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Kultur Regional Gutmenschenmedley: Sting beglückt sein Publikum in Halle
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13:27 07.07.2019
Drahtig, agil und allürenfrei: Sting spielte seine Hits in Halle. Quelle: Holger John
Halle

Der Abend lau, der Altersdurchschnitt recht hoch. Im Gewimmel der Tausenden am Samstagabend vor der Freilichtbühne Peißnitz in Halle ist die Stimmung bestens. Das Fachgesimpel umkreist etwa die Frage, welches seine beste Platte ist. Überraschend schnell einigt man sich auf „Bring On The Night“ von 1986, weil die Begleitband so hervorragend war. Vorausgesetzt natürlich, man lässt die fünf Alben von The Police außen vor. Lang ist’s her, weißt du noch? Und so vergeht die Zeit.

Dann machen die Techniker auf der Bühne ihren Job. Auch sie sehen aus, als wären sie nicht erst seit gestern dabei. Alles relaxt, kein großes Brimborium, erst recht keine Vorband, dann erkennt man den Gitarristen Dominic Miller, der lange dabei ist als eine Art gute Seele der Band. Der zweite Gitarrist ist sein Sohn Rufus. Tatsächlich: Man ist in Familie. Und war das eben am Bühnenrand nicht Trudie Styler, mit der er seit 1992 verheiratet ist und vier seiner sechs Kinder hat? So wird es 20.08 Uhr und wie beiläufig steht Sting pünktlich im Zentrum der schwarz gehaltenen Bühne.

Drahtig, agil und allürenfrei

Drahtig, agil und allürenfrei holt er sein Publikum ab zum Einsteigen in den Zeittunnel. Es beginnt mit „Message In A Bottle“ aus guten alten Police-Tagen, gefolgt von „If I Ever Lose My Faith In You“. Schon da greifen diese den Abend durchziehenden Mitklatschanimationen des Charismatikers, der zu seinem Gutmenschenmedley lädt. Hier gibt’s auch die erste Anrede ans Volk: „Halle!“ Dann bringt ein Subalterner den Tee, und es ist klar, was folgt: „Englishman in New York“. Da macht er zum ersten Mal die Leute zu seinen Leadsängern. Die Stimmung ist zugeneigt bis selig, alte Bekannte treffen und hören alte Bekannte. Und je länger das so läuft, umso klarer wird, welch großer gemeinsamer Nenner dieser inzwischen 67-jährige Gordon Matthew Sumner ist, der Sting genannt wird wegen eines gelb-schwarz quergestreiften Pullovers, der ihn mal wie eine Biene aussehen ließ.

Heraus aus dem Tümmerfeld des Punk

Das war noch im nordenglischen Industriekaff Wallsend, wo die Arbeiterarmee mit Blaumann, Butterbrot und Thermosflasche zur Werft zog. Hier hatte sein Vater einen Milchladen, seine Mutter war Friseuse. Keiner von beiden erlebte sein 60. Jahr. Ein sensibler Junge las und träumte sich weg, wurde Lehrer und infizierte sich mit dem Sound einer neuen Generation. Jack Bruce, Ginger Baker und selbst Jimi Hendrix konnte er leibhaftig sehen. Kein Wunder, dass einer die Künstlerpose suchte in Trioformaten wie Experience und Cream. Sein angehäuftes Bildungsgut kanalisierte der Sänger mit der hohen Stimme und den treibenden Basslinien in markante Texte. Und die Musik von The Police spannte den Reggae vor die Muskelkraft des Rock ‘n‘ Roll, um einen Weg heraus aus dem Trümmerfeld des Punk zu finden.

Im Prinzip ist das so geblieben bis hin zu Stings lockerer Kollaboration mit Shaggy im Vorjahr. Der Gelegenheitsschauspieler und manchmal auch überambitioniert Kunst wollende Sting ist am besten, wenn er unbeflissen, beiläufig und mit ansteckendem Musikantentum bei seinem Kerngeschäft bleibt. So wie in Halle, wo er die Stoffe seines Lebens hinbreitete, um an einer der sechs deutschen Stationen seiner gigantischen Europatournee seine jüngste CD „My Songs“ zu promoten.

Gänsehausfeeling pur

„Every Little Thing She Does Is Magic“, „Fields Of Gold“, „Shape Of My Heart“, „Walking On The Moon“, „So Lonely“, „Roxanne“, „Demolition Man“ und dann natürlich als Finale „Every Breath You Take“. Dann als Zugabe Sting an der ein bisschen spanisch klingenden Akustikgitarre mit „Fragile“. Noch einmal balladeskes Gänsehautfeeling pur. Dann ist des Guten genug und Schluss um 21.28 Uhr. Siebzehn Songs in achtzig Minuten, keine großen Solos, alles behält Singlelänge, keine Botschaftshuberei, stattdessen perfektes Handwerk, Authentizität und richtig gute Songs, die sich neben der Zeit in hoher Emotionalität einfrästen. Dazu muss Sting das Rad nicht neu erfinden und hippe Trends schon gar nicht. Sein Publikum dankt es ihm hingerissen, dass er wirklich erschienen ist, und verstreut sich beglückt in die Nacht.

Von Ulrich Steinmetzger

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