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Kultur Regional Frostige Euphorie in der Leipziger Moritzbastei
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16:46 26.01.2020
Die Band Eisfabrik mit Sänger „Dr. Schnee" Charly Barth-Ricklefs beim Konzert in der Moritzbastei. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

So langsam haben die Außentemperaturen eingesehen, dass Januar ist. Schnee allerdings fällt am Samstagabend in Leipzig nur im Keller, aus der Maschine in der Moritzbastei. Und wo Kunstschnee ist, sind auch Plüschyeti und kalte Lichtakzente nicht weit. Die Hamburger Konzeptband Eisfabrik hat zum Kryothermalfest geladen und taucht mit energischer Performance die doch recht warme, weil rappelvolle Veranstaltungstonne in eine Winterlandschaft.

Zwei Bands dürfen vorwärmen

Vor der Abkühlung dürfen zunächst zwei Gäste vorwärmen. Eher sommerlich beschwingt eröffnen den Abend Beyond Obsession mit fluffig leichtem Synthie Pop, der deutlich mehr Betonung auf den Pop legt. Und in einem Andy-Bell- oder frühen George-Michael-Ähnlichkeitswettbewerb wäre Sänger Nils Upahl auf keinen Fall Letzter geworden.

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Deutlich brachialer geht es danach mit Intent:Outtake zu. Die düster zurecht geschminkte und kostümierte Leipziger Dark Elektro und EBM Formation werden zu ihrem Heimspiel sichtlich euphorisch empfangen. Man muss es nicht gleich Gesang nennen, was die beiden Musiker hier mit schwitzigem Männerpathos hervor pressen. Sie tun es jedoch mit derart gut gelaunter Energie, dass schnell auch im Parkett mitgegrölt wird.

Zwischen Leichtigkeit und Brachialität

Eisfabrik schließlich nehmen sich zwischen Leichtigkeit und Brachialität das Beste von Beidem und warten mit sauber geschliffenem Future Pop auf. So wird ironischerweise ihr häufig mit 1980er-Anleihen und anderen Retro-Sounds versehenes Elektro- und Synthiepop-Subgenre genannt, das sie sich mit Szenegrößen wie VNV Nation und Covenant teilen. Bei Eisfabrik ist der Einschlag rund um den Gesang von „Dr. Schnee" (Charly Barth-Ricklefs) noch etwas poppiger, zuweilen sogar mit NDW-Anleihen versehen. Passend dazu weist Barth-Ricklefs Erscheinung klar Joachim-Witt-Gedächtnispotential auf.

Aber auch, wenn sie mit ihrer Musik weder das Rad neu erfinden, noch sonderlich „zukunftsweisend" wären, Talent zum melodiös-eingängigen und mit so mancher Athmo-stützenden Spielerei versehenes Songwriting kann man ihnen nicht absprechen. Ebenso wenig eine energiegeladene Performance, die vom euphorischen Publikum mehr als goutiert wird. Gern erinnern Eisfabrik im Jubelreigen an ihren ersten Auftritt in Leipzig vor ziemlich genau fünf Jahren. Recht fleißig haben sie seitdem ganze fünf Studioalben veröffentlicht, das neuste präsentiert passend zum Tourmotto natürlich „Kryothermalmusik".

Kunstschnee und Yeti

Solange Beats, Melodien und Samples laufen, sitzt die Show perfekt. Leider verliert sie sich daneben in zum Glück sparsamen Zwischenansagen in Humor aus der billigen Mann-Frau-Klischeeschublade, der hart am Sexismus vorbei schrammt. Doch davon abgesehen, wissen sie sich zu inszenieren: Neben Kunstschnee, Yeti-Auftritt und phantasievoll frostiger Schminkmaske wird selbst spontan noch die durch den Tourmanager versehentlich verursachte technische Panne umgehend in ein Social-Media-taugliches Video umgewandelt, während das Publikum obendrein mit einem eindeutig melodischerem Döp-Döp-Döp Chor als bei Scooter aufwartet.

Von Karsten Kriesel

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