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Kultur Regional Tanzen, feiern und politische Botschaften: So war die Global Space Odyssey in Leipzig
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17:10 21.07.2019
Weit über tausend Menschen sind zur Global Space Odyssey durch Leipzig gezogen. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Aus der einen Ecke wabert GOA, ein östlich angehauchtes Subgenre von Techno, herüber. Aus der anderen Ecke ertönt der Live-Gesang einer Hiphop-Künstlerin. Und dazwischen die feiernde Menge, aus Besuchern verschiedenster Subkulturen.

Die Global Space Odyssey ist am Samstag unter dem Motto "Mitmischen" durch Leipzig gezogen. (Bilder: Dirk Knofe)

Die Stimmung ist nach fünf Kilometern Tanz-Weg und der knallenden Julisonne ausgezeichnet. „Eine Demo, bei der man im Freien tanzen kann, macht einfach Spaß. Gute Party, gute Stimmung“, erläutert Jule, eine langjährige Besucherin. Sie hat das Geheimnis einer friedlichen und gut gelaunten politische Kundgebung längst gelüftet. „Außerdem kommen hier alle zusammen!“, ergänzt sie. Sie verortet sich selbst im Gothic, hat hier aber die Freude an "Drum and Bass" entdeckt.

Das besondere an der Global Space Odyssey (GSO) ist die Herangehensweise, Forderungen zu vermitteln. Es geht auch anders als bei handelsüblichen Demos, bei denen man mit Bannern starr durch die Straßen zieht. Einen Tag im Jahr verfrachten die Clubs Leipzigs ihr vielfältiges Nachtleben auf LKW-Anhänger und bieten eine subkulturelle Erfahrung zum "anfassen". Jeder Besucher kann mal probieren, wie beim guten Obstbasar.

Bühne und Darstellungsfläche in einem

Die dieses Jahr zwölf Wagen haben dabei zweierlei Funktion. Zum einen sind sie die Bühnen der DJs und Sänger, zum anderen bieten sie Fläche für oftmals künstlerische Darstellungen von politischen Inhalten. Da wäre zum Beispiel der Wagen der "Soca Lions Community", die Mittel- und Südamerikanische Musik zelebrieren und zeigen möchten, dass das Zusammenkommen verschiedener Kulturen einen positiven Effekt auf die Gesellschaft in Leipzig und Sachsen habe, so der Pressesprecher. Eine Deko aus Handabdrücken verschiedenster Farben am Wagen sollen dies versinnbildlichen.

Den Wagen vom Team "INAR", auf dem vor allem House läuft, ziert dagegen ein auf Leipzig abgewandeltes Monopoly-Spielbrett. Dort prangen auf den Spielfeldern Namen von Clubs, die durch Privatisierung schließen mussten. Darüber ist zu lesen: „Ihr habt die Ganze Stadt verkauft“ und „Das Geld kommt, der Geist geht“. „Immobilienhaie zu Fischstäbchen“ steht wiederum auf dem Kleintransporter der Hip-Hop-Crew „Höhlenkollektiv“, unterstrichen mit der ausdrucksvollen Deko aus Pappmaschefischen und -häusern.

Der Zug zieht von Connewitz ins Zentrum

Die Karawane bahnt sich langsam ihren Weg von Connewitz in Richtung Zentrum. Eine Piratin auf Stelzen sorgt mit einer Wasserpistole für Abkühlung. Es wird geravt, gehopst oder sogar Capoeira praktiziert. Derweil wächst die Zahl der Gäste kontinuierlich auf, laut Polizei, rund 1900 Personen an. Flankiert wird die Demo von Zuschauern vor Geschäften und Restaurants - und von der allgegenwärtigen Wahlwerbung am Straßenrand zur kommenden Landtagswahl.

Diese Wahl ist auch einer der Kernthemen der GSO, wie spätestens 16 Uhr zur Zwischenkundgebung auf dem Augustusplatz klar wird. Alle Sprecher rufen zum Wählen auf. Tom Rodig von Die Partei, der an diesem Tag nicht kommen konnte, lässt sich von einem Kollegen imitieren und fordert den Austritt Leipzigs aus Sachsen. Zusätzlich gibt es zur diesjährigen Veranstaltung Wahlzettel, die anschließend gesammelt an den Landtag geschickt werden sollen, so Paul Schwabe von der AG Inhalt der GSO. Darauf sind Forderungen wie der Schutz von Kulturräumen zusammengefasst.

Ebenfalls bei der Kundgebung sprechen Kordula Kunert und Jürgen Kasek. Sie vertreten "LiveKomm", die Interessengemeinschaft für Leipziger Live-Musik-Spielstätten. Sie berichten von einer positiven Kommunikation mit der Stadt zum Thema Nachtbürgermeister. Außerdem hält die Ortsgruppe der Organisation "Ende Gelände" einen Redebeitrag über den geforderten Kohleausstieg.

Aftershow-Party im Elipamanoke und im Naumanns

Nach der intellektuellen Verschnaufpause am Springbrunnen zieht die GSO weiter gen Leipzig West. Denn: Die Party muss weiter gehen, na ja, oder rollen. Wer dann noch immer nicht genug hat von dieser außergewöhnlichen Stimmung, kann zur Aftershow im Elipamanoke und im Naumanns weiter tanzen.

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