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Kultur Regional Großer Auftritt für Schade und Schlesinger
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14:26 31.07.2018
Experimentierraum spartenübergreifender Interaktion: Bühnenbild „Der Kiosk“ von Titus Schade im Museum der bildenden Künste. Quelle: Kempner
Leipzig

Es ist ein seltsamer Kiosk, als hässlicher, grauer Kubus an zwei Fachwerkhäuser angeklebt. Was man da kaufen kann, ist nicht zu erkennen. Draußen liegen Holzscheite rum, an die Wand wurde das Porträt eines bärtigen Alten gemalt.

Seltsam erscheinen alle Veduten Titus Schades in ihrer Ambivalenz von Vertrautem und gründlicher Störung der Geborgenheit. Die Fachwerkhäuser gelten als urdeutsch, auch wenn das nicht ganz stimmt. Doch bei Schade werden sie zu Versatzstücken, mit gesichtslosen Nachkriegsbauten kombiniert und diversen Utensilien angereichert. Er lässt keinen Zweifel daran, dass es Fantasiegebilde ohne konkrete Vorlagen sind .

Das Kulissenhafte wird durch die Lichtstimmungen unterstrichen, die keiner natürlichen Nacht entsprechen, aber auch durch das Aufzeigen der Flachheit artifizieller Fassaden und ihre Positionierung auf künstlichen Sockeln.

Titus Schade mit seinem Bild „Die Große Kultstätte“ im Bildermuseum. Quelle: André Kempner

So verwundert es nicht, dass Schauspielhaus-Intendant Enrico Lübbe auf Titus Schade zuging mit der Bitte, ihm ein Bühnenbild zu entwerfen. Der Maler zierte sich noch etwas wegen der für ihn ungewohnten Aufgabe, realisierte dann aber zusammen mit der Bühnenbildnerin Marialena Lapata die Ausstattung des Stückes „Wolken.Heim“ von Elfriede Jelinek. Ausgewählt wurde für diese Text-Collage von Romantikern bis RAF eben jener Kiosk des Gemäldes, übersetzt ins Dreidimensionale.

Die Spielzeitpause am Theater wird genutzt, um das Ganze zeitweilig in jenen Raum des Museums zu verpflanzen, in dem gerade noch ebenfalls für die Bühne entstandenen Arbeiten Tilo Baumgärtels zu sehen waren. Hier darf der Besucher aber selbst zwischen den Kulissen wandeln. Dieser Experimentierraum spartenübergreifender Interaktion soll laut Direktor Alfred Weidinger fortgeführt werden. Zugleich ist es auch ein weiterer Schritt, das Museum mit anderen Institutionen der Stadt zu vernetzen. So eine reibungslose Kooperation wie mit dem Schauspielhaus habe er selten erlebt, sagt WeidingerMehr zur Ausstellung.

Ewige Suche

Zeitgleich eröffnet eine kleine Retrospektive zum Werk Gil Schlesingers, der von 1956 bis 1980 in Leipzig gelebt hat. In der Leipziger Malerei war er eine Ausnahmeerscheinung mit seinem Verzicht auf Figuration. Doch bis dahin war es ein langer Weg. Die frühen Arbeiten sind noch sehr epigonenhaft, diverse Vorbilder der Klassischen Moderne von Cezanne bis Tapies lassen sich herauslesen.

Doch in den 60er Jahren fand ein Übergang statt. Dass Abstraktion kein Zustand, sondern ein Prozess ist, wird in seinem Werk gut sichtbar. Zunächst gab es noch figürliche Elemente und erzählerische Titel. Dann aber siegten die reinen Formen. Hinzu kam das Experimentieren mit Materialien, die man nicht bei Boesner bekommt.

Schlesinger malte auf gebrauchte Sackleinwand, vermischte die Grundierung mit Asche und anderen eher kunstfremden Materialien. Die Töne sind gebrochen, selten einmal leuchtend, aber dennoch nicht durchweg düster. Um die Jahrtausenwende kam eine erneute Verschiebung der Aufmerksamkeit hinzu. Die Konturen verhärteten sich, Zeichen und Ziffern tauchen auf.

Bilder von Gil Schlesinger. Quelle: André Kempner

Gil Schlesinger hat keinen leichten Lebensweg hinter sich. 1931 im tschechischen Aussig geboren, musste die jüdischen Familie während des Krieges drei Jahre in einem Versteck ausharren. Anfang 1948 ging er allein nach Palästina. In Jerusalem hatte er im Atelier Yehuda Bacons so etwas wie eine Epiphanie, als er ein durch die Beleuchtung herausgehobenes Porträt auf der Staffelei sah. Er begann, sich für Kunst zu interessieren.

Sieben Jahre später kehrte er nach Ostdeutschland zurück, studierte dann an der Leipziger Fachschule für angewandte Kunst, hatte verschiedene Anstellungen, schließlich Freiberuflichkeit. In der Szene der sich gerade herausbildenden Leipziger Schule wurde er zwar als Kollege geschätzt, mit seiner ganz anderen Art der Bildfindung aber nicht unterstützt. 1980 siedelte Schlesinger nach Bayern über, heute lebt er in Pfaffenhofen.

Gil Schlesingers Werk scheint eine ewige Suche zu sein. Die gezeigte Auswahl von Arbeiten des zwei Generationen entfernten Kollegen Titus Schade wirkt dagegen in sich abgeschlossen, fast schon vollendet in einem unverwechselbaren Personalstil. Doch sieht man andere Malereien Schades, so wie sie im Vorjahr in Wolfsburg zu sehen waren, wird man von reduzierten bis abstrakten Bildern überrascht. Die Leipziger Malerei ist keineswegs so festgelegt, wie es manchmal behauptet wird. Gut, dass Schenkungen von Schade und Schlesinger an das Museum dies auch zukünftig dokumentieren können.

Titus Schade, Plateau: Eröffnung am 28. Juni, 18.30 Uhr, bis 26. August; Gil Schlesinger: bis 19. August, Di und Do–So 10–18 Uhr, Mi 12–20 Uhr; Museum der bildenden Künste Leipzig, Katharinenstr. 10

Von Jens Kassner

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