mit und versuche, ein bisschen Werbung für die Aktion zu machen. Vielleicht kann die Aktion ein Bewusstsein dafür schaffen, dass das wichtige Orte sind und keine linksterroristischen Zellen.

Sie haben mit dem
Verein „Welcome Dinner Berlin
auch an Kochabenden für Geflüchtete teilgenommen.

Ja, „Welcome Dinner“ war die Idee, Geflüchte und Einheimische durch ein Abendessen zusammenzubringen. Man konnte sich als Gastgeber registrieren lassen, und dann haben meine Freundin und ich ein Abendessen für drei Menschen aus Syrien gemacht. Außerdem habe ich den Verein noch mal durch ein Benefizkonzert unterstützt. Inzwischen gibt es etwas Neues in der Art. Am 15. Juni war „Tag der offenen Gesellschaft“. Dahinter steckt der Verein „Die Offene Gesellschaft“, der versucht, Leute zu vernetzen, die verbindende Aktionen starten.

Obwohl Sie sich also politisch und sozial engagieren, enthalten Ihre Texte kaum direkte politische Aussagen. Woran liegt das?

Das liegt daran, dass es mich beim Songschreiben bislang noch nicht so interessiert hat. Da hat mich die Innenschau beschäftigt und die zwischenmenschliche Psychologie. Außerdem finde ich es wahnsinnig schwer, einen guten politischen Song zu schreiben, der sich nicht in einseitigen Parolen erschöpft. Es muss auch gute Musik sein. Die politische Message darf nicht über der Musik stehen.

„Tränen sind ja auch immer ganz gut“

Der Filmregisseur Andreas Dresen hat Ihren Song „Sommertag“ im Abspann seines Films „Halt auf freier Strecke“ verwendet. Ihre Kunst weist in ihrer realistischen Alltagspoesie starke Parallelen auf, die sich bei Dresen filmisch und bei Ihnen musikalisch äußert. Wie haben Sie eigentlich zueinandergefunden?

Der Produzent des Films, Peter Rommel, hatte meine Musik entdeckt und Andreas damit angesteckt. Während des Machens des Films hatte er das Gefühl, dass mein Song als Abspannsong gut passen würde, und wir haben uns auf ein Bier getroffen. Es war so’n bisschen Sympathie auf den ersten Blick. Wir sind uns einfach sehr nahe. Andi ist so ein herzlicher, schlauer Mensch, der das Herz am rechten Fleck hat und anderen Leuten gegenüber und auch in seinen Filmen so viel Liebe und Haltung zeigt.

Sie sind studierter Musiktherapeut. Sind Sie das nicht sogar in gewisser Weise für Ihre Hörer?

Ich kriege zumindest oft diese Rückmeldung von Menschen. Und wenn man so etwas hört, dann hat man natürlich das Gefühl, dass meine Musik eine therapeutische Wirkung hat. Musik von anderen Bands hat das für mich auch, und wenn sie dich einfach nur zum Weinen bringt und dadurch was auflöst. Tränen sind ja auch immer ganz gut, wenn man die nicht alle in sich reinfrisst. Ich find’s gut, wenn die Musik so wahrgenommen wird, dass sie Spaß machen, aber in schweren Zeiten für manche Leute manchmal auch eine Stütze bedeuten kann. Das ist ein Riesenkompliment. Das ist wahrscheinlich mehr, als ich erreicht hätte, wenn ich irgendwo als Musiktherapeut gearbeitet hätte.

„Ich hab’ mir vorgenommen, mich nicht zu stressen“

Als Musiker hat man allerdings ein besseres Ventil als vielleicht manche Leute, die ihre Gefühle nicht so rauslassen können.

Ich finde, dass das größte Ventil das Singen an sich ist. Das kann auch jeder zu Hause machen oder in den Chor gehen. Diese körperliche Handlung Singen hat etwas total Erlösendes, Therapeutisches. Aber klar, die Musik ist ein großes Ventil für all das, was mich so umtreibt. Vor allem für meine Abgründe. Es ist schön zu wissen, dass ich denen immer einen Ort geben kann in den Songtexten und in den traurigen Akkorden.

Sie führen ja ein Notizbuch, eine Art Tagebuch. Haben Sie mittlerweile wieder so viel in Ihrem Notizbuch aufgeschrieben, dass man bald ein neues Gisbert-zu-Knyphausen-Album erwarten kann?

Ich bin am Schreiben, aber ich hab’ mir vorgenommen, mich nicht zu stressen. Aber es wird jetzt keine fünf Jahre mehr dauern. (lacht)

Gisbert zu Knyphausen, davor Wayne Graham, heute (Samstag), 20 Uhr, Geyserhaus-Parkbühne, Kleiststraße 52, Abendkasse 30 Euro

Von Dirk Hartmann

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