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Kultur Regional Größtes Lese-Festival Mitteleuropas spricht fünf Sprachen
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13:26 26.07.2019
Petr Minařík (links) and Pavel Řehořík, Gründer des Lese-Festivals ARM. Quelle: David Konečný
Leipzig

Als einer von fünf tschechischen Schriftstellern schrieb Petr Borkovec dieses Jahr im Vorfeld der Leipziger Buchmesse als Stipendiat in Leipzig. Wer die Texte des Lyrikers und Erzählers kennen lernen möchte, der hat in diesen Tagen die Möglichkeit dazu – müsste allerdings nach Brünn (Tschechien), Košice (Slowakei), Ostrava (Tschechien), Breslau (Polen) oder Lwiw (Ukraine) reisen.

Fünf Städte, vier Länder als Gastgeber, ein literarisches Gastland, in diesem Jahr Rumänien, und neben Borkovec rund 100 Autoren. Das sind die groben Kennzahlen des Authors’ Reading Month (ARM), dem Lesemonat der Autoren, der noch bis 4. August in den fünf genannten Städten stattfindet. Ein Literatur-Festival, das im Jahr 2000 beschaulich in Brünn begonnen hat, aus der Taufe gehoben von den Gründern des Brünner Verlages Vetrné mlýny. Über die Jahre ist es mit Partnern in den Nachbarländern kräftig gewachsen. Zuletzt kam 2015 die Ukraine hinzu. Die Veranstalter sprechen mittlerweile vom größten Literatur-Festival Mitteleuropas, was sich mit einer entsprechend gewählten Definitionen von „Mitteleuropa“ oder „Literatur-Festival“ wohl halten lässt.

Aber es geht ohnehin nicht um Superlative – das Bemerkenswerte am ARM ist, dass es die Region über die nationalen und Sprachgrenzen hinweg als einen Literaturraum mit gemeinsamen kulturellen Wurzeln begreift. Was sich schon in der Programmgestaltung spiegelt: Jeweils im Tandem mit einem rumänischen Schriftsteller reisen und lesen die Autoren aus den Gastgeberländern und gelten gemeinsam als Heim-Autoren. „Wir glauben, dass wir sie als Heim-Autoren bezeichnen können, schließlich sprechen wir von Mitteleuropa“, sagt Petr Minarík, Programmdirektor des ARM und einer der Gründer von Vetrné mlýny.

Das ist ein bewusst ausgespieltes Bekenntnis in einem sich zersplitternden Europa, dessen eigenbrötlerische Tendenzen sich kaum irgendwo so gut ablesen lassen wie in Tschechien. Trotz der Nähe der Sprachen versiegte der literarische Austausch zwischen der Tschechischen und Slowakischen Republik binnen weniger Jahre nach der Gründung der beiden Länder 1992. Tomáš Kubícek, Leiter des tschechischen Gastlandauftritts bei der diesjährigen Leipziger Buchmesse, nannte im Vorfeld der Messe die damalige Spaltung einen Schock. „Es war normal, dass man beide Sprachen verstand und las.“ Für die jungen Tschechen hingegen sei die Slowakei nur „irgendein Land im Osten“. Auch Minarík beklagt, dass die slowakische Literatur in seinem Land keine Rolle mehr spielt: „Auf diese Weise verlieren wir einen Teil unserer eigenen Identität.“

Nicht nur Tschechen und Slowaken blicken wenig über den literarischen Tellerrand. Die rumänische Dichterin und einstige Dissidentin Ana Blandiana, formulierte es auf dem Festival so: „Alle interessieren sich für Amerika oder Frankreich, aber wir haben keine Ahnung davon, was sich bei den Nachbarn abspielt. Das ist schade.“

Vetrné mlýny wiederum fällt immer wieder mit Anstrengungen auf, literarische Brückenschläge zu leisten. In Kooperation mit dem österreichischen Wieser Verlag gab er dieses Jahr zur Buchmesse die zehnbändige Edition „Tschechische Auslese“ mit Übersetzungen ins Deutsche heraus. Unter den Autoren befinden sich Michal Viewegh, Dora Cechova und Petra Soukupová für die man in diesem Jahr übrigens nicht bis Brünn oder Ostrava fahren muss – sie sind zwischen Ende August und Anfang November noch bei Lesungen in Dresden zu erleben. (Termine auf www.wieser-verlag.com)

Einige der tschechischen Autoren aus dem ARM-Programm wie Marek Toman oder Viktorie Hanišová haben sich dem hiesigen Publikum bei der Leipziger Buchmesse vorgestellt. Aus der Ukraine ist unter anderem Myroslav Lajuk dabei, ein junger, bereits vielfach ausgezeichneter Autor. Vor allem dominiert das Gastland das Programm. Im Tandem mit Borkovec etwa liest die Dramatikerin und Regisseurin Gianina Carbunariu. Ebenso reist für Rumänien Catalin Dorian Florescu an – der damit durch die Hintertür die Schweiz und den deutschen Sprachraum ins Programm bringt. Florescu lebt seit 1982 in Zürich und schreibt auf Deutsch.

Minarík und seinen Kollegen sind solche Zuordnungen ohne klare Grenzziehung nur recht. Hauptsache es kommt zum fruchtbaren Austausch. Das Festival selbst bietet zu den Veranstaltungen fragmentarische Übersetzungen aus den Büchern der Lesenden – nicht zuletzt um Verlagen in den jeweiligen Ländern einen Anstoß zu geben, sich die Übersetzungsrechte zu sichern.

Internationale Kooperationen seien dem Verlag schon immer wichtig gewesen, sagt Minarík. Man wolle die „typisch tschechische Introvertiertheit und Bequemlichkeit“ bekämpfen. „Ich denke, das ist sehr wichtig für uns Tschechen.“ Und wenn Minarík von der Literatur spricht, mit der er den Blick seiner Landsleute weiten will, dann denkt er politische Tendenzen gleich mit und verweist auf die gesellschaftliche Spaltung innerhalb vieler Länder Europas. Er sieht eine Diskrepanz zwischen pro-europäischen Strömungen, die häufig in den Hauptstädten gebündelt seien und der Peripherie als Becken für nationalistische und populistische Tendenzen. „Dagegen wollen wir kämpfen“, sagt Minarík. Und hält es auch deshalb für sinnvoll, dass sich das Festival abseits der Hauptstädte bewegt.

Ursprünglich war der Authors’ Reading Month nicht international angedacht, sondern sollte schlicht eine Lücke füllen. Das Lesungs-Genre sei vor 20 Jahren in Tschechien noch nicht so entwickelt gewesen wie in den deutschsprachigen Ländern. Die weiteren Partner haben schließlich irgendwann angeklopft. „Wir haben nicht danach gesucht, sondern wurden angesprochen. Und es wäre wunderbar, wenn es weiterginge und in Zukunft Städte aus Ungarn, Österreich oder Deutschland dabei wären.“

Von Dimo Rieß

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