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Kultur Regional Großformatiges Porträtkonzert in der Philippuskirche
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12:23 26.05.2019
Geburtstagskonzert für Bernd Franke in der Philippuskirche. Quelle: André Kempner
Leipzig

Am 14. Januar wurde Bernd Franke 60 Jahre alt. Das ist zwar kein kanonisches Jubiläum, aber immer noch Grund genug, dem Leipziger Komponisten und Professor am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität in der Philippuskirche mit einiger Verspätung ein großformatiges Geburtstagskonzert zu widmen. Denn Bernd Franke, der die Grenzüberschreitung, besser: die ästhetische Schrankenlosigkeit aller Art wie eine Monstranz vor sich herträgt, gehört zu den international erfolgreichsten Tonhöhen-Organisatoren Leipzigs.

„Daheim in der Fremde“

Das Porträtkonzert in der bestens besuchten Lindenauer Philippuskirche am Kanal zeigt eindrucksvoll, warum das so ist: „Daheim in der Fremde“ ist es überschrieben – womit der Komponist seine eigene Situation ziemlich kühn kurzschließt mit der Adel Karasholis, auf dessen Texten das gleichnamige Werk für Bariton, Sprecher, Oud, Rahmentrommel und Orchester beruht. Denn weder die Heimat, noch die Fremde, die der 1932 in Damaskus geborene Exil-Syrer Karasholi in Verse von bewegender Schlichtheit gegossen hat, sollte der Exil-Weißenfelser Franke im Ernst für sich reklamieren.

Und doch passt der Titel ganz gut zum Konzert. Jedenfalls zur Koketterie, mit der Franke im namensgebenden Werk das Daheim und das Fremde in eins zwingt. Am stärksten ist das, wenn Karasholi mit unpathetisch knarzender Stimme seine vibrierenden Verse vorträgt und im Hintergrund das Philharmonische Orchester des Staatsorchesters Cottbus unter der präzisen Leitung Alexander Merzyns dezent irisierende Teppiche auslegt.

Wohlfeiler Exotismus

Erhebt indes Andreas Jäpel mit prophetischer Wucht seinen gewaltigen Bariton oder tragen Cham Saloum singend und an der Laute Oud sowie Nora Thiele an der Rahmentrommel nahöstliche Trouvaillen vor, erscheint der Exotismus des umfänglichen Werks doch ziemlich wohlfeil.

Was ihm nichts von seiner unmittelbaren Wirkungskraft nimmt. Die erhebliche Begeisterung in der Philippuskirche am Ende des rund zweieinhalbstündigen Konzerts lässt daran keinen Zweifel. Und bei den anderen Werken des Abends fällt der Befund nicht grundsätzlich anders aus. Bernd Franke überfrachtet seine Musik nicht intellektuell oder konstruktiv. Frei nach Wagners Meistersinger-Sachs, hat er für jedes Werk eine Idee, macht sie zur Regel – und folgt ihr dann.

Philharmonischer Glamour

Bei „Daheim in der Fremde“ sind dies die mikrotonal aufgehübschte Orientalismen. Beim Orchesterwerk „Veil (II)“ sind sie es im Grunde auch. Hier schlagen Sexten und Sekunden über und in Moll-Akkorden ihre Widerhaken ein und sorgen mit gekonntem instrumentatorischem Aufwand für philharmonischen Glamour.

Diese Musik macht es ihren Interpreten leicht – unter der Voraussetzung, dass die erstklassig sind. Das Orchester aus Cottbus ist es. Und so muss Alexander Merzyn am Pult nicht viel mehr machen, als die ganze Chose mit seinem so uneitlen wie präzisen Schlag beisammenzuhalten.

Die erste Halbzeit gehört dem Vokalwerk Bernd Frankes. Und auch hier kann er sich verlassen auf die fabelhaften Interpreten dieses naturgemäß etwas buntscheckigen Porträt-Konzerts. Das Vocalconsort Leipzig beispielsweise holt unter der Leitung von Franziska Kuba, mit dem schlackenlos strahlenden Sopran Kathleen Dankes und der sinnlich prallen Bratsche Manon Gerhardts aus der recht frommen „Nähe“ nach den Psalmen von Said heraus, was herauszuholen ist.

Eng geführter Kanon

Die Homogenität und Klangschönheit, die die rund drei Dutzend Sängerinnen und Sänger in Frankes konsequent gesetzten Tönen vorfinden, sind schon ziemlich beeindruckend. Was noch mehr fürs Ensemble Amarcord bei den „Questions“ für fünf Stimmen gilt, die den Abend eröffnen.

Auch hier ist der Satz bestürzend schlicht in seiner Klarheit, der eng geführte Kanon das beherrschende Prinzip. Aber wie Robert Pohlers, Wolfram Lattke, Frank Ozimek, Daniel Knauft und Holger Krause die schlichten Linien zu Klängen verschränken, die etwas manierierte Raum-Dramaturgie mit samtenen Farben füllen, die Texte sprechen lassen wie die vom Text und der Linie gezeugten Zusammenklänge, das ist schon eindrucksvoll. Der Applaus ist es auch.

Von Peter Korfmacher

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