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Kultur Regional Große Concerte, 28 davon mit Andris Nelsons am Pult, große Namen, neue Maßstäbe
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16:07 26.03.2019
Andris Nelsons bei der Präsentation der kommenden Gewandhaus-Saison. Quelle: Kempner
Leipzig

Sein Vorgänger Riccardo Chailly hat sie immer weiter vor sich hergeschoben – und schließlich abgesagt. Andris Nelsons dagegen scheint wild entschlossen, schnell Nägel mit Köpfen zu machen. Und so stellt er seine Auseinandersetzung mit dem Opus summum der europäischen Kirchenmusik bereits ans Ende seiner ersten vollständigen Saison als Gewandhauskapellmeister. Gestern Vormittag präsentierte er sie gemeinsam mit Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, Gewandhausdirektor Andreas Schulz, Konzertbüro-Leiter Tobias Niederschlag und dem kommenden Gewandhauskomponisten HK Gruber der Presse, am Abend dann im großen Saal dem Publikum.

Romantisch statt vegetarisch

Bachs h-moll-Messe also. Mit ihr beendet Nelsons das Leipziger Bachfest 2020 in der Thomaskirche, sie steht danach am 4. Juli im Zentrum der Gewandhaus-Residenz im Festspielhaus Baden-Baden und begleitet den erst 40-jährigen Gewandhauskapellmeister schon lange. Seine erste Auseinandersetzung mit diesem Meisterwerk, das jeden formalen, intellektuellen, spirituellen und humanistischen Rahmen sprengt, war sozusagen eine von innen: In seiner Heimatstadt Riga in doppelter Funktion als Solo-Trompeter und Solo-Bassist. In hinreißendem Ruinen-Deutsch, das indes immer besser wird, weil Nelsons eisern Stunden nimmt bei jedem seiner Leipzig-Aufenthalte, erzählt er von dieser Erfahrung, läuft hin und her, singt mit Ehrfurcht gebietendem Bass, strahlt übers ganze Gesicht – und lässt keinen Zweifel daran, wie sehr er sich auf diese Aufgabe freut. Denn „das Größte von Bach am originalen Ort, mit dem Orchester, das diese Musik in der DNA trägt, das ist schon etwas wunderbar, sehr wunderbar Besonderes. Da werde ich gar nicht wirklich dirigieren müssen, wir atmen und musizieren einfach zusammen.“ Und seine Ausführungen lassen ahnen, dass es dabei eher „romantisch“ und nicht allzu „vegetarisch“ zugehen wird.

Neues und Unbekanntes in den Genen

Nelsons singt noch öfter bei dieser munteren Spielzeit-Präsentation. Er singt Schumann und Bruckner, um zu verdeutlichen, wie sehr das Gewandhausorchester und diese Musik zusammengehören. Er weicht aber auch in Zukunft kein Jota ab von seinem Entdeckerweg. Denn „der Einsatz für Neues und Unbekanntes steckt auch in den Genen des Orchesters“. Und so wird es neben Ur- und Erstaufführungen unter anderem von Sofia Gubaidulina, Betsy Jolas, Ella Milch-Sheriff, Steffen Schleiermacher und natürlich vom Gewandhauskomponisten Gruber einen Schwerpunkt mit Werken des wunderbaren Postromantikers und Schostakowitsch-Freunds Mieczyslaw Weinberg (1919–1996) geben. Hierzu hat sich Gidon Kremer angekündigt, als Solist im Großen Concert, gemeinsam mit seiner Kremerata Baltica und am Klavier begleitet von Martha Argerich. Dazu spielt auch das kommunale Jubeljahr „Clara19“ eine Rolle im Spielplan (unter anderem mit dem von Nelsons höchstselbst dirigierten sozusagen offiziellen Konzert am 13. September, dem 200. Geburtstags Clara Schumanns). Und die dritte Boston-Woche setzt sich vom 28. April bis zum 1. Mai ausführlich mit dem Wirken Serge Koussevitzkys (1874–1951) auseinander. Von 1924 bis 1949 war er als Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra Nelsons’ Amtsahn, gründete das Tanglewood-Festival und bereicherte mit seinen Kompositionsaufträgen das Repertoire wie kein zweiter Dirigent.

