Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Goldiger Schnitt beim Tanz im „Intershop“ im LOFFT
Nachrichten Kultur Kultur Regional Goldiger Schnitt beim Tanz im „Intershop“ im LOFFT
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:52 30.06.2019
Centurion“ von Fang-Yi Liu, beim „Intershop“ im LOFFT getanzt von Fang-Yi Liu und Yan Leiva. Quelle: Ida Zenna
Leipzig

Der „Intershop“ des Leipziger Balletts ist fester Programmpunkt, der einmal im Jahr kurz vor der Sommerpause Tänzerinnen und Tänzern der Company die Möglichkeit gibt, die, wie Ballettchef Mario Schröder sagt, „Perspektive zu wechseln und ihre eigene tänzerische Sprache zu entwickeln“. Sich also an eigenen Choreografien abseits des Repertoires und außerhalb des Opernhauses zu versuchen. Ein Unterfangen, für das als Kooperationspartner nicht zum ersten Mal das LOFFT fungiert.

Zur Premiere am Freitag war der Saal ausverkauft, die Stimmung gewogen bis begeistert. Und die neun Choreografien im gut zweistündigen Programm sind allesamt von jenem Ausdruckswillen geprägt, der bevorzugt in schönster Wohlgestalt und Harmonie über die Bühne schwingt und schwebt.

„Galaktisches Forschungsabenteuer“

Gelernt ist schließlich gelernt. Und verinnerlicht wurde dabei ganz offensichtlich auch eine künstlerische Perspektive, die dann eben – sei es aus Unwillen oder Unfähigkeit – weniger wechselt, als vielmehr wieder und wieder die choreografisch-tänzerische Variante dessen zeigt, was in der Malerei der Goldene Schnitt genannt wird.

Dass der nun wiederum oft auch künstlerisch nur goldiger Durchschnitt ist, mag jeder sehen, den Wohlgestalt und Harmonie nicht gleich reflexhaft in den gemütlichen Zustand harmonischer Wohligkeit versetzen.

Ein Zustand, der die Zuschauer bei diesem Intershop schnell ereilen kann. Interessanterweise gerade auch dann, wenn die Intentionen einzelner Choreografien etwas Aufregenderes versprechen. Ein „galaktisches Forschungsabenteuer“ als „Suche nach einer alternativen Zukunft“ etwa.

Böses F-Wort

Was bei Donna Mae-Burrows „GN-z11“ dann aussieht wie eine Serienfolge „Futurama“ mit dem Ballett des Friedrichstadtpalastes. Tänzerinnen mit schrillen Perücken und in Latex, eine Sängerin und DJane (die Leipzigern Anna SchuSchu) auf Plateausohlen und Songtexte mit dem bösen, bösen F-Wort. Dazu eine Darbietung, die irgendwann auch mal irgendwie aus irgendeinem Grund mit Lebensmitteln hantiert – und fertig ist, was exaltiert gemeint sein könnte, aber vor allem eben eins ist: goldig.

Zweites Beispiel: „Mujeres“ (Frauen) nennt Itziar Ducajú schlicht ihre Choreografie, die mit dem Satz „Endlich weiß ich, was mich bewegt!“ beginnt und ein Stück kämpferischen Feminismus erwarten lässt. Gegen die Rollenzuschreibungen und diskriminierenden Ausgrenzungen von Frauen – und vielleicht auch (wäre das nicht spannend?) gegen ein Frauenbild, das gerade auch im Tanz der Perspektive des idealisierten – und das heißt nicht zuletzt objektivierten – Körpers entspricht.

Eine Perspektive, die aber auch Ducajú beibehält, wenn sie drei Tänzerinnen als nach altbewährten Perspektiven schöne Frauenkörper in den schönen Bewegungen altbewährter Wohlgestalt und Harmonie inszeniert.

Faszinierender Moment

Natürlich sind die „Intershop“-Choreografien dezidiert ein Ausprobieren und bringen teilweise auch erste Versuche auf die Bühne wie im Fall von Mae-Burrows und Ducajú. Doch spricht es tatsächlich nur für Unerfahrenheit, dass dieser Abend insgesamt so sehr auf der sicheren Seite des Gewohnten bleibt, was formale Experimentierfreude oder inhaltlichen Perspektivwechsel betrifft? Wofür allein schon die Musik digitalen Beat-Getuckers nach Standardmodell ein Symptom ist: mal getragen schwelend, mal kräftig bumsend.

Und doch können auch andere Perspektiven aufblitzen: Dieser faszinierende Moment etwa in Jeanne Baudriers in „The shape between us“, wenn die Beats für Sekunden abbrechen und die im Titel erwähnte „Gestalt“ zwischen den zwei Tänzerinnen als tiefdunkler Dauerton droht, über den die Bewegungen wie über einem Abgrund fliegen.

Oder wenn in „Centurion“ von Fang-Yi Liu Tänzerin und Tänzer unter einem transparenten Stoff zum mystischen Einzelwesen, zum reizvoll befremdlichen Organismus transformieren.

Oder wenn in „Toothpicks“ (Francisco Baños Diaz) ein Duett schlicht die körperliche Verausgabung, die kontrollierte Ekstase riskiert. Es sind Momente –kurze nur und viel zu selten – in denen das Gewohnte ins Ungewohnte aufreißt, die Perspektiven tatsächlich wechseln.

Weiter Aufführungen: am 5. Juli (19.30 Uhr), 6. Juli (19 Uhr), 7. Juli (18 Uhr) im LOFFT; am 6. Juli gibt es nach der Vorstellung ein Speed-Dating mit Tänzerinnen und Tänzern des Leipziger Balletts; Spinnereistraße 7, Halle 7; Karten (20/17 Euro) gibt es bei der Oper Leipzig unter Tel. 0341 1261261

Von Steffen Georgi

Schwitzen, schwitzen und noch mehr schwitzen: Das galt zum Sonnabend auf dem Full Force Festival nicht nur für die Künstler auf der Bühne, sondern insbesondere für die Besucher. Bei Temperaturen über 30 Grad war viel Abkühlung gefragt.

29.06.2019

Am Donnerstag irisch, am Freitag spanisch und am Samstag amerikanisch: Das Publikum bekam beim 3. Neuseenland Musikfest in Zwenkau eine bunte musikalische Mischung geboten. Für den Samstag sind noch Restkarten verfügbar.

29.06.2019

Bevor Gisbert zu Knyphausen am Sonntag in Hamburg mit vielen anderen Künstlern wieder zum Aufgebot der Konzertreihe „Eine Million gegen Rechts!“ gehört, besucht er am heutigen Samstag mit seiner Band noch schnell die Geyserhaus-Parkbühne. Im Interview spricht der Musiker vorab über alternative Jugendzentren, politisches Songwriting und Musik als Therapie.

29.06.2019