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Kultur Regional Gothic-Schwermut und Hipster-Ironie
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14:28 27.10.2019
Mit Bühnenenergie: Lebanon-Hanover-Bassist William Maybelline. Quelle: Karsten Kriesel
Leipzig

Der goldene Herbst ist natürlich viel zu schön. Passender zur Atmosphäre der musikalischen Zusammenkunft am Samstagabend im Conne Island wäre vielmehr ein schneeregengrauer Novembertag gewesen. Dennoch könnte an diesem Tag in der restlos ausverkauften Alternativ-Hochburg der auf T-Shirts gedruckte Leitspruch der Hauptband des Abends kaum besser passen: „Sadness is Rebellion“.

Grauschleier über jeder Bühne

Seit gut neun Jahren wirft das schweizerisch-britische Dark Wave Duo zunehmend erfolgreich einen Grauschleier über jede Bühne, die sie betreten. Und begeistern damit ein erstaunlich bunt gemischtes Publikum. Fühlt es sich zum Teil so an wie zu Ur-WGT-Zeiten rund um den damaligen „Eiskeller“, zeugt der andere, der jüngere Teil vor allem von aktueller augenzwinkernder urbaner Club-Kultur.

Darkpop aus düster getragenen Synth-Wave-Landschaften

Am Sonnabend begeistern Lebanon Hanover mit doppelter Verstärkung: Pünktlich vor bereits gut gefülltem Parkett schiebt das Kölner Duo Box and the Twins die Stimmung schon einmal deutlich in Richtung schwerer Melancholie. Ihr sogenannter Darkpop besteht aus düster getragenen Synth-Wave-Landschaften mit schleppend-sonorem Frauengesang. Auch rein optisch bedienen die schwarz gewandete Carolin und der bärtige Mike im bunten Hemd die im Publikum wiederzufindende Bandbreite zwischen Gothic und ironisch abgebrühtem Hipster-Schlump.

Die Pariser Solokünstlerin Hante schlägt danach in eine ähnliche Kerbe, schafft es aber mit akzentuiert-wuchtigeren Elektronika, eingängiger Melodie und atmosphärischen Visuals, die Begeisterung und Bewegung im Parkett noch einmal zu steigern.

Perfekte Joy-Division-Gedächtnis-Atmosphäre

Lebanon Hanover schließlich erzeugen zunächst die perfekte Joy-Division-Gedächtnis-Atmosphäre: Drohend-treibende Bassläufe und fast schüchterne Post-Punk-Gitarren-Riffs treffen auf sonoren Gesang und Synth-Untergründe. Understatement wird im ersten Drittel ihres Konzertes großgeschrieben und fördert damit das Eintauchen eines jeden Einzelnen in die eigene tief-melancholische Traumwelt. Aber bei der reinen Referenz-Nummer bleibt es nicht: Charakteristisch ist für Lebanon Hanover neben dem Retro-Charme vor allem auch der Wechselgesang zwischen Gitarristin Larissa Iceglass und Bassist William Maybelline. Daneben trägt die wuchtige Kraft der eingespielten Beat-Samples die analoge Post-Punk-Stilistik problemlos auf heutige Bühnen. Insgesamt ist auch der Einfluss der 1980er-Jahre schwer zu übersehen und -hören.

Bewegungsfreude auf der Bühne und im Saal

So steigert sich Bühnenenergie parallel zur Verbreiterung des musikalischen Angebots. Zwar bleibt die Grundatmos-phäre düster und melancholisch, aber angereichert durch die Komponenten brachialeren EBMs mit akzentuierteren Beats und den Punk zunehmend ablösenden Synthie-Einflüssen. Auch die Bewegungsfreude auf der Bühne passt sich der im Saal an. Derart in den Rausch getanzt, fühlt es sich wohl immer zu früh an, wenn eine Band die Bühne verlässt, Lebanon Hanover verabschieden sich das erste Mal bereits nach knapp einer Stunde. Immerhin kommen sie noch zweimal für ausgiebige Zugaben zurück. Und schlussendlich haben sie es geschafft, das Publikum derart in nächtliche Tanzmelancholie zu tauchen, dass zur anschließenden Aftershow mit DJ die Tanzfläche nahtlos gut gefüllt bleibt.

Von Karsten Kriesel

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