Deutsches Kulturjahr in den USA

Die transatlantische Zusammenarbeit zwischen den beiden Orchestern Andris Nelsons’ nimmt auch immer konkretere Züge an. Der Musiker-Austausch zwischen den Klangkörpern ist angelaufen. Derzeit versehen ein Kontrabassist und ein zweiter Geiger vom Boston Symphony Orchestra ihren Dienst im Gewandhausorchester. Und im Herbst stehen die ersten gemeinsamen Konzerte der beiden eng verbundenen Traditionsorchester an: Sie stehen am Ende der Gewandhaus-Residenz in Boston, die ihrerseits das Deutsche Kulturjahr in den USA beendet. Ein Ereignis von höchster kultureller und protokollarischer Strahlkraft.

Vierte Neunte zum Jahreswechsel

Auch das Beethoven-Jahr wirft bereits lange vor dem 250. Geburtstag des Komponisten am 17. Dezember 2020 seine Schatten voraus: Beethoven und Mendelssohn durchziehen als gemeinsamer Schwerpunkt die kommende Saison des Orchesters, das als erster Klangkörper weltweit 1825/26 einen Zyklus mit allen neun Sinfonien des Bonners spielte und dieser Tradition auch unter Mendelssohn und allen späteren Gewandhauskapellmeistern treu blieb. Folgerichtig beginnt das Beethoven-Jahr im Gewandhaus mit beiden. Daniele Gatti dirigiert am Neujahrs-Abend eine vierte Aufführung der traditionellen Jahreswechsel-Neunten – kombiniert mit Mendelssohns Psalm „Wie der Hirsch schreit“. Darüber hinaus dreht Nelsons seinen Bruckner-Zyklus mit der Ersten, der Zweiten und der Achten weiter, erfüllt das Gewandhausorchester seinem Ehrendirigenten Herbert Blomstedt den Wunsch eines kompletten Brahms-Zyklus im Konzert und auf CD.

Normale Saison mit großen Namen

Im Gegensatz zur 238. Saison, die im Zeichen des 275. Orchestergeburtstags und Nelsons’ Amtsübernahme stand, ist die 239. eine eher normale. Sie bietet 70 Große Concerte, von denen Nelsons 28 dirigiert – und weitere 20 auf Tour. Dennoch prunkt sie mit vielen großen Namen. Bei den Dirigenten kommen beispielsweise Daniele Gatti, Andrés Orozco-Estrada und Alan Gilbert wieder, und Franz Welser-Möst dirigiert das Benefiz-Konzert für die Stiftung Leipzig hilft Kindern am Vorabend des ersten Advent. Die russische Dirigenten-Legende Juri Termirkanov (Jahrgang 1938) dirigiert zum ersten Mal seit 1970 wieder das Gewandhausorchester, und unter den Debütanten ragt Antonio Pappano hervor. Im Konzert sind Pianisten vom Kaliber András Schiffs, Pierre-Laurent Aimards, Igor Levits, Denis Matsuevs zu Gast, die Geiger Leonidas Kavakos, Vadim Repin, Gidon Kremer und Lisa Batiashvili, die Cellisten Gautier Capuçon und Sol Gabetta. Und mit dem Klavier-Zyklus verschiebt Tobias Niederschlag erneut die Leipziger Maßstäbe: Neben Martha Argerich haben Daniil Trifonov, Jewgenij Kissin, Hélène Grimaud und Lang Lang ihr Kommen zugesagt. Wobei Letzterer nicht im Gewandhaus spielt, sondern die Goldberg-Variationen in der Thomaskirche.

Von Peter Korfmacher

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